Broken Hill und Sonnenschein

Es wird gerade gebarbequed… Als australische Kerntradition muss man das natürlich ausnutzen, dass der Caravan Park in Broken Hill (wie auch so ziemlich jeder andere) mehrere Grills zum Austoben bereitstellt – ist auch angenehmer als die etwas dunkle Küche. Max hat sich ein paar leckere Rindersteaks ausgesucht, nachdem wir gestern eine improvisierte-supermarktangebotsabhängige Version der Nyabinger Steakburger auf dem Teller hatten.

Sydney haben wir am Mittwoch verlassen, nachdem wir am Dienstag einen entspannten Sightseeingtag hatten, der uns quasi von der Lodge zum Bus, zur Fähre nach Manly, wo wir kurz den überhaupt nicht überfüllten Strand begutachteten, wieder zurück zur Oper und dann irgendwann wieder in die Lodge brachte.

Die Lifesaver sind der Meinung es wär gar nicht so warm...

Die Lifesaver sind der Meinung es wär gar nicht so warm…

Bevor wir uns am darauffolgenden Tag jedoch auf den langen Weg Richtung Australien, Mitte, machten, spendierten wir Onkel Donald noch einen Satz neue Schuhe. Eine Ausgabe in Höhe von $495, die mich mit Schrecken darauf hinwies, wie schnell genau Ersparnisse in Australien wegschmelzen können. A propos Schmelzen, zum Wetter kommen wir gleich noch.

Unsere erste Fahrt ging quer durch die Blue Mountains, eine idyllische Landschaft (wie ich das von Australien ja fast gar nicht anders kenne) und glücklicherweise auch schon mit deutlich weniger Verkehr als in Sydney.

Doch, ein wenig blaustichig...

Doch, ein wenig blaustichig…

Viel Zeit blieb leider nicht, denn wir wollten ja unbedingt noch in das doch eher flache Umland dahinter, Richtung Outback, ganz genau nach Dubbo, eine ungeheuer beeindruckende Weltstadt, in der wir den Caravan Park aufsuchten. Dort eher unaustralisch unfreundlich empfangen konnten wir dann mal austesten, wie gut zwei Leute im Auto schlafen können und sagen wir mal so: Es gibt Reibungsflächen, aber ansonsten geht es ganz gut.

Morgens halbswegs ausgeschlafen ging es dann recht früh weiter, so dass wir gestern noch das erste richtige Etappenziel, Broken Hill, erreichen konnten. Broken Hill ist eine Stadt, die wie so viele in Australiens Outback, seine Existenz dem Bergbau zu verdanken hat, weswegen eine der Hauptattraktionen der Stadt dann auch ein großer Berg Dreck ist. Mit Restaurant obendrauf!

Broken Hill von oben

Broken Hill von oben

Da stand nirgendwo, dass man sich nicht draufsetzen darf.

Da stand nirgendwo, dass man sich nicht draufsetzen darf.

Seiner geographischen Position etwa 1200km westlich von Sydney mitten im Land verdankt diese Stadt zudem ihr wunderhübsch arides Klima, was mit ungefähr gefühlten 43°, Realtemperatur 43°, einhergeht. Nicht, dass das momentan irgendwo in Australien anders wäre, denn das ganze Land ist von einer Hitzewelle erfasst worden (ach, auf einmal geht’s!) und selbst in Hobart in Tasmanien waren’s heut 41°. Idealer Zeitpunkt also, um den Plan, nach Uluru zu fahren, in die Tat umzusetzen, weil ganz offensichtlich ist es eh nirgendwo kühler… (Reden wir uns zumindest momentan ein.)

Mach die Türen zu, sonst kommt die frische Luft rein!

Mach die Türen zu, sonst kommt die frische Luft rein!

In Broken Hill bleiben wir bis morgen, und so hatten wir heute einen ganzen freien Tag zum Touristieren. Als Erstes sprangen wir jedoch in den Pool, um uns nach einer Nacht bei 26° wenigstens kurzzeitig zu erfrischen. Lange hielt das nicht vor. Dann machten wir uns auf den Weg nach Silverton, einer Geisterstadt nördlich von Broken Hill, die man weniger für hochqualitative Bergbauerzeugnisse kennt, sondern mehr für ihre tragende Rolle als Kulisse in einschlägigen Hollywoodfilmen wie Mad Max. Dementsprechend, was sollte man auch anderes erwarten, gab es dann vor Ort auch ein Mad Max-Museum.

Kulissenauto; Mad Max wurde von mir gestellt.

Kulissenauto; Mad Max wurde von mir gestellt.

Weitere Highlights, die wir aufgrund der sommerlichen Wärme bevorzugt aus dem Auto genossen, waren die zwei Kirchen und der Freimaurertempel (Max hat genau mitgezählt!). Das reichte dann aber auch erstmal und wir machten uns wieder auf dem Rückweg, auf dem wir tatsächlich noch zwei Känguruhs am Straßenrand zu Gesicht bekamen, die mich mit der Kamera erstaunlich nahe heranließen – vermutlich, weil Weghüpfen das Verlassen des Baumschattens bedeutete…

Och wie niedlich!

Och wie niedlich!

Silverton, da steppt der Esel... nicht.

Silverton, da steppt der Esel… nicht.

 

Zu verkaufen, das Auto bekommt man gratis dazu. (Jetzt zugreifen!)

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Nach einem kurzen Mittag in Broken Hills doch recht niedlicher Innenstadt konnte ich dann als designierte Reisetourleiterin den bequemen Herrn davon überzeugen, dass man doch den Flughafen und insbesondere die dortige Außenstelle des Royal Flying Doctor Service ansteuern könnte (eines der schlagkräftigsten Argumente war die dort zu erwartende Klimaanlage). Wer seine Fernsehbildung in den 90ern auf den öffentlich-rechtlichen genossen hat, kennt diese ur-australische Einrichtung sicher von der dramaturgisch ganz sicher ausgezeichneten Fernsehserie „The Flying Doctors“, alle anderen können hier ihr Hintergrundwissen auffrischen. Der Royal Flying Doctor Service (oder praktikablerweise R.F.D.S.) ist die kostenlose(!) medizinische Versorgung für alles, was im Outback stattfindet. Mit insgesamt 22 Stationen deckt der 1928 gegrünete Service insgesamt 80% des australischen Kontinents ab und ist in der Regel der einzige Doktor für die Leute, die dort leben.

Dein Argument ist ungültig, ich bin ein Flugzeug!

Dein Argument ist ungültig, ich bin ein Flugzeug!

Üblicherweise wird mit dem R.F.D.S. die Notfallrettung per Flugzeug assoziiert. Die Station in Broken Hill, mit sieben Flugzeugen und 9 Doktoren (und noch mehr Krankenschwestern) die größte in Australien, musste zu diesem Zweck letztes Jahr weit mehr als 400 solcher Einsätze fliegen. Die sind auch deshalb beeindruckend, da die Maschinen recht klein, der darin vorhandene medizinische Aktionsradius demzufolge bestenfalls eingeschränkt, und insbesondere auch die Landeverhältnisse im Outback nicht unbedingt die unkompliziertesten sind. Man stelle sich einen Dirttrack irgendwo im Nirgendwo vor, der, in Falle von Nachtrettungen beispielsweise, durch Autolichtanlagen oder Lagerfeuern gekennzeichnet wird (der Tourguide erzählte davon, dass die Piloten dass mit dem Landen eines Dreirades bei 100km/h und verbundenen Augen vergleichen, aber wohl alle meinten, dass es unheimlich „fun“ sei – die notwendige Qualifikation listete er auch auf: Berufspilot plus mindestens 200 Flugstunden in Sachen Outbacklanden und –starten und ein kleines bisschen bekloppt sein).

Dieses „Kerngeschäft“ stellt jedoch nur rund 20% der Tätigkeit des R.F.D.S. dar, der auch die routinemäßige Versorgung für die Landbevölkerung unternimmt und zu diesem Zweck den Doktor regelmäßig in die Gemeinden einfliegt (der so genannte „clinic day“) sowie einen konstanten Telefondoktorservice, falls irgendwo medizinischer Rat gefragt ist, bei Schnupfen und dergleichen. Da es schwer ist, ein Team aus Spezialisten parat zu haben, muss deshalb jeder Doktor auch sehr umfangreich ausgebildet sein, unter anderem Notfall-, allgemeinmedizinische und auch zahnmedizinische Erfahrung vorweisen, damit sie in allen Eventualitäten wissen, was zu tun ist. Insgesamt eine sehr beeindruckende Organisation, die sich zu immerhin einem Drittel durch Spenden finanzieren muss.

Immer diese Ärzte mit ihren Privatjets!

Immer diese Ärzte mit ihren Privatjets!

Solcherart unseren Lieblingsprogrammpunkt des heutigen Tages hinter uns gebracht, suchten wir noch etwas anderes, um uns die Zeit in klimatisierten Räumen zu vertreiben und gingen ins Museum für Geologie, Mineralogie und Metallurgie, eine kleine aber feine Einrichtung, die einem die Genese der Region und somit die Vorgeschichte für Broken Hills Bergbauindustrie nahebrachte. Ausgestellt waren unter anderem auch alle möglichen Bergbauerzeugnisse der Gegend und eine Vielfalt von Mineralen, die es in der hiesigen Eisenerzader zu finden gab – und auch wenn mir in solchen Museum zu meiner Schande immer wieder schmerzhaft bewusst wird, dass ich Geologie bei Prof. Kleber nur mit einer 4 bestanden hab. (Randnotiz: Das lehrbare Video im Museum zeigte einen hiesigen Geologen, der original mit Weste und Geologenhammer vor einem Aufschluss stand und dort fröhlich rumdozierte. Wunderbar.) Außerdem sollte ich mir nach meiner Rückkehr mal wieder meinen Standardwälzer „Physische Geographie“ als Bettlektüre geben – da gehört einiges aufgefrischt! Vorher geht es allerdings dann doch erstmal auf dieser Seite der Welt mit dem Programm weiter – auf zum Uluru! Ist ja doch ein wenig frisch hier…

2 thoughts on “Broken Hill und Sonnenschein

  1. Liebe Franzi, deine Bildberichte lesen sich wie ein spannender Film; man ist immer auf die Fortsetzung gespannt! Es ist einfach der Wahnsinn. Die Hitzewelle in Australien hat es bis in die hiesigen Tagesthemen gebracht. Gemeinsam mit deinem Mad Max 😉 geht es nun zum Uluru – gute Reise und viele schöne abenteuerliche Erlebnisse wünschen euch beiden Mama und Papa – Liebe Fränzi, grüß‘ den Uluru von mir und denk an ein bißchen Erde, Mama.

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