Der Gang nach Sydney: Das Drama vom Verkauf des Donald

Ich nutze hier an dieser Stelle mal die Gelegenheit und bitte um Vergebung dafür, dass ich einige meiner Nahestehendsten in letzter Zeit doch ausgiebig mit meiner Rumningelei ob der unersehnten Heimreise genervt habe, dass ist sicher irgendwann total langweilig und so ziemlich komplett diametral zu euren Emotionslagen bezüglich meiner Heimkunft. In diesem Sinne versuche ich mich daher auch zu bessern und werde versuchen, weniger wegen dem zu Ende gehenden Australienjahr zu wehleiden und meine Energie vielmehr in zukünftige Realitätsplanungen zu stecken. Wie beispielsweise meinem nächsten Australienurlaub.

Aber bevor es mit der endgültigen Ankunft in der Realität weitergeht (ich merke sie langsam aber sicher deutlich am Horizont heraufziehen) soll zumindest auch in der hiesigen schriftlichen Form die Reise zu einem Abschluss gebracht werden. Zwischen Nyabing und Frankfurt liegt ja schließlich noch einiges an Reisekilometern, Erlebnissen und Abschieden, die jetzt und hier halbtherapeutisch abgearbeitet werden sollen und mit mittlerweile weniger als zwei Tage bis zu meinem Heimflug wird es höchste Eisenbahn das noch rechtzeitig zu Papier ins Internet zu bringen…

Fangen wir an in Perth, wo wir nach Nyabing für einige Nächte unser Lager aufschlugen, wieder mal bei einem Couchsurfinggastgeber (also man hat dort schon Auswahl) der dieses Mal sogar einen recht drogenunaffinen Eindruck machte.
Er, Tony, machte insgesamt nicht viele Eindrücke, auch weil Katja und ich ihn kaum zu Gesicht bekamen (zumindest bis zu meiner Abreise am Sonntag, was danach geschah, davon kann euch Katja bei Gelegenheit eine Geschichte erzählen). Der Junge war busy, mit Arbeit, Sport, Familie und Freizeit und wir waren da irgendwie ungünstig terminlich reingeraten. Das machte aber nichts, denn wenn er mal da war, dann war er auch ein typisch netter Aussie Bloke, wie man das so gern hat und zudem konnten wir ein echt tolles Zimmer mit eigenem Bad quasi direkt in Perths City beziehen – zum zentralen Bahnhof waren es 10 Minuten zu Fuß, einwandfrei. Das Apartment in bester Lage hat unser Gastgeber gekauft, weil sowas kann man sich (Perth Preise!) mit 26 halt schon mal leisten. Als Ingenieur im Bergbaugeschäft.

Der Blick aus dem Fenster: Die neue Perth Arena gleich nebenan...

Der Blick aus dem Fenster: Die neue Perth Arena gleich nebenan…

...die Nachts so aussieht.

…die Nachts so aussieht.

Das Einzige Manko an dieser Top-Unterkunft war der Mangel an Parkplätzen für meinen geliebten Weggefährten Donald, dem ich deswegen nach einigem Suchen auf den gratis Langzeitparkplatz am Interstate-Zugbahnhof in East Perth, drei Stationen weiter, abstellte. Nicht die schickste Lösung aber bei innercitygen Parkgebühren von $6 die Stunde…
Den Bahnhof machten wir demzufolge, also hauptsächlich ich, Katja ließ sich netterweise dazu begeistern, mir zur Seite zu stehen, zur Ausgangsbasis meines leicht drängenden Unternehmens: Donalds Verkauf. Ja, mit schweren Herzen musste ich von der zuverlässigen Ente Abschied nehmen, aber er hätte nun wirklich nicht in meinen Koffer gepackt.

...der im Übrigen DAS hier alles problemlos fasst.

…welcher im Übrigen DAS hier alles problemlos fasst.

Die ganze Aktion entwickelte sich zu einem mittleren Drama mit kathartischem Ende, bei dem ich doch einiges an Nerven ließ und ganz offensichtlich zur falschen Zeit am falschen Ort war, aber vielleicht kann der ganze Spaß ja noch zur Unterhaltung eurerseits dienen: Einige Wochen vorher hatte ich an typischer Stelle im Internet meine Anzeige geschaltet, und immer mal wieder gab es auch Nachfragen, aber da wir noch nicht in Perth waren, ergab sich daraus nichts Konkreted. Nun, dort angekommen, hatte ich zumindest drei Interessenten, irgendwie. Also der eine Junge, deutsche Pünktlich- und Gründlichkeit, war wie bestellt da, sah sich das Auto an, auch unter der Motorhaube, um mir dann zu versichern, dass er sich im Laufe des Tages noch bei mir melden wird mit einer Entscheidung. Dann hatte ich noch ein Pärchen, die auch am Nachmittag gucken wollten, dann aber doch keine Zeit hatten, und doch lieber Freitag. Dazwischen zwei andere Mädels die auch erst Donnerstag gucken wollten, dass dann auf Freitag Mittag verschoben. Dann doch das erste Pärchen wieder, sie hätten doch Zeit, also jetzt.

Wir warteten also geduldig am Parkplatz bis wir sie trafen. Zwei junge Taiwanesen, gerade mal eine Woche Down Under und mit einem Australier im Gepäck, der ihnen beratend zur Seite stand. Nach einigem Hin und Her und Rumgeräume (soviele Sitzplätze im Auto freimachen wie möglich) drehten die beiden Interessenten dann eine Runde auf dem Parkplatz, ich, einfach weil Fremde mein Auto fuhren, ordentlich nervös daneben. Und dann kam der Australier auf die Idee, doch eine richtige Probefahrt zu machen. Da sich die beiden potenziellen Käufer nicht in den Abend- und Feierabendverkehr trauten, nahm er das Steuer in die Hand: Und trat Donald ordentlich. Das war nicht gut, denn wenn man das macht beim Anfahren, dann buckelt er manchmal ein bisschen beim Hochschalten. Und weil der Australier das trotz meiner freundlichen Intervention immer wieder hervorgerufen hat, war er dann auch skeptisch und die beiden Taiwanesen in Folge auch. Ich sah meine Chancen schwinden. Sie wollten schließlich nochmal überlegen und es vielleicht nochmal zu einem Mechaniker angucken lassen. Auweia, wenn der da reinguckt. Versteht mich nicht falsch, Donald ist ein wunderbares Auto und die Maschine war ganz eindeutig die Vorlage für das Duracellkaninchen, aber im Motorraum gibt es trotzdem das ein oder andere, was einem beim Mechaniker sofort eine meterlange, hochteure To-Do-Liste einbringt (so hab ich schließlich letztes Jahr ja auch meinen Preisnachlass bekommen). Und mittlerweile hatten die beiden Interessenten für Freitag Mittag auch noch abgesagt. Und irgendwann gegen Mitternacht dann auch der Deutsche. Die Panik fing langsam an in mir aufzusteigen…

Mein Problem war, dass mir die Zeit drängte. Ja, ich hatte mich hinreißen lassen noch zwei Tage länger in Nyabing zu bleiben, weswegen es nun ziemlich knapp war, und eigentlich war das ja auch nicht so schlimm weil Katja war bereit, bis zu ihrer Abreise sonst auch noch das Verkaufsgeschehen zu betreiben, sollte ich kein Glück haben, aber ehrlich gesagt wollte ich dass doch selbst noch alles in die Wege leiten, damit dass dann nicht so ein organisatorisches Tohuwabohu wird. Und auch, damit ich nach meiner Abreise ruhig schlafen konnte, ohne irgendwo in Perth ein Auto auf meinem Namen rumstehen zu haben. Und da ich zuvor durchaus einige Erfahrungen anderer Backpacker mit ihrem Autoverkauf zugetragen bekommen hatte, basierte ich darauf meine nicht unfundierte Hoffnung, dass ich mit meinem im Vergleich ziemlich guten Auto keine Probleme haben sollte, sowohl es los zu werden, als auch einen anständigen Preis dafür zu bekommen. Nunja.

Die beiden Taiwanesen fragten an, ob sie mich am nächsten Tag vormittags nochmal am Auto treffen könnten. Ich sagte zu, und harrte nervös der Dinge, die mich da erwarteten. Es sollten neben dem Berater-Australier zwei Mechaniker aus dem Hostel sein, die sie mit anschleppten. Ein Deutscher und ein Franzose, beide kaum in der Lage ihren Beruf in Englisch auszuführen. Und während Ersterer, aus dem Land des TÜV, ganz sehr davon überzeugt war, dass man so ein Auto nicht kaufen sollte (Katja ließ ihn dann mal am Rande wissen, wie die Qualitäts- und Preisverhältnisse hier in Australien so sind), stellte sich der Franzose doch als ein Unterstützer für mein Anliegen heraus. Nachdem er bei seinem Herumwirken am Motor einiges an Ölabfluss hervorgerufen hatte, was bei mir fast einen Herzinfarkt hervorgerufen hat aber wohl von niemandem sonst bemerkt wurde, und dann doch etwas dringend Reperaturwürdiges gefunden hatte (die Manschette vorne rechts an der Antriebswelle), stellte er mehrmals fest, dass das ein gut behebbares Problem ist und man in der Preislage nichts anderes finden wird, was nicht mindestens genauso viel Reperaturbedarf aufweist. Ansonsten ist das Auto tipptopp. Der Australier stimmte in den Chorus ein und nachdem wir dann bei Mazda ein best- und schlimmstmögliches Szenario preislich bei $200 bis $500 angesetzt bekamen, war es mir möglich nach einigem Handeln runter von meinen optimistisch verlangten $1700 doch noch eine Zusage für $1200 zu bekommen. Nachdem die beiden das Geld dann von der Bank geholt, wir uns durch die Papiere durchgekämpft und (hoffentlich) alle relevanten Hinweise bzgl. Donalds Wohlergehen und Innenleben durchgesprochen hatten – und ich hoffe doch sehr, dass die Beiden vielleicht doch mehr als nur die Hälfte verstanden haben (Unleaded. UNLEADED!!!) – übergab ich Donald an seine beiden neuen Besitzer (die seinen Namen übrigens beibehalten werden). Dann wollte ich nur noch weg. Die ganze Prozedur hatte ungefähr fünf Stunden in Anspruch genommen, ich war fertig, psychisch wie physisch, und doch froh, dass mir der Weg zum Gebrauchtwagenhändler erspart geblieben war, wo ich deutlich weniger bekommen hätte. Ich vermisste mein Auto, mein allererstes, mein Zuhause der letzten Monate, zu dem ich, was Sachdinge angeht, eine viel zu innige Beziehung aufgebaut hatte. Ich war gleichzeitig traurig, euphorisiert und irgendwie mental nicht zu gebrauchen. Halleluja es war geschafft, nach mehr als 37000 gemeinsamen Kilometern, und daher hier ein wohlverdientes Danke und Auf Wiedersehen für meinen treuen Begleiter (jetzt sentimentale Hollywoodmusik im Hintergrund einspielen):

Ich bin ein asiatischer Tourist.

Gute Fahrt.

Nachthimmel

Die restlichen zwei Tage verbrachten Katja und ich dann damit, mich runterkommen zu lassen. Shopping, Sushi essen, Sightseeing, Bierchen trinken gehen, und einfach das Leben und die letzten gemeinsamen Tage genießen. Perth ist in diesem Zeitrahmen in meiner Zuneigung auch noch einmal deutlich gewachsen, eigentlich ist es dort schon ganz schön, vor allem, wenn man das auch nutzen und genießen kann, und nicht mit nervigen Dingen wie Jobsuche, Autokauf und -verkauf abgelenkt und vermiesepetert wird.

Cityskyline

Cityskyline

Sonnenuntergang. Noch einmal hach wie schön.

Sonnenuntergang. Noch einmal hach wie schön.

Katja betat sich zudem mit ihrer weiteren Reiseplanung, während ich noch ein wenig Langehosenwetter in Australien abbekommen sollte, hat sie sich schon in den warmen asiatischen Raum abgesetzt und macht dort jetzt noch ein paar Wochen Urlaub vom Urlaub.
Vorletzten Sonntag war es dann soweit, es ging wieder in den Indian Pacific Richtung, na, wer hätte das gedacht, Adelaide. Katja brachte mich morgens mit zum Zug und dann ging es gleich weiter mit der Verabschiederei und ich musste mich bei meiner liebgewordenen Reisegefährtin verabschieden, die mir die letzten zwei Monate das Leben so bereichert hat (und die, seien wir ehrlich, eine sehr viel interessantere Gesprächspartnerin ist als Donald, insbesondere seitdem der ja dank repariertem Tachokabel gänzlich schwieg). Einen Vorteil hat es, wenn man sich doch mit den Deutschen einlässt: Man kann sich ohne Probleme wiedersehen. Und das habe ich ganz fest vor!

Ooooooh, nicht weggehen!

Bis bald! 🙂

Solcherart aber vorerst mal wieder auf mich allein gestellt, begann ich quasi meine Australienreise zurückzuspulen: Nach Sydney, via Adelaide, denn dort gab es noch welche, von denen ich mich verabschieden musste.

Davon muss ich euch dann aber doch morgen berichten, denn nachdem ich jetzt den Tag am Adelaider Flughafen mit Tippen verbracht habe und jetzt mitten in der Nacht im Sydneyer Hostel noch soweit fertiggeschrieben habe, muss ich jetzt erstmal ein wenig schlafen.

Advertisements

Ein Kommentar zu “Der Gang nach Sydney: Das Drama vom Verkauf des Donald

  1. ach franziherz ich muss immer noch so bei deinen bildunterschriften lachen und jaa du hast so recht: ich hab auch ganz fest vor dich in dresden besuchen zu kommen!! 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: