Tiefrotes Zentrum

Lasst uns über Sommertemperaturen reden… Nachdem ich ja einigje Tage ohne wirkliche Nachrichtenupdates auskam, war es interessant, von allen zu Hause auf die Hitzewelle in Australien hingewiesen zu werden. Wirklich Gedanken über die Temperaturen hatte ich mir vorher nicht gemacht, einfach weil ich seit Monaten gewarnt wurde, dass man im Januar im Landesinneren 40plus ° zu erwarten habe – die entsprechenden Temperaturen von mir also als „normal“ erachtet wurden. Bushfeuer sind im Sommer in Australien auch – sagen wir: Nichts besonderes. Das nachrichtenträchtige Feuer in Tasmanien ist vor allem deswegen newsworthy, weil Tasmanien sonst auch im Sommer nicht ganz der heißeste Ort ist. Zum gleichen Zeitpunkt hatten die Feuerwehren in New South Wales mit 170 Bushfeuern zu kämpfen, die in fast allen Berichten mehr oder weniger nur am Rand erwähnt werden. Dass es wohl doch ein bisschen wärmer als sonst war, wurde mir dann jedoch klar als ich mir mal die Wetterkarte ansah. Offensichtlich hat das Wetteramt in Australien eine neue Farbe für diese schönen Temperaturkarten herausgeben müssen, da Orte im südlichen Landesinneren aufgrund der Bushfeuer die bisherige Skala und damit die maximale Skalentemperatur von 50° überschritten hatten – es gibt jetzt also „deep purple“ für Bereiche von 50° bis 54°. Prompt war das dann auch die größte Nachricht im Land, Feuer sind ja langweilig, aber eine neue Wetterkartenfarbe, Sensation!

Und weil ja auch Rekorde ziehen, wir haben diese Woche wohl die heißeste registrierte Durchschnittstemperatur ever miterlebt – 40,33° war es wohl montags im ganzen Land. Was ja dann aber auch heißt, dass es egal ist, wo man ist, es ist überall heiß. Wir verbrachten diese Tage demzufolge im Red Centre Australiens. Dorthin waren es von Broken Hill lächerliche 1600km und unsere größte Sorge war tatsächlich, ob Donalds Kühlapparat das durchhalten würde – wir sorgten uns komplett um den Falschen, denn der Realität der Temperatur ausgeliefert, waren wir es, deren Kühlsysteme etwas zu straucheln anfingen… Wir blieben auf dem Weg deswegen gerne im dank Aircondition recht angenehmen Auto und beobachteten die Sehenswürdigkeiten von dort. Was, nachdem wir uns am Bushland sattgesehen hatten, dazu führte, dass wir uns über alles andere „Spektakuläre“ auf der Straße freuten.

Bushland mit Salzsee.

Bushland mit Salzsee.

Road Train!

Road Train!

Altes Auto, dessen Motor gekühlt werden muss und das "blubbblubbblubb" macht!

Altes Auto, dessen Motor gekühlt werden muss und das „blubbblubbblubb“ macht!

Güterzug! Mit winkenden Lokführern!

Güterzug! Mit winkenden Lokführern!

Übernachten taten wir auf Caravan Parks an Roadhouses entlang des Weges, zum Einen in Glendambo, etwa 250km südlich von Coober Pedy, und zum Anderen in Erldunda, direkt am Abzweig zum Lasseter Highway gelegen, der nach Yulara und dem Uluru-Kata Tjuta-Nationalpark führt (immer noch eine Strecke von 250km). Katzensprung auf Australisch…

Inklusive Morgenunterhaltungsprogramm.

Inklusive Morgenunterhaltungsprogramm.

In Yulara bezogen wir, einfach weil die dortigen Preise in Zusammenarbeit mit unserem Budget nichts anderes zuließen, den Campingplatz, der zur Erfrischung aber immerhin mit einem kleinen Pool aufwarten konnte. Und dort blieben wir dann für zwei Nächte. Jetzt kann man am Uluru und in Yulara ja auch Einiges tun, wir waren jedoch zunächst gerade mal in der Lage, uns in die schattige, ansonsten aber genauso warme Küche zu setzen, aus unerfindlichen Gründen zur Hitze noch beizutragen indem wir uns Essen kochten und ansonsten möglichst wenig Bewegung auszuführen. Zum frühen Abend fuhren wir dann in den Nationalpark und besichtigten den Uluru von dem klassischen Sonnenuntergangaussichtspunkt, der allerdings nicht das eigentliche Ziel unseres Ausfluges sein sollte. Aber schnell die üblichen Fotos machen muss drin sein…

The Rock. Also frei übersetzt: Der Stein. Gibt ja auch sonst keinen anderen.

The Rock. Also frei übersetzt: Der Stein. Gibt ja auch sonst keinen anderen.

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Dumme deutsche Touris. Überall!

Ist das nicht schön, wie der Stein auf den Fotos aussieht wie auf allen anderen Fotos auch? Als wir näherkamen, erwarteten wir schon nicht mehr ganz so viel – seien wir realistisch: Es ist der meistgehypte Stein auf diesem Planeten. Soooo toll kann das gar nicht sein. Undsoweiterundsofort. Aber wenn man dann tatsächlich da ist, kann man sofort nachvollziehen, warum Uluru seinen Ruf hat. Und ich behaupte jetzt auch einfach mal, dass man das vom einfachen Angucken auf Bildern auch nicht oder nur sehr schwer nachvollziehen kann – da muss man davor stehen. Es ist nämlich einfach nur mächtig gewaltig.

Unser eigentliches Ziel am ersten Abend war der Sonnenuntergang an den Kata Tjutas, die etwa 50km entfernt vom Uluru stehen, wobei beide Attraktionen von der jeweils anderen aus sichtbar sind. Die Kata Tjuta, oder auch Olgas genannt, sind so ein bisschen wie die uncoole Schwester vom Uluru, wobei sie für die Aborigines genauso heilig sind und man sie auf keinen Fall missen sollte, wenn man denn nun schon einmal in dieser Ecke der Wüste ist.

Viele Köpfe.

Viele Köpfe.

Ich sehe ein, dass sie allein nicht ganz die Zugkraft auf die Touristenströme hätten wie der Uluru… Aber mindestens Max war dann doch mehr an den Olgas (benannt laut Wikipedia übrigens nach Königin Olga von Württemberg) interessiert, Uluru ist ja quasi nur das Pflichtprogramm, wenn man nach Australien reist. Daher entschieden wir uns auch für die Rundwanderung an den Olgas und nicht den ebenerdigen Rundspaziergang um den Uluru als Tagesaktivität für den nächsten Morgen. Nachdem der Sonnenuntergang wegen einer unerwarteten Vielzahl an Wolken eher nicht so ein Farbenspiel mit sich brachte, konnten wir dann aber immerhin nachts auch ein eher seltenes Spektaktel miterleben: Sommernachtgewitter mit quasi ein paar Tropfen Regen. Dieses hatte im benachbarten Nationalpark ein Bushfeuer zur Folge, welches das dortige Resort erwischte und daher als Touristenattraktion erstmal ausfallen lässt (also, falls wer von euch demnächst in den Kings Canyon wollte… schlechte Nachrichten).

Morgens ging es dann kurz vor sechs los Richtung Olgas – den Sonnenaufgang nahmen wir quasi fahrend mit – wo wir dann kurz nach sieben mit unserer Rundwanderung anfingen. Aufgrund der Temperaturen bei morgendlichen circa 30° musste man dieses Unterfangen recht früh angehen, nicht zuletzt, weil ab 11 Uhr (und den um diese Uhrzeit erwarteten 36°) der Weg gesperrt wird. Mit vorbildlich ausreichend Flüssigkeit beladen ging es dann los, erstmal zügig, um die angenehme Temperatur zu nutzen, und vor allem den Touristengruppen, die ebenfalls eingefallen waren, wegzulaufen. Nach dem ersten Aussichtspunkt wurde es schon weniger, und nach dem zweiten Aussichtspunkt, wo wir noch eine Vierergruppe trafen, denen wir an dem Tag noch ein paar Mal begegnen sollten, waren wir dann alleine.

Der Lookout war nicht sonderlich gut ausgeschildert, trotzdem sehr leicht zu finden.

Der Lookout war nicht sonderlich gut ausgeschildert, trotzdem sehr leicht zu finden.

Der Königin wie aus dem Gesicht geschnitten.

Der Königin wie aus dem Gesicht geschnitten.

Unterhaltungsprogramm am Weg.

Unterhaltungsprogramm am Wegesrand.

Was sehen sie in diesem Bild - also tiefenpsychologisch jetzt?

Was sehen sie in diesem Bild – also tiefenpsychologisch jetzt?

Die 7,4km durch eine wirklich wunderschöne Landschaft absolvierten wir in etwas mehr als 2 Stunden und waren nach unserer Rückkehr ordentlich erschöpft und versuchten also zurück im Campingplatz dank kühlendem Pool den Tag wenigstens halbwegs würdevoll zu überleben. Das Problem bei so einer konstanten Wärme von allen Seiten, die auch nachts nicht wirklich abkühlt, ist ja, dass man nicht nur selbst warm ist, sondern auch alles, was man berührt. Die Holzbank, auf die man sich setzt, das „kalte“ Wasser aus der Leitung – alles ist irgendwo bei Körpertemperatur… Und auch Donald musste in der Sonne einiges hinnehmen, und konnte uns dann dieses Souvenir präsentieren, was ich jetzt mal als Kommentar zur Hitzewelle so stehen lasse:

...als wir sie im Auto liegen ließen war sie noch voll.

…als wir sie im Auto liegen ließen war sie noch voll.

Ich freute mich sehr darauf, den nächsten Tag wieder im gekühlten Auto unterwegs zu sein. Abends fuhren wir dann nochmal in den Nationalpark, um wieder einen bewölkten Sonnenuntergang, diesmal am Uluru zu sehen, gefolgt von einem immerhin klaren Sonnenaufgang am nächsten Morgen, nach einer weiteren Nacht bei irgendwo 30°. Dann schalteten wir die Klimaanlage an… ähm… fuhren zurück Richtung Süden. Richtung Erldunda testeten wir dann auch mal die Leeranzeige des Tanks, aber bei 2.11$/l Benzin waren wir in Yulara dann doch irgendwie zu geizig um vollzutanken. Knapp berechnet  war es trotzdem mehr als ausreichend (wir mussten nicht mal den Reservekanister anfassen, den wir ja auch nur als Gewicht mit uns rumfahren) und wir tankten dann für 1.95$/l in Erldunda voll. (So geht Benzinpreissparen! 250km fahren um 16c pro Liter weniger zu zahlen!)

Und das nächste Mal erzähle ich euch dann davon, wie es ist, unter der Erde zu liegen.

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2 Kommentare zu “Tiefrotes Zentrum

  1. Hallo Ihr Beiden ! Das sind ja wieder sehr beeindruckende Fotos und Stories ! Nun habt Ihr also eines der wichtigsten Touristenziele Australiens, den Uluru, gesehen und seit jetzt sicher schon wieder in Adelheid (oder wo ?)
    Ist es immer noch so heiß ? Übrigens das mit der Coladose ist mir vor Jahren auch schon passiert – der Audi hat danach innen überall geklebt… Hast Du den Reservekanister gut eingepackt – nicht dass der auch noch hochgeht 😉
    Für die weiteren Abenteuer wünschen wir Euch noch viel Spaß ! Mama und Papa

  2. Hallo, Fränzi und Max!
    Auf dem höchsten Gipfel der Katatjutas lebt Wanambi, eine Regenbogenschlange. Der Wind der durch die Schluchten Katatjutas zieht, ist ihr Atem.
    …habt ihr ihn gespürt? oder war es nur heiß?

    noch ein hoffentlich veralteter Spruch:
    „In Sydney wird gelebt,
    in Melbourne gearbeitet und
    in Adelaide gebetet.“
    Viel Spaß in Adelaide, Liebe Grüße, Mama.

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