Von der Gefährdung des Abendlands durch eine unerwünschte Minderheit

Ich bin ein politischer Mensch. Ich bin ein Gerechtigkeitsextremist. Ich rege mich viel auf.

Ich habe Politikwissenschaften studiert, Geschichte und Geographie im Nebenfach, weil ich begreifen will. Ich weiß um die Notwendigkeit, Quellen, Zahlen, Nachrichten finden, analysieren und werten zu können.

Ich bin in der Lage Zusammenhänge zu erkennen und zu verstehen.

Ich habe verstanden, dass unsere Welt ein komplexes Gefüge ist, deren geographische Prozesse, wirtschaftliche Systeme, politische Gesellschaften alle miteinander verwoben und verzahnt sind – miteinander und gegeneinander agieren und dass es in diesem komplexen Gefüge eine massige Vielfalt an Faktoren und Elementen gibt, die ihre Wirkung entfachen auf dass, was wir Leben nennen. Ich finde es spannend, diese Zusammenhänge zu analysieren. Ich weiß, dass man nie fertig ist, diese Zusammenhänge zu analysieren. Ich weiß, dass man selten einfache Antworten findet.

Deshalb rege ich mich derzeit viel auf.

Es gibt in Deutschland, und insbesondere in Dresden, in den letzten Monaten eine Bewegung, die eine einfache Antwort anbietet. Sie bietet diese Antwort an für ein Problem, dass in seiner Komplexität eine einfache Antwort nicht verdient hat, und das auch ich in diesem Format nur ankratzen kann. Es geht um das Problem der Asylbewerber in Deutschland.

Das es in der Frage der Aufnahme und Versorgung von Asylbewerbern ein Problem gibt, ist kein Geheimnis. Seit Jahrzehnten gibt es Probleme was die medizinische Versorgung dieser Mitmenschen angeht, ihrer Unterbringung und Verpflegung, die nach westlichen Standards teilweise menschenunwürdig ist. Es gibt Probleme bei der Bearbeitung der Anträge, die viel zu viel Zeit in Anspruch nimmt und harsche Methoden anwendet, was Altersbestimmung und Verfolgungsgründe betrifft. Es ist politisch gewollt, Asylbewerber nicht am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen, sie bekommen keine Sprachkurse und selten dürfen sie eine Arbeit aufnehmen. Möglichkeiten, durch gesellschaftliche Teilhabe bereichernd zu wirken, sind für sie nicht vorgesehen. Das alles ist bekannt – seit Jahrzehnten. Diese Probleme anzugehen wird von interessierten und engagierten Menschen und Organisationen gefordert – seit Jahrzehnten.

Aber diese Probleme ignorieren die selbsternannten Patrioten, die momentan auf der Straße Stimmung machen, denn sie behaupten, ein neues Problem ausgemacht zu haben:

Die Überfremdung unserer Gesellschaft durch Asylbewerber. Die immanente Gefahr eines Religionskrieges auf deutschem Boden. Die Bedrohung für Leib und Leben durch die Anwesenheit von Einwanderern. Nichts Weniger als den Untergang des Abendlandes.

Ihre Argumente sind hanebüchen. Sie differenzieren selten zwischen illegalen Einwanderern, Asylbewerbern oder regulären Einwanderern. Sie picken sich einzelne Fakten heraus und bauschen sie zu einem Bedrohungsszenario auf, dass so nicht existiert, aber „gefühlt“ zur Wahrheit wird. Konfrontiert mit Fakten, die diese „gefühlte Bedrohung“ rationalisieren und minimieren soll, verweigern sie die Diskussion. Wird berichtet von den oben genannten realen Problemen, über die es zahllose Studien, Berichte Gesetzestexte gibt, reden sie von Gehirnwäsche und gleichgeschalteten linken Medien – egal wir konservativ die publizierende Institution eigentlich positioniert ist.

Sie bemühen die „gefühlte“ gesteigerte Kriminalität im Umfeld von Asylbewerberheimen, ignorieren dabei das Konfliktpotenzial, dass sich durch die Unterbringung von traumatisierten Menschen, unterschiedlicher Herkunft, aufgrund der Sprache mangelnder Kommunikationsmöglichkeiten, in engsten Räumen und ohne ausreichende Betreuung, mitunter sogar aktiver Gängelung durch das gesellschaftliche und bürokratische System, zwangsläufig ergeben muss.

Sie führen die Berichte von gewalttätigen, kriminellen Menschen an, ignorieren aber, dass auch deren Taten entsprechend unseres Rechtssystems polizeilich verfolgt werden und entsprechend der Beweislage auch Konsequenzen haben. Nicht diskutiert wird ebenfalls, dass der Durchschnittsausländer nicht häufiger straffällig wird als ein Durchschnittsdeutscher. Die Auffassung der Bewegung lässt hingegen die Vorstellung entstehen, wonach Deutschland kriminalitätsfrei wäre, wenn man doch nur endlich alle kriminellen Ausländer des Landes verweisen würde. Wie ein Scherz klingt es dann, wenn für die kriminellen Deutschen in den eigenen Reihen der Bewegung Vergebung und eine zweite Chance eingefordert wird.

In Diskussionen und Wortmeldungen benutzen sie diskriminierende Begriffe und nationalistische sowie rassistische Schlagwörter und Argumente, behaupten aber, sich von Rechtsextremen zu distanzieren und nicht vereinnahmen zu lassen. Ein breites gesellschaftliches Bündnis, welches sich ihrer Auffassung entgegenstellt wird jedoch undifferenziert als linksextremistisch und radikal bezeichnet, da es ihr Selbstbild als mehrheitliche Mitte der Bevölkerung gefährdet. Sie können ihre Meinung ohne rechtlichen Konsequenzen überall artikulieren, behaupten aber, keine Meinungsfreiheit zu genießen, sobald jemand nicht ihre Meinung teilt.

Generell ergibt sich ein Wust an Argumenten, die sich durch einfachste Recherche außerhalb von rechtspopulistischen Kanälen widerlegen lassen würde. Ein Bild aus Szenarien, die seit Jahren immer wieder bemüht werden, um die eigene Meinung durch Wiederholung wahr werden zu lassen: Asylflut[i], Sozialleistungsmissbrauch[ii], Verschwörungstheorien. Egal wie häufig diese, durch klare und für jeden zugänglich und nachvollziehbare Zahlen, Belege und Quellen widerlegt wurden.

Ich rege mich auf.

Über die Ignoranz zu vielen fundierten Erkenntnissen, die sich auf Deutschland, auf Sachsen und insbesondere auf Dresden anwenden lassen: Das in Gebieten mit einem geringen Ausländeranteil in der Bevölkerung rassistische Vorurteile und Argumente statistisch eine höhere Zustimmung erfahren. Das einzelne Fakten herausgegriffen werden, dazugehörige Hintergrundinformationen ausgeblendet werden und in Diskussionen nicht akzeptiert werden. Das die rechtliche Behandlung von Asylbewerbern in unserer Gesellschaft ein signifikanter Faktor ist, der das Konfliktpotenzial steigert und Probleme aktiv verursacht. Das es funktionierende Methoden gibt, die Integration zu ermöglichen, einen Austausch zu vereinfachen und Berührungsängste und Bedrohungssituationen abzubauen, die aber politisch und gesellschaftlich nicht gewollt sind.

Weil die Probleme, die Deutschland mit seinen Asylbewerbern hat, hausgemacht sind. Weil eine rechtskonservative Gesellschaft es nicht wünscht, dass Sprachkurse angeboten, soziale Betreuung gewährleistet oder Integration erreicht wird. Weil es einfacher und kostengünstiger ist, Menschen, die eine traumatische Flucht hinter sich haben in engen Unterkünften mit ihren Problemen allein zu lassen, anstatt sich professionell um sie zu kümmern. Weil man diesen Menschen nicht das Gefühl geben will, dass sie hier willkommen sind.

Das Problem sind nicht die Asylbewerber, das Problem sind diejenigen, die mit dem Finger auf die Asylbewerber zeigen und dabei nicht feststellen, dass sie an deren Situation mit schuld sind. Die jahrzehntelang keinerlei Bereitschaft gezeigt haben, als Gesellschaft die Verantwortung für Asylbewerber zu übernehmen, und nun die Folgen dieser asozialen Politik kritisieren.

Weil sie nicht erkennen, dass die einfache Lösung, die propagiert wird – eine radikal restriktive Handhabe des Asylrechts – keines der Probleme lösen wird, die wir in unserer Gesellschaft vorfinden. Durch die Abschiebung von Ausländern werden wir keine gewaltfreie Gesellschaft. Durch die Verneinung jeglicher Leistungen für Asylbewerber wird kein Bürger auch nur einen Cent mehr in der Tasche haben.

Keines unserer gesellschaftlichen Probleme werden wir lösen können, indem wir den Menschen, die in unser Land flüchten, das Recht auf Asyl nehmen.

Aber etwas anderes werden wir damit erreichen:

Das Recht auf Asyl ist ein Menschenrecht[iii]. Es ist auch in Deutschland ein Grundrecht, verfassungsmäßig garantiert, wenn auch bereits bedenklich stark begrenzt. Menschenrechte sind ein konstituierendes Merkmal unserer abendländischen Gesellschaft. Sie sind das Ergebnis eines umfassenden Erkenntnisprozesses, der Aufklärung. Sie basieren auf dem Prinzip der Gleichheit und sind der Garant dafür, dass jedes Mitglied einer Gesellschaft in höchstmöglicher Freiheit leben kann. Ihr grundlegendes Prinzip ist die Unantastbarkeit dieser Rechte, wie auch im Grundgesetz festgeschrieben, und ihre Allgemeingültigkeit, also dass sie überall für alle gleichsam gültig ist. Sie ist die Grundlage eines modernen Rechtsstaats, der als einziger eine systemische Grundlage für willkürfreies Zusammenleben in einer Gesellschaft bieten kann.

Ich rege mich auf, denn eine Bewegung, die sich dafür ausspricht, Menschen aufgrund von Vorurteilen, Vermutungen und Ängsten ihre grundlegenden Rechte einzuschränken oder gar gänzlich zu nehmen, ist im höchsten Maße eine Gefährdung für die Grundlage unseres gesellschaftlichen Systems.

Es sind nicht die Flüchtlinge und die Einwanderer, die unsere Gesellschaft bedrohen – es sind die Teile unserer Gesellschaft, die aus Angst und auf der Suche nach einfachen Lösungen unsere eigenen kulturellen und gesellschaftlichen Fundamente zu zerstören bereit sind.


[i] Von weltweit 51,2 Millionen Flüchtlingen haben im Jahr 2013 lediglich 126.705 in Deutschland Asyl beantragt. 29 Millionen haben nicht einmal ihr Land verlassen, 81% aller Flüchtlinge leben in Entwicklungsländern. Die meisten flüchten in Nachbarländer. Es gibt nur wenige Flüchtlinge die nach Europa und Deutschland kommen, da es keine legalen Einreisemöglichkeiten für Asylbewerber gibt, außer humanitäre Aufnahmeprogramme, die lediglich einige tausend Plätze anbieten. Quelle: Heinrich-Böll-Stiftung, pro asyl, UNHCR

[ii] Etwa 40 Prozent der Asylbewerber in Deutschland bekommen eine Duldung oder eine Genehmigung des Asylantrags, d.h. in ihrem Heimatland sind sie entweder Verfolgung ausgesetzt oder es besteht eine Gefahr um ihr Leben. Wirtschaftsflüchtlinge sind eine deutliche Minderheit, eine Vielzahl an Anträgen wird auch aus formalen Gründen abgelehnt (Fristen nicht eingehalten, über ein „sicheres“ Drittland innerhalb Europas nach Deutschland gekommen, o.ä.). Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

[iii] Artikel 14:

  1. Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen.
  2. Dieses Recht kann nicht in Anspruch genommen werden im Falle einer Strafverfolgung, die tatsächlich auf Grund von Verbrechen nichtpolitischer Art oder auf Grund von Handlungen erfolgt, die gegen die Ziele und Grundsätze der Vereinten Nationen verstoßen.

Quelle: Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, 1948

Entzugserscheinungen und Wiedersehensplanungen

Na wunderbar… da tipp ich mir einen lustigen Text zusammen, darüber, wie ich trotz leichter Probleme am Dubaier Flughafen morgens um drei Uhr (“Was soll das heißen, sie haben keine Buchung auf meinen Namen?!?”) inklusive Kofferverschwurbelungen, der aber auch noch heil und in einem Stück etwas nach mir ankam, letztlich es doch irgendwie nach Deutschland geschafft habe, und wie ich zwar jetzt schon ein paar Tage das liebe Leben wieder zu Hause genieße und trotzdem noch unter Entzugserscheinungen nach dem lieben Australien leide… und dann stürzt der Browser ab. Juhe.

Nunja, muss das jetzt reichen und ich gehe gleich zum eigentlichen Tagesordnungspunkt über: Dem Planen und Machen der nächsten Wochen. An verschiedenen Stellen wurde mir ja zugetragen, dass meine Anwesenheit durchaus an verschiedenen Stellen und Gelegenheiten gewünscht wäre und da auch ich gerne all die lieben Menschen, die solcherart verkündet haben, gerne wiedersehen will und obendrein noch Einiges an Zeit zur Verfügung habe, die mir dringend verplant werden muss, lade ich euch hiermit alle ein, mir Termine in den Kalender zu schreiben.

Ich habe zu diesem Zweck mal die neue doodle-Funktion meetme ausprobiert, mal schauen ob das dort klappt…: http://doodle.com/eulenberger

Dort könnt ihr mir nach Herzenslust Unternehmungen reintragen, wann es euch beliebt. Mittagessen in der Mensa, Sonne oder Regen tanken an der Elbwiese, ein Bierchen in der Neustadt, gemeinsam kochen, tanzen, schwimmen, radfahren… worauf immer ihr Lust habt, wann immer ihr Zeit habt. Ich freue mich drauf, mit euch loszutoben!

Außerdem, und für alle, denen Zweipersonendates zu langweilig sind, plane ich nächsten Freitag das Gegenstück zur Abschiedsparty letztes Jahr, die Wiedersehensparty. Zu diesem Zwecke werde ich ein oder zwei Kästen Bier oder alternative Flüssigkeiten in den Großen Garten stellen, und wer mag kommt vorbei und bringt vielleicht noch was zu knabbern mit. Und ein bisschen Sommersonne. Treffpunkt: 18 Uhr, Eingang Großer Garten bei gleichnamiger Straßenbahnhaltestelle. Wer nicht kommt ist doof.

Whoop! Ich freu mich! Bis die Tage!

Der Gang nach Sydney: Noch schnell eine letzte 4000km-Woche

Meine Güte, kann man auch präflug Jetlag haben? Irgendwie fühl ich mich grad so müde… Aber dann bin ich heut auch ganz ordentlich durch Sydney getobt, um noch die allerallerletzten Besorgungen zu erledigen, und natürlich nicht alle zu schaffen. (Bei der Bank haben sie mich nochmal lustige Details holen geschickt und als ich dann wieder da war musste ich feststellen, dass schon zu war. Upps! Na dann, ganz fix morgen früh bevor es zum Flughafen geht.) Davon mal abgesehen war es allerdings ein recht erfolgreicher Tag, regenfrei, und ich konnte es mir natürlich nicht verkneifen, doch noch ein bisschen Geld, ein klitzekleines bisschen, in Schmuck zu investieren. Wegen den Erinnerungswerten, ihr wisst schon. Aber jetzt ist erstmal Zeit, die Geschichte vom Rest der Reise noch fertigzuschreiben.

Kaum, dass mich Katja also in den Zug gesetzt hatte, der im Vergleich zu meiner letzten Fahrt knackevoll war, begann ich mit einem entspannten Unterhaltungsprogramm, erst mit Lesen, dann, als der Herr im Sitz direkt hinter mir anfing zu schnarchen wie ein Holzfäller im Winterschlaf, lieber mit Big Bang Theory-Folgen aufm Laptop und Kopfhörern. Die Fahrt an sich war recht unspektakulär, aber ich genoss auch dieses mal dass Dahinrattern und die Landschaft im Vorbeiziehen. Es gab wieder die obligatorischen Stops in Kalgoorlie und Cook, wo ich dieses Mal doch mit etwas weniger Forscherdrang herumlief und mir allein die Zeit vertrödelte, bevor es im Zug dann wieder weiter ging.

Der einzige Pub der Sonntagabend auf hatte. Von wegen Rüpelbergbaustadt!

Der einzige Pub der Sonntagabend auf hatte. Von wegen Rüpelbergbaustadt!

Der Turm einer Goldmine, farblich passend angestrahlt.

Der Turm einer Goldmine, farblich passend angestrahlt.

Knappe zwei Tage nach Abfahrt aus Perth, zwei Bücher und etwas Schlaf später, erreichten wir dann das Interstate Train Terminal in Adelaide am frühen Morgen, von wo man erstmal wieder weg kommen musste. Da ich ja Zeit hatte, lief ich die paar Kilometer zum Hauptbahnhof, warnte Dan per Textnachricht vor und setzte mich in den nächsten Zug nach Evanston, wo mir dann gegen Mittag von, wie sollte es anders sein, einer anderen Backpackerin die Türe geöffnet wurde. Ciska aus den Niederlanden war mir jedoch aus zahlreichen Erzählungen nicht unbekannt und hat bei Dan und James einen ähnlichen Status wie ich, derer, die immer wieder vorbeikommen, nämlich. Außerdem arbeitete sie eine ganze Weile im Mundrabilla Roadhouse entlang des Eyre Highways durch die Nullarbor, was mir von meinen langen Fahrten ja nun auch bekannt war, und was ihr zudem die Transportoption Road Train eröffnet hatte. Wir verstanden uns auf Anhieb, allerdings musste sie am nächsten Tag wieder abreisen, so dass ich auf meine letzten Tage in Adelaide doch mit den Jungs auf mich allein gestellt war, was ja jetzt auch nicht verkehrt ist.

Lieblingsaustralier.

Lieblingsaustralier.

Viel unternommen habe ich in den Tagen allerdings auch nicht, die Zeit war vor allem zur Entspannung mit und bei Freunden gedacht, und so tat ich das auch ausgiebig. Ich erledigte zwar einiges an Organisationskram, wie Post, letzte Besorgungen und so (wobei ich dabei erlebte, dass die Servicehotline der australischen Steuerbehörde wie versprochen zurückruft und dann bei unkonventionellen Anfragen durchaus auch gern eine halbe Stunde alles abklärt, nett), aber ansonsten fand insbesondere Vormittags nicht viel statt.

Aber Fotos hab ich einige gemacht, zum Beispiel von diesem Taubenflüsterer...

Aber Fotos hab ich einige gemacht, zum Beispiel von diesem Taubenflüsterer…

...oder diesem Original.

…oder diesem Original.

Und nach einem Jahr in der Präsenz all der todgefährlichen Tiere Australiens stolpere ich über dieses Schild: Elstern! Der natürliche Feind des Stadtmenschen!

Und nach einem Jahr in der Präsenz all der todgefährlichen Tiere Australiens stolpere ich über dieses Schild: Elstern! Der natürliche Feind des Stadtmenschen!

Rathaus bei Nacht

Rathaus bei Nacht

Abends ging es dann mit den Jungs mal in eine Kneipe zum Essen, oder wir haben lecker gekocht und ich mich mal wieder in der Küche ausprobiert, bevor ich dann Freitag James verabschiedete, quasi im umgekehrten Rollenmuster, denn er fuhr übers Wochenende nach Melbourne. Zum Einen wollte er dort seine Freunde besuchen, zum Anderen das Footy-Spiel der Adelaide Crows, welches im althochehrwürdigen MCG (Melbourne Cricket Ground, quasi das Traditionsstadion des gesamten Landes) stattfinden sollte, live sehen, und das war was Besonderes, weil er dort noch nie Footy gesehen hat, nur Cricket. Den letzten gemeinsamen Abend letzten Freitag verbrachten wir also vor der Abfahrt seines Busses mit einem kurzen Kostprobenrundlauf in den Central Markets, wo sich das leckere Essen in hundertfacher Ausfertigung nur so stapelte, bevor wir dann ein, oder doch besser zwei Abschiedsbiere im nahegelegenen Pub einnahmen. Dann setzte ich ihn noch am Busterminal ab und fuhr wieder nach Evanston, immerhin mit dem Spiel der Adelaide Crows als samstäglichen Programmpunkt, was ich mir ja im Fernsehen angucken konnte.

Das wurde dann aber doch fallen gelassen und stattdessen ein letztes Spiel noch einmal live beobachtet, da Dan zur gleichen Zeit auch spielerisch im Einsatz war. So oder so waren beide Spiele ergebnistechnisch ein Reinfall für den Fan, sowohl die Crows in Melbourne als auch Dan’s Team (die Willaston Donnybrooks, ich komm immer noch nicht darüber hinweg, dass Dan mit Nachnamen Brooks heißt: Faust aufs Auge. Faust aufs Auge.) erlitten schmerzliche Niederlagen. Da aber Dan’s Eltern auch wieder vor Ort waren, um den beiden jüngeren Söhnen beim Spielen zuzusehen, konnte ich mich auch mal wieder mit Leanne unterhalten, da sie am Dienstag ebenfalls gen Zentraleuropa fliegen um dort eine ausgiebige Rundreise zu starten. Um sich vom spielerischen Debakel abzulenken, tauschten wir also Reisetipps und potentielle Kaffeetrinktrefftermine aus und genossen das bisschen Sonne, dass zumindest das Wetter an dem Tag zu einem Gewinn machen sollte.

Die grauen Wolken sind nur der dramatischen Stimmung wegen da.

Die grauen Wolken sind nur der dramatischen Stimmung wegen da.

Das Wechseln brachte auch nicht viel...

Das Wechseln brachte auch nicht viel…

Den Punktestand kann man auch an den Gesichtern der anwesenden Unterstützer ablesen.

Den Punktestand kann man auch an den Gesichtern der anwesenden Unterstützer ablesen.

Nach dem Spiel verzog sich Dan dann auf eine Verlobungsparty, zu der er mich leider wegen unlexibler Gästezahl leider nicht mitnehmen konnte, versprach mir aber noch, mich am Sonntagnachmittag zum Flughafen zu fahren. Ich verbrachte den Abend dann mit Bildersortieren und Hochladen und ging irgendwann todmüde ins Bett nur um dort am nächsten Morgen von einem Telefonanruf geweckt zu werden, ob Dan mich auch schon Mittags in der City oder am Flughafen absetzen könnte, er müsse doch arbeiten. Offensichtlich war auf einer Baustelle ein Unfall passiert und ein Fenster musste möglichst sofort neu gemacht werden – und Dan’s leicht dreiste Forderung, wie er selber formulierte, nur anzutanzen, wenn er $800 für den Tag Arbeit bezahlt bekomme, führte erstaunlicherweise nicht dazu, dass er den Sonntag doch frei bekam.

Da ich allerdings deswegen nicht irgendwann nachmittags alleine abrücken wollte, entschied ich mich dafür, doch schon Mittags zum Flughafen gefahren zu werden, dabei eine sehr heitere Fahrt mit Dan zu verbringen und zumindest doch noch anständig am Flughafen abgesetzt und verabschiedet zu werden. Bis bald, wie wir beide betonten, soviel steht schonmal fest. Die Frage lautet eigentlich nur, wo das sein wird, also, ob ich schneller wieder in Australien bin oder Dan doch noch mal eben auf ein Working Holiday Visum vorher wieder nach Europa kommt. Wunderbar.

Der Rest ist jetzt wirklich ordentlich unglamourös, auch wenn der Adelaider Flughafen wirklich schick ist, sehr modern und angenehm effizient in seiner Arbeit. Dort verbrachte ich dann also den Nachmittag bei Kaffee und Blogtippen, bevor es im Dunkeln gen Sydney ging, was absolut phantastisch aussah – ich glaube, ich habe noch nie nachts beim Fliegen Städte von oben sehen können. Ein einziges Glitzermeer mit goldfließenden Straßenadern, und besonders mit dem Kontrast des schwarzen Ozeans daneben ein einziger Traum. In Sydney selbst musste ich dann nur noch zum zentral gelegenen Hostel fahren und eben heute die letzten Dinge, die zu erledigen waren, angehen.

Nochmal schauen, ob auch alles da ist: Harbour Bridge...

Nochmal schauen, ob auch alles da ist: Harbour Bridge…

...und Oper. (Bilder mit gutem Wetter sind langweilig!)

…und Oper. (Bilder mit gutem Wetter sind langweilig!)

Skyline mit Palmen macht einfach Lebensqualität.

Skyline mit Palmen macht einfach Lebensqualität.

Somit habe ich dann auch die letzten Kilometer meiner sehr langen, nicht unbedingt direkten und einer wenig nachvollziehbaren Reiseplanung folgenden Australienreise hinter mich gebracht. Grob überschlagen sind es insgesamt um die 47000 Kilometer die ich in den letzten zehneinhalb Monaten absolviert habe, was einem Durchschnitt von mehr als 1000km/Woche ausmacht. Das ist so in Retrospektive doch ne ganz schöne Menge. Oder, nach australischen Standards: Nicht wirklich viel. („Was, tausend Kilometer? Tagestrip!“ Ruft da mein australisch verzogenes Distanzeinschätzungsgehirnareal.)

Aber nun ist das erstmal vorbei (ich hoffe, ich muss zu Hause nicht ganz so weit fahren – bei deutschen Verkehrsdichtenverhältnissen ist das nur wenig spaßig) und ich befinde mich jetzt quasi die letzten Stunden in einer mentalen Vorbereitungsübung auf die bevorstehende Abreise, auch wenn ich dabei nur mäßig erfolgreich bin – irgendwie sind meine entsprechenden neuralen Rezeptoren äußerst indifferent, wenn ich vor der Oper stehe und mir denke: „Hachja, das ist voraussichtlich das letzte Mal, dass du die in echt sehen wirst.“

Ein letztes Tourifoto.

Ein letztes Tourifoto.

Das kann natürlich sein, dass meine Abreise immer noch nicht wirklich in meinem Bewusstsein angekommen ist.

Ich sehe es aber lieber als ein Zeichen dafür, dass es nicht so schlimm ist, dass ich bald weg bin. Denn das Stück Australien, dass ich in den letzten Monaten für mich finden und leben konnte, das werde ich mitnehmen und immer bei mir haben.

Der Gang nach Sydney: Das Drama vom Verkauf des Donald

Ich nutze hier an dieser Stelle mal die Gelegenheit und bitte um Vergebung dafür, dass ich einige meiner Nahestehendsten in letzter Zeit doch ausgiebig mit meiner Rumningelei ob der unersehnten Heimreise genervt habe, dass ist sicher irgendwann total langweilig und so ziemlich komplett diametral zu euren Emotionslagen bezüglich meiner Heimkunft. In diesem Sinne versuche ich mich daher auch zu bessern und werde versuchen, weniger wegen dem zu Ende gehenden Australienjahr zu wehleiden und meine Energie vielmehr in zukünftige Realitätsplanungen zu stecken. Wie beispielsweise meinem nächsten Australienurlaub.

Aber bevor es mit der endgültigen Ankunft in der Realität weitergeht (ich merke sie langsam aber sicher deutlich am Horizont heraufziehen) soll zumindest auch in der hiesigen schriftlichen Form die Reise zu einem Abschluss gebracht werden. Zwischen Nyabing und Frankfurt liegt ja schließlich noch einiges an Reisekilometern, Erlebnissen und Abschieden, die jetzt und hier halbtherapeutisch abgearbeitet werden sollen und mit mittlerweile weniger als zwei Tage bis zu meinem Heimflug wird es höchste Eisenbahn das noch rechtzeitig zu Papier ins Internet zu bringen…

Fangen wir an in Perth, wo wir nach Nyabing für einige Nächte unser Lager aufschlugen, wieder mal bei einem Couchsurfinggastgeber (also man hat dort schon Auswahl) der dieses Mal sogar einen recht drogenunaffinen Eindruck machte.
Er, Tony, machte insgesamt nicht viele Eindrücke, auch weil Katja und ich ihn kaum zu Gesicht bekamen (zumindest bis zu meiner Abreise am Sonntag, was danach geschah, davon kann euch Katja bei Gelegenheit eine Geschichte erzählen). Der Junge war busy, mit Arbeit, Sport, Familie und Freizeit und wir waren da irgendwie ungünstig terminlich reingeraten. Das machte aber nichts, denn wenn er mal da war, dann war er auch ein typisch netter Aussie Bloke, wie man das so gern hat und zudem konnten wir ein echt tolles Zimmer mit eigenem Bad quasi direkt in Perths City beziehen – zum zentralen Bahnhof waren es 10 Minuten zu Fuß, einwandfrei. Das Apartment in bester Lage hat unser Gastgeber gekauft, weil sowas kann man sich (Perth Preise!) mit 26 halt schon mal leisten. Als Ingenieur im Bergbaugeschäft.

Der Blick aus dem Fenster: Die neue Perth Arena gleich nebenan...

Der Blick aus dem Fenster: Die neue Perth Arena gleich nebenan…

...die Nachts so aussieht.

…die Nachts so aussieht.

Das Einzige Manko an dieser Top-Unterkunft war der Mangel an Parkplätzen für meinen geliebten Weggefährten Donald, dem ich deswegen nach einigem Suchen auf den gratis Langzeitparkplatz am Interstate-Zugbahnhof in East Perth, drei Stationen weiter, abstellte. Nicht die schickste Lösung aber bei innercitygen Parkgebühren von $6 die Stunde…
Den Bahnhof machten wir demzufolge, also hauptsächlich ich, Katja ließ sich netterweise dazu begeistern, mir zur Seite zu stehen, zur Ausgangsbasis meines leicht drängenden Unternehmens: Donalds Verkauf. Ja, mit schweren Herzen musste ich von der zuverlässigen Ente Abschied nehmen, aber er hätte nun wirklich nicht in meinen Koffer gepackt.

...der im Übrigen DAS hier alles problemlos fasst.

…welcher im Übrigen DAS hier alles problemlos fasst.

Die ganze Aktion entwickelte sich zu einem mittleren Drama mit kathartischem Ende, bei dem ich doch einiges an Nerven ließ und ganz offensichtlich zur falschen Zeit am falschen Ort war, aber vielleicht kann der ganze Spaß ja noch zur Unterhaltung eurerseits dienen: Einige Wochen vorher hatte ich an typischer Stelle im Internet meine Anzeige geschaltet, und immer mal wieder gab es auch Nachfragen, aber da wir noch nicht in Perth waren, ergab sich daraus nichts Konkreted. Nun, dort angekommen, hatte ich zumindest drei Interessenten, irgendwie. Also der eine Junge, deutsche Pünktlich- und Gründlichkeit, war wie bestellt da, sah sich das Auto an, auch unter der Motorhaube, um mir dann zu versichern, dass er sich im Laufe des Tages noch bei mir melden wird mit einer Entscheidung. Dann hatte ich noch ein Pärchen, die auch am Nachmittag gucken wollten, dann aber doch keine Zeit hatten, und doch lieber Freitag. Dazwischen zwei andere Mädels die auch erst Donnerstag gucken wollten, dass dann auf Freitag Mittag verschoben. Dann doch das erste Pärchen wieder, sie hätten doch Zeit, also jetzt.

Wir warteten also geduldig am Parkplatz bis wir sie trafen. Zwei junge Taiwanesen, gerade mal eine Woche Down Under und mit einem Australier im Gepäck, der ihnen beratend zur Seite stand. Nach einigem Hin und Her und Rumgeräume (soviele Sitzplätze im Auto freimachen wie möglich) drehten die beiden Interessenten dann eine Runde auf dem Parkplatz, ich, einfach weil Fremde mein Auto fuhren, ordentlich nervös daneben. Und dann kam der Australier auf die Idee, doch eine richtige Probefahrt zu machen. Da sich die beiden potenziellen Käufer nicht in den Abend- und Feierabendverkehr trauten, nahm er das Steuer in die Hand: Und trat Donald ordentlich. Das war nicht gut, denn wenn man das macht beim Anfahren, dann buckelt er manchmal ein bisschen beim Hochschalten. Und weil der Australier das trotz meiner freundlichen Intervention immer wieder hervorgerufen hat, war er dann auch skeptisch und die beiden Taiwanesen in Folge auch. Ich sah meine Chancen schwinden. Sie wollten schließlich nochmal überlegen und es vielleicht nochmal zu einem Mechaniker angucken lassen. Auweia, wenn der da reinguckt. Versteht mich nicht falsch, Donald ist ein wunderbares Auto und die Maschine war ganz eindeutig die Vorlage für das Duracellkaninchen, aber im Motorraum gibt es trotzdem das ein oder andere, was einem beim Mechaniker sofort eine meterlange, hochteure To-Do-Liste einbringt (so hab ich schließlich letztes Jahr ja auch meinen Preisnachlass bekommen). Und mittlerweile hatten die beiden Interessenten für Freitag Mittag auch noch abgesagt. Und irgendwann gegen Mitternacht dann auch der Deutsche. Die Panik fing langsam an in mir aufzusteigen…

Mein Problem war, dass mir die Zeit drängte. Ja, ich hatte mich hinreißen lassen noch zwei Tage länger in Nyabing zu bleiben, weswegen es nun ziemlich knapp war, und eigentlich war das ja auch nicht so schlimm weil Katja war bereit, bis zu ihrer Abreise sonst auch noch das Verkaufsgeschehen zu betreiben, sollte ich kein Glück haben, aber ehrlich gesagt wollte ich dass doch selbst noch alles in die Wege leiten, damit dass dann nicht so ein organisatorisches Tohuwabohu wird. Und auch, damit ich nach meiner Abreise ruhig schlafen konnte, ohne irgendwo in Perth ein Auto auf meinem Namen rumstehen zu haben. Und da ich zuvor durchaus einige Erfahrungen anderer Backpacker mit ihrem Autoverkauf zugetragen bekommen hatte, basierte ich darauf meine nicht unfundierte Hoffnung, dass ich mit meinem im Vergleich ziemlich guten Auto keine Probleme haben sollte, sowohl es los zu werden, als auch einen anständigen Preis dafür zu bekommen. Nunja.

Die beiden Taiwanesen fragten an, ob sie mich am nächsten Tag vormittags nochmal am Auto treffen könnten. Ich sagte zu, und harrte nervös der Dinge, die mich da erwarteten. Es sollten neben dem Berater-Australier zwei Mechaniker aus dem Hostel sein, die sie mit anschleppten. Ein Deutscher und ein Franzose, beide kaum in der Lage ihren Beruf in Englisch auszuführen. Und während Ersterer, aus dem Land des TÜV, ganz sehr davon überzeugt war, dass man so ein Auto nicht kaufen sollte (Katja ließ ihn dann mal am Rande wissen, wie die Qualitäts- und Preisverhältnisse hier in Australien so sind), stellte sich der Franzose doch als ein Unterstützer für mein Anliegen heraus. Nachdem er bei seinem Herumwirken am Motor einiges an Ölabfluss hervorgerufen hatte, was bei mir fast einen Herzinfarkt hervorgerufen hat aber wohl von niemandem sonst bemerkt wurde, und dann doch etwas dringend Reperaturwürdiges gefunden hatte (die Manschette vorne rechts an der Antriebswelle), stellte er mehrmals fest, dass das ein gut behebbares Problem ist und man in der Preislage nichts anderes finden wird, was nicht mindestens genauso viel Reperaturbedarf aufweist. Ansonsten ist das Auto tipptopp. Der Australier stimmte in den Chorus ein und nachdem wir dann bei Mazda ein best- und schlimmstmögliches Szenario preislich bei $200 bis $500 angesetzt bekamen, war es mir möglich nach einigem Handeln runter von meinen optimistisch verlangten $1700 doch noch eine Zusage für $1200 zu bekommen. Nachdem die beiden das Geld dann von der Bank geholt, wir uns durch die Papiere durchgekämpft und (hoffentlich) alle relevanten Hinweise bzgl. Donalds Wohlergehen und Innenleben durchgesprochen hatten – und ich hoffe doch sehr, dass die Beiden vielleicht doch mehr als nur die Hälfte verstanden haben (Unleaded. UNLEADED!!!) – übergab ich Donald an seine beiden neuen Besitzer (die seinen Namen übrigens beibehalten werden). Dann wollte ich nur noch weg. Die ganze Prozedur hatte ungefähr fünf Stunden in Anspruch genommen, ich war fertig, psychisch wie physisch, und doch froh, dass mir der Weg zum Gebrauchtwagenhändler erspart geblieben war, wo ich deutlich weniger bekommen hätte. Ich vermisste mein Auto, mein allererstes, mein Zuhause der letzten Monate, zu dem ich, was Sachdinge angeht, eine viel zu innige Beziehung aufgebaut hatte. Ich war gleichzeitig traurig, euphorisiert und irgendwie mental nicht zu gebrauchen. Halleluja es war geschafft, nach mehr als 37000 gemeinsamen Kilometern, und daher hier ein wohlverdientes Danke und Auf Wiedersehen für meinen treuen Begleiter (jetzt sentimentale Hollywoodmusik im Hintergrund einspielen):

Ich bin ein asiatischer Tourist.

Gute Fahrt.

Nachthimmel

Die restlichen zwei Tage verbrachten Katja und ich dann damit, mich runterkommen zu lassen. Shopping, Sushi essen, Sightseeing, Bierchen trinken gehen, und einfach das Leben und die letzten gemeinsamen Tage genießen. Perth ist in diesem Zeitrahmen in meiner Zuneigung auch noch einmal deutlich gewachsen, eigentlich ist es dort schon ganz schön, vor allem, wenn man das auch nutzen und genießen kann, und nicht mit nervigen Dingen wie Jobsuche, Autokauf und -verkauf abgelenkt und vermiesepetert wird.

Cityskyline

Cityskyline

Sonnenuntergang. Noch einmal hach wie schön.

Sonnenuntergang. Noch einmal hach wie schön.

Katja betat sich zudem mit ihrer weiteren Reiseplanung, während ich noch ein wenig Langehosenwetter in Australien abbekommen sollte, hat sie sich schon in den warmen asiatischen Raum abgesetzt und macht dort jetzt noch ein paar Wochen Urlaub vom Urlaub.
Vorletzten Sonntag war es dann soweit, es ging wieder in den Indian Pacific Richtung, na, wer hätte das gedacht, Adelaide. Katja brachte mich morgens mit zum Zug und dann ging es gleich weiter mit der Verabschiederei und ich musste mich bei meiner liebgewordenen Reisegefährtin verabschieden, die mir die letzten zwei Monate das Leben so bereichert hat (und die, seien wir ehrlich, eine sehr viel interessantere Gesprächspartnerin ist als Donald, insbesondere seitdem der ja dank repariertem Tachokabel gänzlich schwieg). Einen Vorteil hat es, wenn man sich doch mit den Deutschen einlässt: Man kann sich ohne Probleme wiedersehen. Und das habe ich ganz fest vor!

Ooooooh, nicht weggehen!

Bis bald! :)

Solcherart aber vorerst mal wieder auf mich allein gestellt, begann ich quasi meine Australienreise zurückzuspulen: Nach Sydney, via Adelaide, denn dort gab es noch welche, von denen ich mich verabschieden musste.

Davon muss ich euch dann aber doch morgen berichten, denn nachdem ich jetzt den Tag am Adelaider Flughafen mit Tippen verbracht habe und jetzt mitten in der Nacht im Sydneyer Hostel noch soweit fertiggeschrieben habe, muss ich jetzt erstmal ein wenig schlafen.

Sheep and crop country, reloaded

Achja, Nyabing.

Nachdem ich mit Julie so mehr oder weniger regelmäßigen Kontakt gehalten hatte auch mit Hinblick auf eine nochmalige Beschäftigung zur Abfederung meiner Kreditkartenrechnung, kam dann kurz vor Katjas und meiner Ankunft in Perth die Ansage, dass ihre aktuelle Barmaid in Urlaub fliegen will und ich quasi ne Woche arbeiten könnte. Plus einiger Zeit gratis unterkommen und entspanntem Nichtstun in angenehmer Atmosphäre hatten wir also fortan zwei Wochen Nyabing auf unserer weiteren Planung. Glücklicherweise sollten wir zudem auch für unsere Nachfrage nach einem Job für Katja eine positive Rückmeldung bekommen: Auf einer nahegelegenen Farm kam noch ein Trupp Farmarbeiter für die Aussaat und die Arbeitgeber entschieden sich dafür, zur Versorgung noch extra eine Person antanzen zu lassen, die Mittag und Abendessen zubereitet und im Notfall noch andere Dinge erledigen und besorgen kann.

Unserem Geldmangel soweit erstmal wieder etwas entgegengewirkt verbrachten wir die Tage bis zum Arbeitsantritt am Donnerstag unter anderem mit einem Ausflug nach Albany, wo Katja für ihr zunehmend ausuferndes Gepäck einen großen Koffer erstand, im Secondhandshop sich mit Mengen an Winterklamotten ausstattete und ich mich mal wieder dem Souvenirerwerb hingab. Auf dem Rückweg kamen wir noch in einen heftigen Regenschauer, und fahren im Dunkeln bei Regen auf australischen Hinterlandstraßen ist doch auch mal was. Protip: Tempo reduzieren. Wieder im heimischen Pub angekommen gesellten wir uns zu dem lokal typischen Konglomerat an Farmern, Truckies und anderen australischen Stereotypen und lauschten den verschiedenen Geschichten über den Regen, den jeder hatte einen anderen Regenpegel zu berichten. Und jeder hatte folglich auch eine andere Meinung zur Qualität dieses Regengusses. Farmer: Regnet’s nicht, ist es nicht recht; regnet’s, ist es auch nicht richtig…

Davon mal abgesehen, dass ich quasi instantly wieder in die Gemeinschaft aufgenommen wurde – und Katja gleich mit – wurde ich in den folgenden Tagen mit einer Welle aus strahlender Wiedersehensfreude fast erschlagen, die ich ausgiebig genoss und vermutlich deutlich zu oft die Frage wo ich denn jetzt überall war detailliert beantwortete. “Heimkommen” ist halt auch was Wunderschönes, und, no pressure liebe Daheimgebliebenen, aber da müsst ihr jetzt schon mithalten, ne?

Um Katja noch ein bisschen was anderes als den Pub zu zeigen beehrten wir zudem Frenchys Farm und mit ihm die Saleyards in Katanning und schauten kurz bei Ash und Snaggers vorbei, die auch mitten im Säen waren. Eine kurze Einführung ins liebe Leben aufm Land und während Katja Fotos machte und Lämmchen als ihre neuen Lieblingskuscheltiere entdeckte, nutzte ich auch mal die Gelegenheit, hier und da ein kurzes Weilchen mit anzupacken, einfach weil es geht. Da ich leider Katjas Bilder von diesen Tagen vergessen habe zu kopieren, gibt es jetzt hier einfach mal die paar, die sie selbst auf Facebook hochgeladen hat.

Süß²

Süß²

Farmtechnologie.

Farmtechnologie.

Schafsfriseure.

Schafsfriseure.

Kuschelwolle.

Kuschelwolle.

Labyrinth.

Labyrinth.

Herde mit Babysitter.

Herde mit Babysitter.

Schafsfarm.

Schafsfarm.

Donnerstag flog dann Camille, sozusagen meine Nachfolgerin, die seit Januar im Pub schaffte, mit Demis nach Bali und ich konnte mein Tagwerk beginnen. Camille und Demis sind sich wohl recht fix näher gekommen (O-Ton verlautete, dass sie in den vier Monaten nur zwei Nächte im Pub geschlafen hat) und Julie ließ vermuten, dass Camille in ihrer Australiendaueraufenthaltsfixierung Demis am liebsten vor irgendwelche Traualtare schleppen will. Was der wohl nicht ganz so sieht. Mir hingegen wurde die folgenden Tage ordentlich Honig um den Mund geschmiert, denn offensichtlich war Camille zwar eine anständige Mitarbeitern, wenn Julie in der Nähe war, aber sobald auf sich allein gestellt wohl eher ein Ärgernis für die verehrte Pubkundschaft, die sich entsprechend wortreich über meine Rückkehr freute und schon Pläne schmiedete, wie man mich jetzt dauerhaft behalten kann. Dabei bekamen Katja und ich dann Geschichten erzählt von einer Barmaid die rüde Anfuhren statt Service austeilte und auch mal die “Service-bitte!”-Klingel an die Wand warf, wenn sie der Falsche benutzte. Zudem schien sie regelmäßig so früh es ging in frischem französischem Akzent verlauten zu lassen, dass sie den “fücking pübb” jetzt schließen will. Insbesondere letztere Geschichte lässt mich ja eher ihren angeblichen “Business Degree” (International!) anzweifeln, denn mit Kunden rauswerfen lässt sich jetzt doch eher wenig Geld umsetzen. Inwieweit die Jungs da jetzt alle Recht hatten kann ich nur wenig nachvollziehen (aber wenn eine so breit gefächerte Stichprobe, unter anderem auch Frenchy und Gary, die ja jetzt eher immer sonnig-fröhlich eingestellt sind nur leicht schmerzhaft ihre Gesichter verziehen, wenn sie darauf angesprochen werden, dann muss ja doch zumindest ein bisschen was dran sein…) denn ich hatte in den wenigen Tagen vor ihrer Abreise nur wenig Kontakt mit ihr und wenn es mal zu Konversationen kam, dann scheiterte dass zumeist recht schnell, da irgendwie ihre Antworten nie auf das passten, was ich sie eigentlich gefragt hatte und wir beide ein bisschen reserviert waren. Ihren einen Witz fand ich allerdings irgendwie unlustig und die ständige “machs-dir-selber”-Geste sobald mal jemand nen Spruch los ließ dann auch irgendwann reichlich unkreativ. So oder so tat es auf jeden Fall gut, zwei Wochen lang nonstop umworben und umgarnt worden zu sein, wenn ich mit zu großem Selbstbewusstsein (was, noch größer?!?) zurückkomme, wisst ihr warum.

Ansonsten gab es nicht viel Neues im Pub was man berichten könnte. Oh, die Decke ist eingebrochen. Japp, irgendwann vor zwei Monaten knirschte es wohl, und alle Anwesenden schafften es wohl gerade noch so sich zur Seite zu bewegen, bevor im Hauptraum direkt über der Bar die ganze Decke runterkladdatschte. Seitdem kann man jetzt die nicht wirklich vertrauenserweckende Holzkontruktion darüber betrachten und hat freie Sicht auf die Innenseite vom Dach. Letze Woche wurde dann aber endlich mal Betrieb gemacht und die Lösung des Problems angegangen, nachdem der Besitzer OB sich endlich hatte überzeugen lassen, dass ein wegen Hygienemängeln geschlossener Pub sich garantiert nicht mehr verkaufen lässt. Zum Zeitpunkt meiner Abreise waren die Elektriker durch. Mal schauen, wann es Bilder von der fertigen Decke gibt… Da Katja und ich in der Zeit irgendwie gnadenlos bilderfaul waren, was unsere Arbeitsplätze angeht, gibt es allerdings kein Bild vom aktuellen Status Quo. Bilder gibt es hingegen vom Wave Rock, den ich mit Katja nochmal besucht habe, weil sie den ja noch nicht gesehen hatte aber eben sehen wollte. Joa, das Wetter war ziemlich genauso wie bei meinem letzten Besuch und ansonsten haben wir auch nicht viel dort getrieben als ein bisschen rumzufahren, uns was anzugucken, und dann weiterzufahren. Und ich hab ein Gratis-Eis bekommen.

Tin Horse Highway entlang des Weges.

Tin Horse Highway entlang des Weges.

Dutzende Pferde wurden von lokalen Farmern mit zu viel Zeit gebastelt und verzieren den Weg.

Dutzende Pferde wurden von lokalen Farmern mit zu viel Zeit gebastelt und verzieren den Weg.

Wellenstein mit Tourist im Vordergrund.

Wellenstein mit Tourist im Vordergrund.

Magischer See. Und gelb.

Magischer See. Und gelb.

Surferbabe.

Surferbabe.

Mulka's Cave. Katja muss noch reingelockt werden.

Mulka’s Cave. Katja muss noch reingelockt werden.

Oh, und dann war da ja noch das Gegenstück zur Community Crop Ernte vom letzten Jahr: Die Aussaat der Community Crop für dieses Jahr.

Ein paar Tage vorher philosphierte Trent im Pub noch darüber, ob ich die Fotos dieses Mal machen kann, und er würde schauen, ob ich eventuell sogar mit dem Flugzeug drüberfliegen kann, wenn sie wieder ihre Formationsfahrt machen, aber leider ließ sich Letzteres wegen Pilotenmangel nicht umsetzen. Aber wir fuhren natürlich trotzdem vorbei um tausend Bilder zu schießen und uns an Lagerfeuer, Bier und Cider, Hausmannskost und Landlebenromantik gütlich zu tun. Hach, war das schön!

Hunde wollen gestreichelt werden.

Hunde wollen gestreichelt werden.

Die deutschen Farmerkids auf Beobachtungsposten.

Die deutschen Farmerkids auf Beobachtungsposten.

Romantik.

Romantik.

Moneyshot, von vorne.

Moneyshot, von vorne.

Moneyshot, von hinten.

Moneyshot, von hinten.

Moneyshooters.

Moneyshooters.

Der Tag selbst war auch ordentlich ereignisreich, zumindest, nachdem bei unserer ersten Anfahrt nix weiter zu finden war als ein Traktor, der gerade repariert werden musste und vage Aussagen verschiedener eigentlich-Beteiligter, wo man denn was zum Fotografieren finden könnte. Wir ließen uns eine genauere Angabe machen, wann denn mehr los sein soll, als jeweils ein Traktor pro Feld und fuhren wieder nach Nyabing. Paul nahm uns dann Nachmittags wieder mit raus, als er das Bier im Pub abholte und wurde, kaum nach unserer Ankunft an der Scheune auf dem letzten Feld, von Trent und einigen anderen mit schiefen Grinsen hinter auf den Paddock geschickt, um sich seine Maschine anzusehen. Leicht panisches Nachfragen von Pauls Seite führte jedoch nur zu weiteren vagen Grinsern und so fuhren wir recht fix an die angewiesene Ort und Stelle, wo sich eine Masse an Leuten mit ihren Utes eingefunden hatte um das Spektakel zu betrachten.

Offensichtlich schienen, als Dick (“der sich seinen Namen an diesem Tag verdiente!”) mit Traktor und Saatanlage (wo sind die jungen deutschen Bauernkids mit ihren Übersetzungen wenn man sie mal braucht?) den Hang zum nächsten zu besäenden Feld runterfuhr, Schwerkraft, Fliehkraft und andere humorvolle Kräfte zu wirken und sorgten dafür, dass während der Traktor brav dem Streckenverlauf folgte, die Anhängeranlage einen eher direkten Weg direkt in den bereitstehenden Baum verfolgte. Und da stand sie dann erstmal. Und neben dem unmittelbar mit der Befreiung der so gefangenen Maschinerie beschäftigten Freiwilligen zog das Spektakel natürlich auch alle anderen, die gerade nix zu tun hatten, an, die dann leicht verschmitzt daneben standen und ihre Kommentare ob der propperen Problembeseitigung gratis dazugaben. Nach Anwendungen von Kettensägen, dem Einsatz eines Bulldozers und nach dem Mord an drei Bäumen konnte die Maschinerie dann jedoch aus dem Wald herausgefahren werden und, nach dem Ersatz eines Schlauchs, sich dann sogar am weiteren Saatvorgang beteiligen. Also alles nochmal gut gegangen und man hatte sogar eine lustige Geschichte zu erzählen.

Na dann holt mal die schwere Maschinerie.

Na dann holt mal die schwere Maschinerie.

Hier kann man den unterschiedlichen Wegverlauf gut nachvollziehen...

Hier kann man den unterschiedlichen Wegverlauf gut nachvollziehen…

Frenchy fuhr uns dann noch ein Weilchen rum, wir beobachteten, wie die verschiedenen Maschinerien ihrer Arbeit nachgingen, sahen einen Regenbogen mitten im Feld enden, fanden allerdings keinen Pott Gold und warteten schließlich an der Scheune beim gerade angefachten Lagerfeuer (aus einem Riesenhaufen Wurzelwerk, das von armen Freiwilligen den ganzen Tag aus dem Feldboden herausgesammelt wurde damit die Maschinen nicht kaputtgehen, die ebenfalls eingesammelten Steine waren leider nicht so die Burner, im Wortsinn) auf die Formationsfahrt, zu der alle Traktoren sich pittoresk übers Feld bewegten, bevor die letzten paar Quadratmeter bis in die Dunkelheit noch bearbeitet wurden (und die ersten zu dem Zeitpunkt schon ordentlich beim Bier zugegriffen hatten). Dann gab es noch ein Gruppenfoto mit allen Freiwilligen und irgendwann später, als das Bier knapp wurde (nur noch Light-Beer?!?) trudelten dann Einige im Pub ein, wo es keinesfalls stressig aber dann doch noch ein typisch langer Abend wurde.

Heuballen haben sie auch.

Heuballen haben sie auch.

Lagerfeuerromantik.

Lagerfeuerromantik.

Linienmuster.

Linienmuster.

Im Vordergrund wird der Funkverkehr umgangen.

Im Vordergrund wird der Funkverkehr umgangen.

Irgendwo muss da doch Gold zu finden sein!

Irgendwo muss da doch Gold zu finden sein!

Die Kinder werden auch in wichtige Aufgaben wie "Papazuwinken" mit einbezogen.

Die Kinder werden auch in wichtige Aufgaben wie “Papazuwinken” mit einbezogen.

Abendstimmung.

Abendstimmung.

Und jetzt alle mal in die Kamera gucken... oder auch nicht, macht nichts, bleibt so!

Und jetzt alle mal in die Kamera gucken… oder auch nicht, macht nichts, bleibt so!

Ein paar Tage sollte ich danach noch in Nyabing bleiben, Dienstag letzte Woche erwarteten wir Camille zurück, die dann aber irgendwie auch Mittwoch noch nicht aufgetaucht war, was aber nun wirklich mein allerletzter Tag sein sollte, an dem ich auch schon gar nicht mehr arbeitete. Viel los war die Tage nicht mehr, und so räumte ich mich durch Donald, dessen hoffentlich anstehender Verkauf ja auch vorbereitet werden musste, Katja und ich packten unsere Siebensachen, ich bekam zu diesem Zweck und wegen meines mittlerweile doch zu klein geratenen Rucksacks von Jess sogar noch einen großen Koffer, den sie nicht mehr braucht, vermacht, und ich gewöhnte mich langsam an das anstehende Abschiednehmen. Das wurde immerhin ein wenig vereinfacht von Katja, die mich bat einen Tag länger zu bleiben, weil sie doch auch früher als erwartet auf der Farm nicht mehr gebraucht wurde und deswegen auch nach Perth zurück wollte. So bekam ich also zwei letzte Nächte im Pub und zudem noch ein paar weitere Tage eine liebe Reisebegleitung – und die hab ich in den folgenden Tagen, in denen ich mich um Donalds Verkauf kümmern musste, dringend gebraucht. Dorthin ging es dann am Donnerstag Vormittag nachdem ich mich von den ganzen Stammbanausen die Tage vorher angemessen verabschiedet hatte, was, mittlerweile hab ich ja nun doch ein wenig Erfahrung, einem doch deutlich leichter fällt, wenn man verspricht, sich irgendwann wiederzusehen. Dann hat das auch nicht mehr so was Endgültiges. In diesem Sinne ging es dann auf zu einer der letzten Stationen meiner Reise und es bleibt mir nicht mehr viel zu sagen außer:

Vielen Dank, Nyabing, und bis zum nächsten Mal!

Der Rest vom Küstenwest

Ja, heute waren wir wieder kreativ bei der Titelvergabe. Und wie ihr die letzten Wochen vermutlich mitbekommen habt, war ich auch eher unmotiviert beim Blogschreiben. Aber bevor ich gänzlich vergesse, was alles passiert ist, sollte dann doch mal ordentlich nachgetragen werden, von daher gibt es dann jetzt mal wieder einen Abriss mit ordentlich Fotomaterial von besseren Tagen (will sagen: mit mehr Sonne, brrr…).

Wir wandten uns wieder gen Süden und verbrachten den nächsten Tag mit einigen Attraktionen, die wir im lokalen Touristenprospekt gefunden hatten: Den Blow Holes, und dem davor stehenden und vermutlich viel berühmteren “King Waves Kill”-Schild. Dort konnte man bei ordentlich frischem Wind beobachten, wie das Wasser wellenförmig an die Küste geweht wurde und dort dann in einigermaßen beeindruckenden Wassersprühbergen nach oben auswich. An besonderen Stellen hatte sich das Wasser noch Durchgangstunnel erwittert, durch welche die Wellen mit ordentlich Getöse durchbließen. Ein Naturspektakel, dass man durchaus mitgenommen haben konnte.

Woooooosch!

Woooooosch!

Na, wer traut sich näher ran?

Na, wer traut sich näher ran?

Japp, steht da wirklich, fotografiert, weiter gehts.

Japp, steht da wirklich, fotografiert, weiter gehts.

Blasloch. Hihi.

Blasloch. Hihi.

Schicke Landschaft, auch so im Allgemeinen.

Schicke Landschaft, auch so im Allgemeinen.

Gerademal einen Kilometer weiter fand man dann eine kleine Bucht, die ideal zum Schnorcheln war, wenn man jetzt von dem kalten Wind mal absah. Ich ließ mich trotzdem nicht abhalten – die Schnorchelausrüstung musste ja genutzt werden – und schnorchelte in weniger als einen Meter tiefem Wasser mitunter nur eine Handbreit über eine Vielzahl and Korallen und ganz kleinen Fischen. Das war sehr fein und da draußen wegen dem Wind dann auch auf einmal viel zu kalt war, blieb ich auch eine ordentliche Weile im Wasser.

Schnorchelstrand.

Schnorchelstrand.

Weil wir von dem Strandwetter jedoch nicht wirklich überzeugt waren, fuhren wir dann doch auch weiter Richtung Carnavon, einen Ort entlang der Route, den wir schon wieder etwas größer erwartet hatten als er dann war. Nach der Besichtigung der im oben genannten Prospekt beschriebenen Touristenattraktionen (“Wow, ein Bootssteg, der eine Meile lang ist!” *gähn*) gingen wir im Supermarkt unsere Vorräte auffüllen und diese sogleich an der Wasserfront bei einem improvisierten Picknick reduzieren, bevor wir uns dann weiter auf den Weg Richtung Shark Bay machten.

Atemberaubende Attraktionen, $4 Eintritt - ähm, nein?

Atemberaubende Attraktionen, $4 Eintritt – ähm, nein?

Bezaubernde Immobilie mit Strandblick, jetzt zuschlagen!

Bezaubernde Immobilie mit Strandblick, jetzt zuschlagen!

Schicke Innenstadtgestaltung mit Palmen.

Schicke Innenstadtgestaltung mit Palmen.

Irgendwann hatte ich ja angemerkt, dass ich hoffte, die Sonne würde ich gern noch bis nach Shark Bay mitnehmen, und erstaunlicherweise hat sie das auch geschafft. Wir hatten es hingegen nicht geschafft, gleich am ersten Tag rechtzeitig zum Hauptattraktionspunkt des Nationalparks anzukommen, nämlich dem Beobachten und Füttern von wilden Delphinen (wer hätte das bei dem Namen nicht erwartet).  Wir hielten aus diesem Grund auf dem Weg nach Denham, dem zentralen Versorgungsort der den Nationalpark beheimatenden Halbinsel, noch am Hamelin Pool, den ich seit der Lektüre von Bill Brysons Buch auch schon lange auf meiner To-Do-Liste hatte. Die hiesige Attraktion waren lebende Stromatolithen (“biogene Sedimentgesteine, die durch Einfangen und Bindung von Sedimentpartikeln oder durch Fällung gelöster Stoffe oder durch beides infolge des Wachstums und Stoffwechsels von Mikroorganismen in einem Gewässer entstanden sind”) von denen weltweit im Meer nur noch so etwa eine halbe Handvoll vorkommen, plus eine weitere Handvoll in verschiedenen Salzseen. Wem diese seltene Verteilung nicht spannend genug ist, um sich die besonderen Steinklumpen anzutun, der lässt sich eventuell von der anderen besonderen Leistung der diese Steinklumpen aufbauenden Mikroorganismen (sog. Mikrobenmatten) beeindrucken: Nicht nur gelten diese als quasi erstes existierendes Leben auf diesem Planeten, nein, das Nebenprodukt ihrer Steinbastelkunst ist Sauerstoff und sie somit dafür verantwortlich, dass wir heute angenehme 20% Sauerstoff in unserer Athmosphäre haben. Ohne Stromatolithen kein Leben wie wir es heute kennen. Ironischerweise haben sie durch die Schaffung dieser Athmosphäre und somit der Voraussetzung für die Weiterentwicklung des Lebens auch die Grundlage ihres eigenen Niedergangs gelegt – Mikrobenmatten sind offensichtlich wohl leckere Nahrung für Schnecken und anderes Wassergetier, und “lebende” Stromatolithen finden sich daher nur noch in lebensfeindlichen Umgebungen mit vielviel Salzgehalt.

Japp, das sind sie.

Japp, das sind sie.

Erstarret in Erfurcht vor den Wesen, die Leben wie wir es kennen auf diesem Planeten ermöglicht haben!

Erstarret in Erfurcht vor den Wesen, die Leben wie wir es kennen auf diesem Planeten ermöglicht haben!

...oder schaut einfach halbinteressiert darauf herab.

…oder schaut einfach halbinteressiert darauf herab.

Den Geographen in mir auf diese Weise wieder mal erfolgreich beglückt, ging es dann eben nach Denham, wo wir unser Nachtquartier bezogen (und die Kombination von Touristenattraktionspreisen mit unfreundlichem Personal immer noch doof fanden) und dann, endlich, eine Tour zur Aboriginekultur für mich buchen konnten. Auch hier mal wieder nicht die, die ich eigentlich wollte (morgendliche Wanderung durch den Bush mit Fährtenlesen, Bushmedizin und Nahrungssuche/Pflanzenkunde), da diese nicht mehr angeboten wird – offensichtlich keine Nachfrage nach dem mal wirklich interessanten Kram – sondern die Abendveranstaltung am Lagerfeuer mit frisch gefangenem Fisch und Didgeridoospielen (was man mir schon mal gezeigt hat, und was Frauen in eigentlich gar nicht dürfen), welche sich somit natürlich hervorragend für die Backpackergruppentour eignet, die dann abends halb uninteressiert rumsaßen. Bis es soweit war sahen Katja und ich uns allerdings noch ein bisschen in Denham um und freuten uns des Lebens im Allgemeinen.

Im Bild: Lebensfreude und Katjas neue Mütze, den neuen Wetterbedingungen entsprechend, während meine Sonnenbrille als Zeugnis fortschreitender Realitätsverweigerung verstanden werden kann.

Im Bild: Lebensfreude und Katjas neue Mütze, den neuen Wetterbedingungen entsprechend, während meine Sonnenbrille als Zeugnis fortschreitender Realitätsverweigerung verstanden werden kann.

Abends fuhr ich dann allein nach Monkey Mia, wo auch die Delphininteraktion am Strand zu beobachten ist und deswegen ein Touristenresort zu diesem Zwecke errichtet wurde und eben meine Tour stattfinden sollte. Der Abend war recht unterhaltsam, der heimische Guide sehr engagiert und mit der Gabe gesegnet, Dinge leicht verständlich nahezubringen, aber insgesamt gab es wenig Neues zu erfahren, da es halt wirklich mehr auf Besucher, die sich nicht vorher mit der Aboriginekultur auseinandergesetzt haben, ausgerichtet war. Aber der Fisch war lecker, man bekam ein paar Vokabeln in der hiesigen Sprache (also der lokalen der insgesamt 300 im ganzen Land) beigebracht, die ich mittlerweile bereits alle wieder vergessen habe (Asche auf mein Haupt) und das Didgeridoospielen blieb vorbildlich den Männern überlassen. Irgendwann gegen fast-Mitternacht kam ich dann wieder am Campingplatz in Denham an und schlief einen dank Sandelholzrauch ordentlich tiefen Schlaf bis weit in den Morgen hinein.

Rrrruuuhurrrrrruuuhurrrrrrruuuwwwwwh...

Rrrruuuhurrrrrruuuhurrrrrrruuuwwwwwh…

Den folgenden Tag fingen wir dann demzufolge und auch wegen des erstaunlich deprimierend-grauen Himmels etwas langsamer an, was eigentlich ja nicht so das Cleverste war, da wir ja zur Delphinfütterung wollten – die erste fand laut der Tafel die ich am Vorabend gesehen hatte immer so gegen 8 Uhr statt. Wir jedoch kamen dann so um 10 mal in die Puschen und schafften es immerhin bis um 11 nach Monkey Mia, jenseits von allen Zeiten, die einem angeraten wurden. Wenig Hoffnung mit uns bringend, so spät noch irgendeinen Delphin erblicken zu können, fragten wir am Ticketschalter (das ganze Resort und die Delphinfütterung wird von der staatlichen Abteilung für Nationalparks verwaltet, die auch intensive Forschung und Konservierung betreiben um langfristige Schäden zu vermeiden und finanziert sich durch eben diese Eintrittspreise) nach der aktuellen Situation, und – oh Wunder – just an diesem Tage waren die Delphine wohl etwas länger mit der Jagd beschäftigt gewesen und trudelten gerade in diesem Moment erst ein um sich ihr Gratisdessert abzuholen.

Hello, beautiful!

Hello, beautiful!

Nicht nur, dass wir somit einer erstaunlich späten Fütterung beiwohnen konnten, nein, auch die angedrohten Publikumsmassen (wir hatten die Tage vorher von anderen Reisenden entsprechende Warnungen vernommen und ich hab die Zahlen auf dem Schild auch gesehen) waren nicht auszumachen (die meisten Tage waren bei den ersten Fütterungen anderthalbhundert Leute da, wir waren 2 von 42). Ein – ich nehme an – Meeresbiologe stand im Wasser und erläuterte die (Delphin-)Welt während so langsam einige Delphine immer näher an den Strand heranschwammen, ihre Köpfe seitwärts legten um das Publikum zu beobachten und eine erwartende Figur machten. Irgendwann kam dann ein Mädchen mit Eimer an den Strand gelaufen, doch der war gar nicht für die Delphins, sondern vielmehr ein Ablenkungsmanöver für die sich sofort einfindenen Pelikane, die sich strategisch um Mädchen und Eimer positionierten.

Mexican Stand-off.

Mexican Stand-off.

Diese soweit beschäftigt, kamen dann vier weitere Mitarbeiter mit Metalleimern angestapft, stellten sich ins Wasser und ließen die Eimer ins Wasser platschen, das Signal, dass es jetzt endlich losgeht. Die Delphine reihten sich mehr oder weniger ein und die Eimerträger suchten sich rasch verschiedene Freiwillige aus, denen ein Fisch in die Hand gegeben wurde, den sie dann entsprechend der vorherigen Einweisung an die Delphine verfüttern durften. Ich kam auch dran und hatte eines dieser wirklich wunderschönen Tiere mir aus der Hand fressen.

Der Eimer-Boy. Harter Job.

Der Eimer-Boy. Harter Job.

Happs und weg!

Happs und weg!

Gib mir Essen! Bitte!

Gib mir Essen! Bitte!

Manche der Delphine (alle weiblich) kamen auch mit ihren Jungtieren.

Manche der Delphine (alle weiblich) kamen auch mit ihren Jungtieren.

Schnuffig!

Schnuffig!

Das Ganze war jedoch recht fix vorbei, denn viel Fisch gab es nicht zu verteilen. Nachdem die Interaktion mit den Delphinen irgendwann in den 1960ern begann, als die Tiere sich um die Fischerboote tummelten und immer wieder was von den Fischern zugeworfen bekamen, entwickelte sich das ganze recht schnell und unkontrolliert zu einer Touristenattraktion, die aufgrund des mangelnden Hintergrundwissens leider dazu führte, dass ganz viel gefüttert wurde, was dann irgendwann zur Folge hatte, dass junge Delphine nicht mehr eigenständig jagten und von der Fütterung abhängig wurden und starben. Als man das dann festgestellt hatte wurde das Programm entsprechend strikt organisiert und heute nur noch ein Achtel des Tagesbedarfs gefüttert, damit die Delphine auch weiterhin aufs eigene Jagen angewiesen sind. Neben diesen Erläuterungen bekam man dann auch mit, warum das Ganze denn jetzt Shark Bay heißt: Auch die Delphine werden regelmäßig von den mehr als zwanzig hiesigen Haiarten angefallen. Doch so viele. Auf jeden Fall war das sehr schön und ein wunderbares Erlebnis.

Unserer Erlebnisliste einen weiteren Punkt hinzugefügt, ging es dann wieder südwärts weiter. Bevor wir den Shark Bay National Park allerdings verließen stoppten wir noch am Shell Beach, ein Strand der, wie der Name schon vermuten lässt, aus Muscheln besteht. Vielen kleinen Muscheln. An manchen Stellen bis zu 8m tief, läuft man quasi über ein Meer aus Muscheln, Muscheln und noch mehr Muscheln. Wir genossen es eine Weile, mit den Händen darin rumzuwühlen und ich persönlich konnte nachvollziehen, wie sich Dagobert Duck so fühlen muss. Also, wenn Muscheln Geld wären.

Klassisches Touristenfoto.

Klassisches Touristenfoto.

Alles meine! Meine! Meine! Oh, man darf keine Muscheln mitnehmen? Schade.

Alles meine! Meine! Meine! Oh, man darf keine Muscheln mitnehmen? Schade.

Der nächste Punkt auf der Reiseroute war dann der Kalbarri National Park, doch dessen landschaftliche Spektakulitäten ließen wir dann doch aus, als wir feststellen mussten, dass sich diese mal wieder hinter zigdutzend Kilometern Dirttrack versteckten. Nachdem Katja im anliegenden namensgebenden Touristenort Kalbarri dann zudem noch erfahren musste, dass derzeit dort keine Fallschirmsprünge, von denen sie gerne noch einen machen wollte, zu buchen sind, wählten wir eine Übernachtung vor Ort ab und genossen lieber das erstaunlich gute, sonnige Wetter am Strand (immerhin auch im Nationalpark und von daher mit der Qualität natürlicher Schönheit versehen).

Kalbarri National Park Coast.

Kalbarri National Park Coast.

Der heutige Privatstrand.

Der heutige Privatstrand.

Auf dem Weg zum ausgesuchten Campingplatz irgendwo im Hinterland Geraldtons hielten wir dann noch am Pink Lake, ein See, der eine pinke Wasserfärbung aufweist. Wie uns verschiedene Fotos beweisen wollten. Nunja…

Realitätsvergleich... ähm, nein?

Realitätsvergleich… ähm, nein?

Ein paar Tage vorher hatten wir entlang des Weges diesen See gesichtet, also das kommt doch schon eher hin.

Ein paar Tage vorher hatten wir entlang des Weges diesen See gesichtet, also das kommt doch schon eher hin.

Unterwegs wurden wir dann wenigstens noch mit einem Naturschauspiel konfrontiert, was wir eher weniger erwartet hatten. Um genau zu sein, ich hatte eine Großstadt Geraldton erwartet und kommentierte vorher noch lustig-echauffiert über die immense Lichtverschmutzung, bis Katjas Vermutung, dass das doch eher nach Feuer aussah sich mittels Riechtest als die richtige Interpretation herausstellte. Gut, haben wir jetzt also auch mal ein großes Buschfeuer gesehen und es sogar lebend hindurch geschafft.

Lichtverschmutzung. Und Luftverschmutzung. *husthust*

Lichtverschmutzung. Und Luftverschmutzung. *husthust*

Aber immerhin der Campingplatz sollte sich als absoluter Glücksgriff heraus, für gerademal 5$ konnten wir eine ruhige Lage in schicker Landschaft mit einwandfreien Anlagen genießen, bevor es am nächsten Tag wieder nach Geraldton hineinging, wo mal wieder sämtliche Programmpunkte ins Wasser fielen, nachdem wir uns mit Touristeninfo, Vorratsbeschaffung und Zeitvertrödelung einen schönen faulen Tag gemacht hatten. Und die angeblich weltbesten Karamellschnitten hätten sich eh nur auf direkt die Hüften gesetzt…

Die Nacht wieder irgendwo am Straßenrand verbracht, fuhen wir dann am nächsten Tag nach Jurien Bay, wo Katja für den Freitag ihren Fallschirmsprung buchen konnte, laut Eigenwerbung der schönste Strandfallschirmsprung Australiens. So den nächsten Tag verplant fuhren wir dann, zu unserer absoluten Freude begleitet von dicken fetten grauen Regenwolken in den naheliegenden Nambung National Park, um eine andere absolute Naturattraktion Western Australias zu besichtigen: Die Pinnacles. Diese Sandsteinsäulen wurden aus der umgebenden Sandwüste herausgeweht und bilden eine leicht außerweltliche Landschaft in sattem Senfgelb, durch die man hindurchfahren und -laufen kann.

Die kleinen Steine sind Wegmarker - keine Pinnacles.

Die kleinen Steine sind Wegmarker – keine Pinnacles.

Senfgelber Sand.

Senfgelber Sand.

Hühnergott.

Hühnergott.

Wohin man schaut: Pinnacles.

Wohin man schaut: Pinnacles.

Wüste, Strand, Meer. Muss so.

Wüste, Strand, Meer. Muss so.

Frisch, Katja?

Frisch, Katja?

Donald auf Sightseeingtour.

Donald auf Sightseeingtour.

Dabei teilweise vom Regen begleitet verbrachten wir trotzdem einige Zeit dort, bevor wir wieder gen Jurien Bay fuhren, wo wir uns auf dem Caravan Park auf den mal wieder angekündigten Sturm vorbereiteten (dieses Mal nur 8 Cider und die Plane hielt, dank umgebender, schützender Zaunkonstruktionen). Die größte Sorge galt demzufolge auch nicht unserem Überleben sondern vielmehr dem Stattfinden des Fallschirmsprungs am nächsten Morgen, für den ja eigentlich seit Tagen Sonnenschein angesagt war (was aber offensichtlich nicht viel zu sagen hat: Während wir mitten unter einer dicken grauen Wolkendecke im Regen standen, sagte der Wetterbericht für unseren Standort aktuell Sonnenschein an).

Klare Ansagen gab es auch an anderer Stelle nicht.

Klare Ansagen gab es auch an anderer Stelle nicht.

Aber nein, am nächsten Morgen gab es blauen Himmel und Sonnenschein und nach einiger Wartezeit, Organisations-, Einweise-, Ausrüstungs- und noch mehr Wartezeit fuhr Katja dann mit drei anderen Springern plus dem dazugehörigen Personal (jeder bekam seinen Tandempartner) zum Flughafen während ich mich mit beiden Kameras zum angedachten Zielstrand aufmachte, um mich mal wieder im Paparazzidasein zu üben. Irgendwann hörte ich dann den Flieger, zoomte dank Tele ziemlich gut rein… und auf einmal war der Flieger weg. Ich versuchte ihn irgendwo am Himmel wieder zu erblicken, aber irgendwie war er verschwunden. Nach einigem hin- und hergucken und im Kreise drehen stellte ich dann auf einmal fest, dass hinter mit bereits ein Fallschirm am herabsegeln war, und, wie sich dann nach ausgiebigen Klick-Orgien an der Kamera herausstellte, dass Katja schon am Herabsegeln war (dank Tele konnte ich das tatsächlich deutlich bevor sie landete erkennen).

Da kommt sie, da kommt sie, da kommt sie!

Da kommt sie, da kommt sie, da kommt sie!

Ja, ich hab die Kamera gerade gehalten.

Ja, ich hab die Kamera gerade gehalten.

Und noch eins von der anderen Dreiergruppe.

Und noch eins von der anderen Dreiergruppe.

Fotosession direkt nach Landung

Fotosession direkt nach Landung

Kurz darauf war das Flugzeug dann noch mal lauter hörbar und die anderen drei, die eine größere Sprunghöhe gebucht hatten, fallschirmten hinterdrein. Katja war auch nach der Landung emotional noch irgendwo in den Wolken und blieb dort auch noch eine Weile, strahlend wie ein Honigkuchenpferd. Irgendwann konnten wir dann auch noch ihre Fotos und das Video ihres Sprungs abholen und fuhren dann, weils ja aufm Weg liegt und zudem besseres Wetter war, nochmal zu den Pinnacles.

Juhuuuuu!

Juhuuuuu!

Das Nachmittagsprogramm war dann weiter wenig berauschend, das Ziel für den Abend lautete unser Couchsurfinggastgeber in Perth, oder auch 40km südlich davon, wie wir dann feststellen mussten. Dort durften wir die nächsten zwei Nächte bei Aaron und seiner deutschen Freundin übernachten, die zudem grad noch zwei frisch in Australien eingetroffene Argentinierinnen da hatten. Neben einer Menge an Gras, die offensichtlich in jedem Couchsurfinghaushalt in Perth Standard ist (wieso?!?) bot man uns lecker Essen an und unser eigenes Zimmer, dass, aufgrund der noch nicht ganz fertig gestellten Inneneinrichtung, mal wieder mit einer Matratze auf dem Boden aufwartete. Den nächsten Tag verbrachten wir dann in Perth City mit ganz viel Shopping (ohne Geld auszugeben) und viel Sushi zum Mittag (mit viel Geld ausgeben). Mein erster Sushi-Train ever! Klassen besser als das günstige Straßensushi, das ja auch schon sehr lecker ist und mit dem ich mir in australischen Metropolen bevorzugt den Magen vollstopfe, und eine einzige Verführung am laufenden Band. (Haha.)

Wir hatten Probleme, uns zurückzuhalten. Die Strafe in Form eines übervollen Magens hatten wir uns verdient.

Wir hatten Probleme, uns zurückzuhalten. Die Strafe in Form eines übervollen Magens hatten wir uns verdient.

Na, wer mag mal zusammenrechnen was wir zusammengefuttert haben?

Na, wer mag mal zusammenrechnen was wir zusammengefuttert haben?

Solchermaßen wieder in der Zivilisation angekommen, ging es dann am darauffolgenden Sonntag schon wieder weiter – und zwar in einen kleinen Ort im südwestaustralischen Hinterland:

Nyabing.

Stürmen, Schnorcheln, Stranden

Nach dem Karijini sollte es an der Küste weitergehen mit den Naturschönheiten Western Australias, genauer dem Ningaloo Reef, bekannt für wundervolle Unterwasserwelten und dafür, dass man dort mit dem größtem Fisch der Meere, dem Walhai, schwimmen kann. Auf Ningaloo habe ich mich schon seit langer Zeit gefreut und dass ich es nicht in den ersten vier Monaten in Western Australia dorthin geschafft habe war einer der Gründe, warum ich unbedingt einmal um ganz Australien drumrumfahren musste. Von vielen, denen ich entlang des Weges begegnet bin, wurde mir bestätigt, dass es das schönste Korallenriff Australiens sei, was jetzt vielleicht überraschend anmutet, weil man im Allgemeinen Korallenriff und Australien zu Great Barrier Reef kombiniert. Doch auch Ningaloo hat es zum Weltkulturerbe geschafft und im Gegensatz zum Barrier Reef lockt es mit der unmittelbaren Nähe zur Küste: Zum Schnorcheln braucht man also nur vom Strand ins Wasser zu gehen und man ist da. Ein Traum (insbesondere für Seeganggeschädigte wie mich).

Wir schafften es Montag bis nach Exmouth, der Versorgungs- und Durchgangsort für den nahegelegenen Cape Range Nationalpark und Ningaloo Marine Park, den wir allerdings auch nicht für sehr viel mehr nutzten. Unser Plan war es, die folgenden zwei Nächte im Cape Range NP zu campen, da das dort wohl sehr angenehm sein sollte und mit $7 pro Person und Nacht auch günstiger als ein Caravanpark im Touristenort zu veranschlagen war. Als wir dann beim Ranger ankamen, hatten wir dementsprechend auch nicht mehr viel Auswahl an Campsites und mussten uns „leider“, wie das die Rangerin formulierte, mit einer Campsite 600m vom Strand entfernt zufrieden geben. Ähm ja, äußerst dramatisch, das Leben ist schrecklich hart hier…

Ihr seht, wir leiden.

Ihr seht, wir leiden.

Wie sich herausstellte waren wir dadurch auf einem kleinen Camp mit gerade einmal fünf Plätzen, was wir sehr angenehm fanden. Dort ein wenig eingerichtet liefen wir dann diese überaus lange Strecke zum Strand, wo wir den Nachmittag und Abend verbringen sollten und wo ich schonmal in Vorbereitung auf die wirklich guten Schnorchelplätze unsere erworbene Maske mit Schnorchel ausprobierte. Wie sich herausstellte gab es auch dort an unserem kleinen Privatstrand schon ganz viele bunte kleine und große Fische zu beobachten, bevor wir dann den Abend bei einem wundervollen Sonnenuntergang ausklingen ließen.

Ich sag's gleich: Das werden heut einige Strandbilder.

Ich sag’s gleich: Das werden heut einige Strandbilder.

Hier mit Sonnenuntergang.

Hier mit Sonnenuntergang.

Privatstrand.

Privatstrand.

Den nächsten Morgen ging es dann früh los zum Schnorcheln an den Oyster Stacks, da man dort nur bei Flut schnorcheln durfte, die freundlicherweise an dem Tag morgens um 8 den notwendigen Höhepunkt erreichte. Den restlichen Vormittag verbrachten wir mit der weiteren Planung und stellten schnell fest, dass wir mit den ganzen angedachten Schnorchelgängen durchaus noch mehr Zeit vor Ort verbringen könnten, sowie ein Schnorchel für zwei (einer ist im Wasser, der andere pausiert) nicht ausreicht und Flossen bei der Strömung eigentlich dringend angeraten wären. Der Tagesplan lautete demzufolge die Touristeninfo im Park aufsuchen wegen Infos über die verschiedenen Strände, dort informiert werden, dass gegen nachmittag Regen angekündigt ist, der aber üblicherweise im Inland vorbeizieht, dann nach Exmouth fahren um das erstliche Equipment zu besorgen und die Vorräte auffüllen, und dann zurück in den National Park um am Lakeside-Riff den Nachmittag zu verbringen. Sowohl Oyster Stacks als auch Lakeside ließen einen große Augen machen, viele, viele Fische überall (und ich behaupte auch einen Riffhai gesehen zu haben: er sah aus wie ein Hai und er schwamm wie ein Hai, also war es einer) und im Gegensatz zum Barrier Reef waren auch die Korallen selber in einer sehr viel besseren Verfassung. Bilder davon gibt es mit viel Glück wenn ich wieder zu Hause bin, vorausgesetzt die nicht ganz so wasserfeste Unterwasserkamera hat tatsächlich nicht nur graue Schatten abgelichtet und der Film lässt sich von dem bisschen Salzwasser nicht beeindrucken… (Einen Film in Exmouth finden war auch so ne Aktion – also Einmalunterwasserkameras bieten sie ja alle an, aber nur den Film, da kannste lange suchen…)

Morgenhimmel

Morgenhimmel

Lakeside Beach

Lakeside Beach

Wir freuten uns jedenfalls der Dinge bevor wir uns wieder auf den Weg zum Zelt machten, stoppten unterwegs bei den Camphosts um noch eine weitere Nacht zu verlängern und wurden dort informiert, dass der kleine Regen, der vermutlich im Inland vorbeizieht, während unserer Abwesenheit zu einer Sturmwarnung für die Nacht ausgewachsen war. Man solle doch bitte alles festbinden und dran denken „we’re all in this together“ (meinte so der nette alte Herr). Wir holten also die Plane raus und zurrten sie extrafest über Auto und Zelt, vor allem, damit Katja im Zelt trocken bleibt. Insgesamt 12 straff gespannte und zigmal verknotete Seile sollten die Plane halten, wo wir sie wollten und vom hin- und herklatschen abhalten. Als das geschafft war, setzten wir uns ins Auto und tranken ein paar alle Cider, die wir in Exmouth erstanden hatten während wir dem Wind lauschten und uns amüsierten, dass das also das schlechteste Wetter sein sollte, das Exmouth zu bieten hatte.

War aber auch zu lecker.

War aber auch zu lecker. Und der Himmel war auch noch blau!

Unsere Einschätzung wurde ein paar Stunden später angepasst, als der Sturm dann doch endlich eintraf und meinte, so fest pusten zu müssen, dass die Plane an einer Seite komplett abriss, auf das Zelt drückte, aus dem sich Katja ins Auto rettete und von dort mit ansah, wie ich draußen Schlimmeres zu verhindern suchte indem ich mitten im schlimmsten Regen und Wind, welche die Nacht zu bieten hatte, die restlichen 8 Seile irgendwie wieder losband und den Planenrest versuchte ins Zelt zu bugsieren, damit er nicht wegfliegt. Alternativ hätte ich auch Kitesurfen als Hobby für mich entdecken können, aber dafür war ich mal wieder nicht cool genug. Irgendwann schafften wir es trotzdem, ein bisschen zu schlafen, und stellten dann am nächsten Morgen recht erstaunt fest, dass das Zelt quasi unbeschadet überstanden hatte. Großartig. (Und ich zitiere an dieser Stelle noch meinen Lieblingssatz aus der Nacht: „Tie everything down, there will be no sun tonight!“ Ich bin soooooo witzig.)

Das Wetter sollte jedoch den ganzen folgenden Tag nur so unterdurchschnittlich bleiben, grauer Himmel, Windgeschwindigkeit von um die 35 Knoten und entsprechend raue See, Schnorcheln war von offizieller Seite für den Tag gesperrt (nicht, dass wir uns bei diesem Wetter dazu wirklich motivieren konnten). Wir widmeten uns hingegen dem Aufräumen der Resultate der Vornacht – Plane falten bei viel Wind macht ganz viel Spaß –, guckten uns den grauen Himmel im Auto sitzend aus an, kochten lecker Abendbrot aus der Konservenabteilung, und wurden schließlich noch zu einem der benachbarten älteren Ehepaare auf einen Tee eingeladen, nachdem sie uns am Nachmittag schon Hilfe angeboten hatten (da hatten wir die Plane aber schon zusammengefaltet gekriegt). So ein entspannter Tag Nichtstun muss ja auch mal sein.

Am nächsten Morgen war dann der Wind zum Glück wieder etwas ruhiger und auch wenn der noch etwas pustete, war es doch deutlich angenehmer draußen. Leider wurden unsere Schnorchelpläne noch weiter eingeschränkt, der Drift Snorkel in der Turquoise Bay, den wir eigentlich am Vortag auf dem Programm hatten, und von dem wir uns erhofften endlich eine Meeresschildkröte zu sichten, war nach wie vor nicht freigegeben, wegen der zu starken Strömung. Aber den Junior Snorkel könnten wir dort machen. Das taten wir dann auch, und das Wasser war in der Tat so türkis wie man das bei dem Namen erwarten kann, wenn auch nicht ganz so klar so kurz nach dem Sturm.

Turquoise Bay

Turquoise Bay

Ein Genie, wer sich diesen Namen ausgedacht hat!

Ein Genie, wer sich diesen Namen ausgedacht hat!

Mal was anderes: Einen Mangrovenwald haben sie auch.

Mal was anderes: Einen Mangrovenwald haben sie auch.

Auf dem Weg nach Exmouth gab es noch dieses Schiffswrack zu beobachten. Die Muscheln am Strand fanden wir interessanter.

Auf dem Weg nach Exmouth gab es noch dieses Schiffswrack zu beobachten. Die Muscheln am Strand fanden wir interessanter.

Vom schlechten Wetter also leider um einiges an Aussicht(en) gebracht, konnten wir uns trotzdem an schönen Korallen und bunten Fischen ergötzen, bis wir uns sattgesehen hatten und den Weg zurück durch Exmouth bis runter ins 150km entfernte Coral Bay angingen. Letzteres, ebenfalls am Ningaloo Reef gelegen, sollte uns dann heute noch einmal mit einem wunderschönen Schnorcheltag verwöhnen, klares, türkisblaues Wasser im Sonnenschein bieten und in der Bucht fand man keine Korallengärten, nein, einen ganzen –urwald.

Coral Bay

Coral Bay

Also, da, wo das Wasser so dunkelblau wird, da ist das Korallenriff.

Also, da, wo das Wasser so dunkelblau wird, da sind die Korallen.

Ich und mein neues Spielzeug.

Ich und mein neues Spielzeug.

Immer ging es noch weiter, Stunden verbrachten wir im Wasser und bekamen tatsächlich auch noch ein paar neue Exemplare an Fischen zu Gesicht –doch leider auch hier keine Schildkröten. Aber einen Stachelrochen sah ich am Meeresboden entlanghuschen! Zwischendurch konnte man sich dann am Strand wieder trocken und warmscheinen lassen von einer am blauen Himmel strahlenden Sonne, die uns dann hoffentlich noch mindestens bis Shark Bay begleitet, bevor wir uns der Realität des Herbstes stellen müssen, die Tropen haben wir heute nämlich erst mal hinter uns gelassen.

Ich bin ein Wendekreis!

Ich bin ein Wendekreis!

Da aber das alles so schön ist hier und ich davon noch viel mehr sehen will, als ich es jetzt konnte, muss ich halt wohl noch mal nach Australien kommen, irgendwann. Geht gar nicht anders.

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