Der Gang nach Sydney: Noch schnell eine letzte 4000km-Woche

Meine Güte, kann man auch präflug Jetlag haben? Irgendwie fühl ich mich grad so müde… Aber dann bin ich heut auch ganz ordentlich durch Sydney getobt, um noch die allerallerletzten Besorgungen zu erledigen, und natürlich nicht alle zu schaffen. (Bei der Bank haben sie mich nochmal lustige Details holen geschickt und als ich dann wieder da war musste ich feststellen, dass schon zu war. Upps! Na dann, ganz fix morgen früh bevor es zum Flughafen geht.) Davon mal abgesehen war es allerdings ein recht erfolgreicher Tag, regenfrei, und ich konnte es mir natürlich nicht verkneifen, doch noch ein bisschen Geld, ein klitzekleines bisschen, in Schmuck zu investieren. Wegen den Erinnerungswerten, ihr wisst schon. Aber jetzt ist erstmal Zeit, die Geschichte vom Rest der Reise noch fertigzuschreiben.

Kaum, dass mich Katja also in den Zug gesetzt hatte, der im Vergleich zu meiner letzten Fahrt knackevoll war, begann ich mit einem entspannten Unterhaltungsprogramm, erst mit Lesen, dann, als der Herr im Sitz direkt hinter mir anfing zu schnarchen wie ein Holzfäller im Winterschlaf, lieber mit Big Bang Theory-Folgen aufm Laptop und Kopfhörern. Die Fahrt an sich war recht unspektakulär, aber ich genoss auch dieses mal dass Dahinrattern und die Landschaft im Vorbeiziehen. Es gab wieder die obligatorischen Stops in Kalgoorlie und Cook, wo ich dieses Mal doch mit etwas weniger Forscherdrang herumlief und mir allein die Zeit vertrödelte, bevor es im Zug dann wieder weiter ging.

Der einzige Pub der Sonntagabend auf hatte. Von wegen Rüpelbergbaustadt!

Der einzige Pub der Sonntagabend auf hatte. Von wegen Rüpelbergbaustadt!

Der Turm einer Goldmine, farblich passend angestrahlt.

Der Turm einer Goldmine, farblich passend angestrahlt.

Knappe zwei Tage nach Abfahrt aus Perth, zwei Bücher und etwas Schlaf später, erreichten wir dann das Interstate Train Terminal in Adelaide am frühen Morgen, von wo man erstmal wieder weg kommen musste. Da ich ja Zeit hatte, lief ich die paar Kilometer zum Hauptbahnhof, warnte Dan per Textnachricht vor und setzte mich in den nächsten Zug nach Evanston, wo mir dann gegen Mittag von, wie sollte es anders sein, einer anderen Backpackerin die Türe geöffnet wurde. Ciska aus den Niederlanden war mir jedoch aus zahlreichen Erzählungen nicht unbekannt und hat bei Dan und James einen ähnlichen Status wie ich, derer, die immer wieder vorbeikommen, nämlich. Außerdem arbeitete sie eine ganze Weile im Mundrabilla Roadhouse entlang des Eyre Highways durch die Nullarbor, was mir von meinen langen Fahrten ja nun auch bekannt war, und was ihr zudem die Transportoption Road Train eröffnet hatte. Wir verstanden uns auf Anhieb, allerdings musste sie am nächsten Tag wieder abreisen, so dass ich auf meine letzten Tage in Adelaide doch mit den Jungs auf mich allein gestellt war, was ja jetzt auch nicht verkehrt ist.

Lieblingsaustralier.

Lieblingsaustralier.

Viel unternommen habe ich in den Tagen allerdings auch nicht, die Zeit war vor allem zur Entspannung mit und bei Freunden gedacht, und so tat ich das auch ausgiebig. Ich erledigte zwar einiges an Organisationskram, wie Post, letzte Besorgungen und so (wobei ich dabei erlebte, dass die Servicehotline der australischen Steuerbehörde wie versprochen zurückruft und dann bei unkonventionellen Anfragen durchaus auch gern eine halbe Stunde alles abklärt, nett), aber ansonsten fand insbesondere Vormittags nicht viel statt.

Aber Fotos hab ich einige gemacht, zum Beispiel von diesem Taubenflüsterer...

Aber Fotos hab ich einige gemacht, zum Beispiel von diesem Taubenflüsterer…

...oder diesem Original.

…oder diesem Original.

Und nach einem Jahr in der Präsenz all der todgefährlichen Tiere Australiens stolpere ich über dieses Schild: Elstern! Der natürliche Feind des Stadtmenschen!

Und nach einem Jahr in der Präsenz all der todgefährlichen Tiere Australiens stolpere ich über dieses Schild: Elstern! Der natürliche Feind des Stadtmenschen!

Rathaus bei Nacht

Rathaus bei Nacht

Abends ging es dann mit den Jungs mal in eine Kneipe zum Essen, oder wir haben lecker gekocht und ich mich mal wieder in der Küche ausprobiert, bevor ich dann Freitag James verabschiedete, quasi im umgekehrten Rollenmuster, denn er fuhr übers Wochenende nach Melbourne. Zum Einen wollte er dort seine Freunde besuchen, zum Anderen das Footy-Spiel der Adelaide Crows, welches im althochehrwürdigen MCG (Melbourne Cricket Ground, quasi das Traditionsstadion des gesamten Landes) stattfinden sollte, live sehen, und das war was Besonderes, weil er dort noch nie Footy gesehen hat, nur Cricket. Den letzten gemeinsamen Abend letzten Freitag verbrachten wir also vor der Abfahrt seines Busses mit einem kurzen Kostprobenrundlauf in den Central Markets, wo sich das leckere Essen in hundertfacher Ausfertigung nur so stapelte, bevor wir dann ein, oder doch besser zwei Abschiedsbiere im nahegelegenen Pub einnahmen. Dann setzte ich ihn noch am Busterminal ab und fuhr wieder nach Evanston, immerhin mit dem Spiel der Adelaide Crows als samstäglichen Programmpunkt, was ich mir ja im Fernsehen angucken konnte.

Das wurde dann aber doch fallen gelassen und stattdessen ein letztes Spiel noch einmal live beobachtet, da Dan zur gleichen Zeit auch spielerisch im Einsatz war. So oder so waren beide Spiele ergebnistechnisch ein Reinfall für den Fan, sowohl die Crows in Melbourne als auch Dan’s Team (die Willaston Donnybrooks, ich komm immer noch nicht darüber hinweg, dass Dan mit Nachnamen Brooks heißt: Faust aufs Auge. Faust aufs Auge.) erlitten schmerzliche Niederlagen. Da aber Dan’s Eltern auch wieder vor Ort waren, um den beiden jüngeren Söhnen beim Spielen zuzusehen, konnte ich mich auch mal wieder mit Leanne unterhalten, da sie am Dienstag ebenfalls gen Zentraleuropa fliegen um dort eine ausgiebige Rundreise zu starten. Um sich vom spielerischen Debakel abzulenken, tauschten wir also Reisetipps und potentielle Kaffeetrinktrefftermine aus und genossen das bisschen Sonne, dass zumindest das Wetter an dem Tag zu einem Gewinn machen sollte.

Die grauen Wolken sind nur der dramatischen Stimmung wegen da.

Die grauen Wolken sind nur der dramatischen Stimmung wegen da.

Das Wechseln brachte auch nicht viel...

Das Wechseln brachte auch nicht viel…

Den Punktestand kann man auch an den Gesichtern der anwesenden Unterstützer ablesen.

Den Punktestand kann man auch an den Gesichtern der anwesenden Unterstützer ablesen.

Nach dem Spiel verzog sich Dan dann auf eine Verlobungsparty, zu der er mich leider wegen unlexibler Gästezahl leider nicht mitnehmen konnte, versprach mir aber noch, mich am Sonntagnachmittag zum Flughafen zu fahren. Ich verbrachte den Abend dann mit Bildersortieren und Hochladen und ging irgendwann todmüde ins Bett nur um dort am nächsten Morgen von einem Telefonanruf geweckt zu werden, ob Dan mich auch schon Mittags in der City oder am Flughafen absetzen könnte, er müsse doch arbeiten. Offensichtlich war auf einer Baustelle ein Unfall passiert und ein Fenster musste möglichst sofort neu gemacht werden – und Dan’s leicht dreiste Forderung, wie er selber formulierte, nur anzutanzen, wenn er $800 für den Tag Arbeit bezahlt bekomme, führte erstaunlicherweise nicht dazu, dass er den Sonntag doch frei bekam.

Da ich allerdings deswegen nicht irgendwann nachmittags alleine abrücken wollte, entschied ich mich dafür, doch schon Mittags zum Flughafen gefahren zu werden, dabei eine sehr heitere Fahrt mit Dan zu verbringen und zumindest doch noch anständig am Flughafen abgesetzt und verabschiedet zu werden. Bis bald, wie wir beide betonten, soviel steht schonmal fest. Die Frage lautet eigentlich nur, wo das sein wird, also, ob ich schneller wieder in Australien bin oder Dan doch noch mal eben auf ein Working Holiday Visum vorher wieder nach Europa kommt. Wunderbar.

Der Rest ist jetzt wirklich ordentlich unglamourös, auch wenn der Adelaider Flughafen wirklich schick ist, sehr modern und angenehm effizient in seiner Arbeit. Dort verbrachte ich dann also den Nachmittag bei Kaffee und Blogtippen, bevor es im Dunkeln gen Sydney ging, was absolut phantastisch aussah – ich glaube, ich habe noch nie nachts beim Fliegen Städte von oben sehen können. Ein einziges Glitzermeer mit goldfließenden Straßenadern, und besonders mit dem Kontrast des schwarzen Ozeans daneben ein einziger Traum. In Sydney selbst musste ich dann nur noch zum zentral gelegenen Hostel fahren und eben heute die letzten Dinge, die zu erledigen waren, angehen.

Nochmal schauen, ob auch alles da ist: Harbour Bridge...

Nochmal schauen, ob auch alles da ist: Harbour Bridge…

...und Oper. (Bilder mit gutem Wetter sind langweilig!)

…und Oper. (Bilder mit gutem Wetter sind langweilig!)

Skyline mit Palmen macht einfach Lebensqualität.

Skyline mit Palmen macht einfach Lebensqualität.

Somit habe ich dann auch die letzten Kilometer meiner sehr langen, nicht unbedingt direkten und einer wenig nachvollziehbaren Reiseplanung folgenden Australienreise hinter mich gebracht. Grob überschlagen sind es insgesamt um die 47000 Kilometer die ich in den letzten zehneinhalb Monaten absolviert habe, was einem Durchschnitt von mehr als 1000km/Woche ausmacht. Das ist so in Retrospektive doch ne ganz schöne Menge. Oder, nach australischen Standards: Nicht wirklich viel. („Was, tausend Kilometer? Tagestrip!“ Ruft da mein australisch verzogenes Distanzeinschätzungsgehirnareal.)

Aber nun ist das erstmal vorbei (ich hoffe, ich muss zu Hause nicht ganz so weit fahren – bei deutschen Verkehrsdichtenverhältnissen ist das nur wenig spaßig) und ich befinde mich jetzt quasi die letzten Stunden in einer mentalen Vorbereitungsübung auf die bevorstehende Abreise, auch wenn ich dabei nur mäßig erfolgreich bin – irgendwie sind meine entsprechenden neuralen Rezeptoren äußerst indifferent, wenn ich vor der Oper stehe und mir denke: „Hachja, das ist voraussichtlich das letzte Mal, dass du die in echt sehen wirst.“

Ein letztes Tourifoto.

Ein letztes Tourifoto.

Das kann natürlich sein, dass meine Abreise immer noch nicht wirklich in meinem Bewusstsein angekommen ist.

Ich sehe es aber lieber als ein Zeichen dafür, dass es nicht so schlimm ist, dass ich bald weg bin. Denn das Stück Australien, dass ich in den letzten Monaten für mich finden und leben konnte, das werde ich mitnehmen und immer bei mir haben.

3 thoughts on “Der Gang nach Sydney: Noch schnell eine letzte 4000km-Woche

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: