Kupferpeter

Nach einem ordentlichen Ritt quer durch 40plus°-sonniges Wüstenland erreichten wir dann entsprechend aufgeheizt den kleinen Ort Coober Pedy*, der aus unerfindlichen Gründen schon ewig auf meiner australischen Must-See-Liste steht. Weil er aber zudem auch von Georg im Reiseführer angestrichen wurde, kann ich vermelden, erfolgreich einen anderen Punkt auf der Liste abgehakt zu haben!

Danger, danger!

Danger, danger!

Coober Pedy ist eine Stadt, die wenn man sich nähert, erst mal einen eher dreckigen Eindruck macht, irgendwas zwischen leicht abgewrackt und schon halb von Wüstensand zugeweht. Das kann zum Einen daran liegen, dass alles, was an Maschinerie warum auch immer nicht mehr benutzt wird, lieber dekorativ in der Gegend verrosten lassen wird, als es nach Sonstwo zum Abwracken zu karren. In den verschiedenen Einrichtungen findet manzudem  auch nicht selten einen Zeitungsartikel, der die Umgebung Coober Pedys vergleicht… mit Bildern vom Mars (unter dem schönen Titel: „There’s no place like home – except on Mars“). Was zieht Menschen in diese Einöde?

Malerische Dreckhügel vor Coober Pedy

Malerische Dreckhügel vor Coober Pedy

Instandhaltung? I wo!
Instandhaltung? I wo!
Aussichten, hier! (Fehlt nur das Banksy-Graffito "This is not a photo opportunity.")

Aussichten, hier! (Fehlt nur das Banksy-Graffito „This is not a photo opportunity.“)

Wie immer, wenn es in Australien kleine, dreckige Städte irgendwo im Nirgendwo gibt, kann die Antwort eigentlich nur lauten: Wertvolle Bodenschätze. In Coober Pedys Fall sind es Opale, an deren Welthandel South Australia mit etwa 70% beteiligt ist, dass meiste davon aus Coober Pedy. (Der Rest Australiens schießt nochmal 25% dazu, was dem Rest der Welt dann einen Marktanteil von 5% übriglässt.) Die sehen sehr hübsch aus, meistens milchig wei ßoder türkisblau mit dem typischen Glimmer darin, seltenere sind dann  dunkel oder haben rote Glimmerflecken, die beim Anschauen so aussehen, als ob es im Inneren des Steines brennen würde – was mich durchaus hier und da dazu brachte, eine Weile zu lang fasziniert auf die Steine in den Auslagen zu schauen. Abgebaut werden die schönen Steinchen (so hart wie Glas, so nebenbei) in kleinen Claims, üblicherweise von 50x100m, die man für rund $60 pro Jahr von der Stadt zugesprochen bekommen kann, und dann fängt man irgendwo an zu graben. Die Wissenschaft dahinter lautet wohl: „Wirf deinen Hut auf den Claim, und da wo er landet…“ Im Laufe unseres Besuches sollten wir auch Opaladern sehen, die nur deshalb noch existieren, weil die Miner der letzten hundert Jahre etwa 10cm daran vorbei gegraben haben.

Man fängt dann also an, vor sich hin zu graben, immer auf der Suche nach dem typischen Glitzern oder auch nur dem unglitzerigem (wertlosen) gewöhnlichen Opal, damit man den Adern dann zu mehr, mehr, mehr Opal und Reichtum folgen kann. Die Minen die dabei entstehen sind folglich eher unregelmäßig in Form, Höhe und Grabrichtung. Eine solche Originalmine vom Anfang des letzten Jahrhunderts kann man in Coober Pedy besichtigen, die Old Timers Mine, die so wie sie verlassen wurde, konserviert und für den Tourismus hergerichtet wurde – wobei beim Eingang herrichten auch mal eben Opal im Wert von $50000 gefunden wurde. Die Old Timers Mine stellte sich auf jeden Fall als ein touristischer Opal (see what I did there?) heraus, mit kleinen engen Gängen, in denen Schaufensterpuppen, angezogen und –gemalt wie die alten Miner Coober Pedys, einem den Alltag in der Mine „vorführten“, einer Minerwohnung und vielem an Material, was das Leben in und um Coober Pedy in den letzten hundertnochwas Jahren visualisierte. Eine sehr schöne Sache.

Opaladern zum Angucken in ihrem natürlichen Umfeld

Opaladern zum Angucken in ihrem natürlichen Umfeld

Ein "Digger" (wer hat Jan Delay eingeladen?) in seinem Schlafzimmer. Man beachte die "King Brown" (Dreiviertelliterbierflasche) und den offenen Safe im Bett.

Ein „Digger“ (wer hat Jan Delay eingeladen?) in seinem Schlafzimmer. Man beachte die „King Brown“ (Dreiviertelliterbierflasche) und den offenen Safe im Bett.

Muscheln, opalisiert.

Muscheln, opalisiert.

Der macht grad Pause, die steht ihm arbeitsrechtlich zu.

Der macht grad Pause, die steht ihm arbeitsrechtlich zu.

Minenmode, dieses Jahr ganz groß.

Minenmode, dieses Jahr ganz groß.

Hat hier irgendwer "Feuerwerk" gesagt?

Hat hier irgendwer „Feuerwerk“ gesagt?

Der Tourismus ist in Coober Pedy mittlerweile vollends angekommen, wie auch die Mine beweist, wobei sich die Industrie im Ort vor allem auf zwei Hauptgeschäftszweige stützt: Opal(schmuck)verkauf und Unterkünfte – ganz im Stile der Einheimischen: Unter Tage. Nach den Tagen im heißen Auto freuten wir uns darauf ganz besonders, denn erstmal bedeutete es ein richtiges Bett, und dann war das auch noch in einem klimatisch kühlerem Umfeld – ein Traum! Wir bezogen also unser Budget-Zimmer im Radeka’s, ein Motel, was von einem Original Coober Pedys geführt wird, einem älteren Herrn, sehnig von den Jahrzehnten in der Mine und mit ordentlichem Rauschebart. Das Motel selbst war früher eine Mine, die eben, wenn man Platz zum Leben braucht, in die jeweiligen Richtungen vorangetrieben wird (will sagen: Würfelförmige Räume). Wenn man nur lang genug dabei bleibt, kann man sich so natürlich auch eine Luxusherberge in den Berg reinbauen. Zwei Nächte hatten wir in einem Zimmer 6,5m unter der Erde gebucht, und genossen die Ruhe und die kühlen Nächte. Das sollte man also unbedingt mal gemacht haben, wenn man in Australien ist!

Das Zimmer, natürlich bereits ordentlich verunordentlicht durch seine Bewohner.

Das Zimmer, natürlich bereits ordentlich verunordentlicht durch seine Bewohner.

Ein anderer Punkt auf meiner Liste war ja, zumindest mal nach Opalen zu „noodlen“ (also durch ausgeräumten Minenschutt zu wühlen, auf der Suche nach was Glitzerndem), was wir an der Old Timers Mine in einem Sandkasten auch zureichend tun konnten, und mir einen schönen Opal in Form von Schmuck zuzulegen. Auch beim Letzteren war ich erfolgreich, und erstand nach ausreichender Suche durch eine Vielzahl Läden, die sich eher auf Kitschzeugs spezialisierten, im Opalios-Shop ein paar wunderschöne Ohrringe, die sich nach langer Überlegung und zähen Verhandlungen mit meinem Konto, gegen einen anderen wundervollen Ring durchsetzen konnten. (Jetzt alle mal Daumen drücken, dass ich im Gewinnspiel des Shops den Gutschein gewinne, dann kann ich mir den nämlich auch noch leisten!)

Eine weitere… also Attraktion ist jetzt so ein starkes Wort… ähm, Sehenswürdigkeit besuchten wir dann noch, nachdem sich Max dazu im Internet belesen hatte: Den Dog Fence (oder Dingo Fence), das längste, ununterbrochene Bauwerk von Menschenhand (behauptet man zumindest). Genau. Ein Zaun. Mit mindestens 160cm kein kleiner, aber letzten Endes gibt es in Australien einen Maschendrahtzaun. Der mehr als 5500km lang ist. Spektakulär! Den anzusehen fuhren wir mit Donald über 15km Dirttrack, damit Max das auch mal erlebt hat.

Der steht da wirklich.

Japp. Der steht da wirklich.

Ansonsten betaten wir uns noch in Sonnenuntergangsfotografie vom Aussichtspunkt aus, sahen uns den Wüstengolfplatz an (den man temperaturbedingt besser nachts mit leuchtenden Bällen bespielt) und genossen zwei wunderbare Tage in diesem etwas verrückten, aber doch sehr liebenswerten Flecken Erde, bevor wir uns für einen weiteren Tagesritt wieder ins Auto setzten.

Malerische Salzseenlandschaft.

Malerische Salzseenlandschaft.

*Coober Pedy steht im Aboriginischen (also welcher der 300 Sprachen stand da jetzt nicht, ich nehm mal an der Locals) für das „Loch des weißen Mannes“, eine recht treffende Beschreibung, die alternative Übersetzung (siehe Titel) stammt von Max.

Ein Kommentar zu “Kupferpeter

  1. Martin hat sich riesig über die Beschreibung des Dog Fence gefreut und meinte nur: Japp, das würd ich auch machen (und ich müsste dann wohl so wie du mitkommen)
    Wünsch euch Höllenmenschen noch viel Spaß, wir hier brauchen sowas nicht, denn wir haben wieder Minusgrade und so etwas wie Winter!

    Alles Liebe,
    Claudi, Martin, Martha und Abby (die sich schon alle auf einen Besuch von dir in Augsburg dieses Jahr freuen)

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