Sheep and crop country, reloaded

Achja, Nyabing.

Nachdem ich mit Julie so mehr oder weniger regelmäßigen Kontakt gehalten hatte auch mit Hinblick auf eine nochmalige Beschäftigung zur Abfederung meiner Kreditkartenrechnung, kam dann kurz vor Katjas und meiner Ankunft in Perth die Ansage, dass ihre aktuelle Barmaid in Urlaub fliegen will und ich quasi ne Woche arbeiten könnte. Plus einiger Zeit gratis unterkommen und entspanntem Nichtstun in angenehmer Atmosphäre hatten wir also fortan zwei Wochen Nyabing auf unserer weiteren Planung. Glücklicherweise sollten wir zudem auch für unsere Nachfrage nach einem Job für Katja eine positive Rückmeldung bekommen: Auf einer nahegelegenen Farm kam noch ein Trupp Farmarbeiter für die Aussaat und die Arbeitgeber entschieden sich dafür, zur Versorgung noch extra eine Person antanzen zu lassen, die Mittag und Abendessen zubereitet und im Notfall noch andere Dinge erledigen und besorgen kann.

Unserem Geldmangel soweit erstmal wieder etwas entgegengewirkt verbrachten wir die Tage bis zum Arbeitsantritt am Donnerstag unter anderem mit einem Ausflug nach Albany, wo Katja für ihr zunehmend ausuferndes Gepäck einen großen Koffer erstand, im Secondhandshop sich mit Mengen an Winterklamotten ausstattete und ich mich mal wieder dem Souvenirerwerb hingab. Auf dem Rückweg kamen wir noch in einen heftigen Regenschauer, und fahren im Dunkeln bei Regen auf australischen Hinterlandstraßen ist doch auch mal was. Protip: Tempo reduzieren. Wieder im heimischen Pub angekommen gesellten wir uns zu dem lokal typischen Konglomerat an Farmern, Truckies und anderen australischen Stereotypen und lauschten den verschiedenen Geschichten über den Regen, den jeder hatte einen anderen Regenpegel zu berichten. Und jeder hatte folglich auch eine andere Meinung zur Qualität dieses Regengusses. Farmer: Regnet’s nicht, ist es nicht recht; regnet’s, ist es auch nicht richtig…

Davon mal abgesehen, dass ich quasi instantly wieder in die Gemeinschaft aufgenommen wurde – und Katja gleich mit – wurde ich in den folgenden Tagen mit einer Welle aus strahlender Wiedersehensfreude fast erschlagen, die ich ausgiebig genoss und vermutlich deutlich zu oft die Frage wo ich denn jetzt überall war detailliert beantwortete. „Heimkommen“ ist halt auch was Wunderschönes, und, no pressure liebe Daheimgebliebenen, aber da müsst ihr jetzt schon mithalten, ne?

Um Katja noch ein bisschen was anderes als den Pub zu zeigen beehrten wir zudem Frenchys Farm und mit ihm die Saleyards in Katanning und schauten kurz bei Ash und Snaggers vorbei, die auch mitten im Säen waren. Eine kurze Einführung ins liebe Leben aufm Land und während Katja Fotos machte und Lämmchen als ihre neuen Lieblingskuscheltiere entdeckte, nutzte ich auch mal die Gelegenheit, hier und da ein kurzes Weilchen mit anzupacken, einfach weil es geht. Da ich leider Katjas Bilder von diesen Tagen vergessen habe zu kopieren, gibt es jetzt hier einfach mal die paar, die sie selbst auf Facebook hochgeladen hat.

Süß²

Süß²

Farmtechnologie.

Farmtechnologie.

Schafsfriseure.

Schafsfriseure.

Kuschelwolle.

Kuschelwolle.

Labyrinth.

Labyrinth.

Herde mit Babysitter.

Herde mit Babysitter.

Schafsfarm.

Schafsfarm.

Donnerstag flog dann Camille, sozusagen meine Nachfolgerin, die seit Januar im Pub schaffte, mit Demis nach Bali und ich konnte mein Tagwerk beginnen. Camille und Demis sind sich wohl recht fix näher gekommen (O-Ton verlautete, dass sie in den vier Monaten nur zwei Nächte im Pub geschlafen hat) und Julie ließ vermuten, dass Camille in ihrer Australiendaueraufenthaltsfixierung Demis am liebsten vor irgendwelche Traualtare schleppen will. Was der wohl nicht ganz so sieht. Mir hingegen wurde die folgenden Tage ordentlich Honig um den Mund geschmiert, denn offensichtlich war Camille zwar eine anständige Mitarbeitern, wenn Julie in der Nähe war, aber sobald auf sich allein gestellt wohl eher ein Ärgernis für die verehrte Pubkundschaft, die sich entsprechend wortreich über meine Rückkehr freute und schon Pläne schmiedete, wie man mich jetzt dauerhaft behalten kann. Dabei bekamen Katja und ich dann Geschichten erzählt von einer Barmaid die rüde Anfuhren statt Service austeilte und auch mal die „Service-bitte!“-Klingel an die Wand warf, wenn sie der Falsche benutzte. Zudem schien sie regelmäßig so früh es ging in frischem französischem Akzent verlauten zu lassen, dass sie den „fücking pübb“ jetzt schließen will. Insbesondere letztere Geschichte lässt mich ja eher ihren angeblichen „Business Degree“ (International!) anzweifeln, denn mit Kunden rauswerfen lässt sich jetzt doch eher wenig Geld umsetzen. Inwieweit die Jungs da jetzt alle Recht hatten kann ich nur wenig nachvollziehen (aber wenn eine so breit gefächerte Stichprobe, unter anderem auch Frenchy und Gary, die ja jetzt eher immer sonnig-fröhlich eingestellt sind nur leicht schmerzhaft ihre Gesichter verziehen, wenn sie darauf angesprochen werden, dann muss ja doch zumindest ein bisschen was dran sein…) denn ich hatte in den wenigen Tagen vor ihrer Abreise nur wenig Kontakt mit ihr und wenn es mal zu Konversationen kam, dann scheiterte dass zumeist recht schnell, da irgendwie ihre Antworten nie auf das passten, was ich sie eigentlich gefragt hatte und wir beide ein bisschen reserviert waren. Ihren einen Witz fand ich allerdings irgendwie unlustig und die ständige „machs-dir-selber“-Geste sobald mal jemand nen Spruch los ließ dann auch irgendwann reichlich unkreativ. So oder so tat es auf jeden Fall gut, zwei Wochen lang nonstop umworben und umgarnt worden zu sein, wenn ich mit zu großem Selbstbewusstsein (was, noch größer?!?) zurückkomme, wisst ihr warum.

Ansonsten gab es nicht viel Neues im Pub was man berichten könnte. Oh, die Decke ist eingebrochen. Japp, irgendwann vor zwei Monaten knirschte es wohl, und alle Anwesenden schafften es wohl gerade noch so sich zur Seite zu bewegen, bevor im Hauptraum direkt über der Bar die ganze Decke runterkladdatschte. Seitdem kann man jetzt die nicht wirklich vertrauenserweckende Holzkontruktion darüber betrachten und hat freie Sicht auf die Innenseite vom Dach. Letze Woche wurde dann aber endlich mal Betrieb gemacht und die Lösung des Problems angegangen, nachdem der Besitzer OB sich endlich hatte überzeugen lassen, dass ein wegen Hygienemängeln geschlossener Pub sich garantiert nicht mehr verkaufen lässt. Zum Zeitpunkt meiner Abreise waren die Elektriker durch. Mal schauen, wann es Bilder von der fertigen Decke gibt… Da Katja und ich in der Zeit irgendwie gnadenlos bilderfaul waren, was unsere Arbeitsplätze angeht, gibt es allerdings kein Bild vom aktuellen Status Quo. Bilder gibt es hingegen vom Wave Rock, den ich mit Katja nochmal besucht habe, weil sie den ja noch nicht gesehen hatte aber eben sehen wollte. Joa, das Wetter war ziemlich genauso wie bei meinem letzten Besuch und ansonsten haben wir auch nicht viel dort getrieben als ein bisschen rumzufahren, uns was anzugucken, und dann weiterzufahren. Und ich hab ein Gratis-Eis bekommen.

Tin Horse Highway entlang des Weges.

Tin Horse Highway entlang des Weges.

Dutzende Pferde wurden von lokalen Farmern mit zu viel Zeit gebastelt und verzieren den Weg.

Dutzende Pferde wurden von lokalen Farmern mit zu viel Zeit gebastelt und verzieren den Weg.

Wellenstein mit Tourist im Vordergrund.

Wellenstein mit Tourist im Vordergrund.

Magischer See. Und gelb.

Magischer See. Und gelb.

Surferbabe.

Surferbabe.

Mulka's Cave. Katja muss noch reingelockt werden.

Mulka’s Cave. Katja muss noch reingelockt werden.

Oh, und dann war da ja noch das Gegenstück zur Community Crop Ernte vom letzten Jahr: Die Aussaat der Community Crop für dieses Jahr.

Ein paar Tage vorher philosphierte Trent im Pub noch darüber, ob ich die Fotos dieses Mal machen kann, und er würde schauen, ob ich eventuell sogar mit dem Flugzeug drüberfliegen kann, wenn sie wieder ihre Formationsfahrt machen, aber leider ließ sich Letzteres wegen Pilotenmangel nicht umsetzen. Aber wir fuhren natürlich trotzdem vorbei um tausend Bilder zu schießen und uns an Lagerfeuer, Bier und Cider, Hausmannskost und Landlebenromantik gütlich zu tun. Hach, war das schön!

Hunde wollen gestreichelt werden.

Hunde wollen gestreichelt werden.

Die deutschen Farmerkids auf Beobachtungsposten.

Die deutschen Farmerkids auf Beobachtungsposten.

Romantik.

Romantik.

Moneyshot, von vorne.

Moneyshot, von vorne.

Moneyshot, von hinten.

Moneyshot, von hinten.

Moneyshooters.

Moneyshooters.

Der Tag selbst war auch ordentlich ereignisreich, zumindest, nachdem bei unserer ersten Anfahrt nix weiter zu finden war als ein Traktor, der gerade repariert werden musste und vage Aussagen verschiedener eigentlich-Beteiligter, wo man denn was zum Fotografieren finden könnte. Wir ließen uns eine genauere Angabe machen, wann denn mehr los sein soll, als jeweils ein Traktor pro Feld und fuhren wieder nach Nyabing. Paul nahm uns dann Nachmittags wieder mit raus, als er das Bier im Pub abholte und wurde, kaum nach unserer Ankunft an der Scheune auf dem letzten Feld, von Trent und einigen anderen mit schiefen Grinsen hinter auf den Paddock geschickt, um sich seine Maschine anzusehen. Leicht panisches Nachfragen von Pauls Seite führte jedoch nur zu weiteren vagen Grinsern und so fuhren wir recht fix an die angewiesene Ort und Stelle, wo sich eine Masse an Leuten mit ihren Utes eingefunden hatte um das Spektakel zu betrachten.

Offensichtlich schienen, als Dick („der sich seinen Namen an diesem Tag verdiente!“) mit Traktor und Saatanlage (wo sind die jungen deutschen Bauernkids mit ihren Übersetzungen wenn man sie mal braucht?) den Hang zum nächsten zu besäenden Feld runterfuhr, Schwerkraft, Fliehkraft und andere humorvolle Kräfte zu wirken und sorgten dafür, dass während der Traktor brav dem Streckenverlauf folgte, die Anhängeranlage einen eher direkten Weg direkt in den bereitstehenden Baum verfolgte. Und da stand sie dann erstmal. Und neben dem unmittelbar mit der Befreiung der so gefangenen Maschinerie beschäftigten Freiwilligen zog das Spektakel natürlich auch alle anderen, die gerade nix zu tun hatten, an, die dann leicht verschmitzt daneben standen und ihre Kommentare ob der propperen Problembeseitigung gratis dazugaben. Nach Anwendungen von Kettensägen, dem Einsatz eines Bulldozers und nach dem Mord an drei Bäumen konnte die Maschinerie dann jedoch aus dem Wald herausgefahren werden und, nach dem Ersatz eines Schlauchs, sich dann sogar am weiteren Saatvorgang beteiligen. Also alles nochmal gut gegangen und man hatte sogar eine lustige Geschichte zu erzählen.

Na dann holt mal die schwere Maschinerie.

Na dann holt mal die schwere Maschinerie.

Hier kann man den unterschiedlichen Wegverlauf gut nachvollziehen...

Hier kann man den unterschiedlichen Wegverlauf gut nachvollziehen…

Frenchy fuhr uns dann noch ein Weilchen rum, wir beobachteten, wie die verschiedenen Maschinerien ihrer Arbeit nachgingen, sahen einen Regenbogen mitten im Feld enden, fanden allerdings keinen Pott Gold und warteten schließlich an der Scheune beim gerade angefachten Lagerfeuer (aus einem Riesenhaufen Wurzelwerk, das von armen Freiwilligen den ganzen Tag aus dem Feldboden herausgesammelt wurde damit die Maschinen nicht kaputtgehen, die ebenfalls eingesammelten Steine waren leider nicht so die Burner, im Wortsinn) auf die Formationsfahrt, zu der alle Traktoren sich pittoresk übers Feld bewegten, bevor die letzten paar Quadratmeter bis in die Dunkelheit noch bearbeitet wurden (und die ersten zu dem Zeitpunkt schon ordentlich beim Bier zugegriffen hatten). Dann gab es noch ein Gruppenfoto mit allen Freiwilligen und irgendwann später, als das Bier knapp wurde (nur noch Light-Beer?!?) trudelten dann Einige im Pub ein, wo es keinesfalls stressig aber dann doch noch ein typisch langer Abend wurde.

Heuballen haben sie auch.

Heuballen haben sie auch.

Lagerfeuerromantik.

Lagerfeuerromantik.

Linienmuster.

Linienmuster.

Im Vordergrund wird der Funkverkehr umgangen.

Im Vordergrund wird der Funkverkehr umgangen.

Irgendwo muss da doch Gold zu finden sein!

Irgendwo muss da doch Gold zu finden sein!

Die Kinder werden auch in wichtige Aufgaben wie "Papazuwinken" mit einbezogen.

Die Kinder werden auch in wichtige Aufgaben wie „Papazuwinken“ mit einbezogen.

Abendstimmung.

Abendstimmung.

Und jetzt alle mal in die Kamera gucken... oder auch nicht, macht nichts, bleibt so!

Und jetzt alle mal in die Kamera gucken… oder auch nicht, macht nichts, bleibt so!

Ein paar Tage sollte ich danach noch in Nyabing bleiben, Dienstag letzte Woche erwarteten wir Camille zurück, die dann aber irgendwie auch Mittwoch noch nicht aufgetaucht war, was aber nun wirklich mein allerletzter Tag sein sollte, an dem ich auch schon gar nicht mehr arbeitete. Viel los war die Tage nicht mehr, und so räumte ich mich durch Donald, dessen hoffentlich anstehender Verkauf ja auch vorbereitet werden musste, Katja und ich packten unsere Siebensachen, ich bekam zu diesem Zweck und wegen meines mittlerweile doch zu klein geratenen Rucksacks von Jess sogar noch einen großen Koffer, den sie nicht mehr braucht, vermacht, und ich gewöhnte mich langsam an das anstehende Abschiednehmen. Das wurde immerhin ein wenig vereinfacht von Katja, die mich bat einen Tag länger zu bleiben, weil sie doch auch früher als erwartet auf der Farm nicht mehr gebraucht wurde und deswegen auch nach Perth zurück wollte. So bekam ich also zwei letzte Nächte im Pub und zudem noch ein paar weitere Tage eine liebe Reisebegleitung – und die hab ich in den folgenden Tagen, in denen ich mich um Donalds Verkauf kümmern musste, dringend gebraucht. Dorthin ging es dann am Donnerstag Vormittag nachdem ich mich von den ganzen Stammbanausen die Tage vorher angemessen verabschiedet hatte, was, mittlerweile hab ich ja nun doch ein wenig Erfahrung, einem doch deutlich leichter fällt, wenn man verspricht, sich irgendwann wiederzusehen. Dann hat das auch nicht mehr so was Endgültiges. In diesem Sinne ging es dann auf zu einer der letzten Stationen meiner Reise und es bleibt mir nicht mehr viel zu sagen außer:

Vielen Dank, Nyabing, und bis zum nächsten Mal!

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