Stürmen, Schnorcheln, Stranden

Nach dem Karijini sollte es an der Küste weitergehen mit den Naturschönheiten Western Australias, genauer dem Ningaloo Reef, bekannt für wundervolle Unterwasserwelten und dafür, dass man dort mit dem größtem Fisch der Meere, dem Walhai, schwimmen kann. Auf Ningaloo habe ich mich schon seit langer Zeit gefreut und dass ich es nicht in den ersten vier Monaten in Western Australia dorthin geschafft habe war einer der Gründe, warum ich unbedingt einmal um ganz Australien drumrumfahren musste. Von vielen, denen ich entlang des Weges begegnet bin, wurde mir bestätigt, dass es das schönste Korallenriff Australiens sei, was jetzt vielleicht überraschend anmutet, weil man im Allgemeinen Korallenriff und Australien zu Great Barrier Reef kombiniert. Doch auch Ningaloo hat es zum Weltkulturerbe geschafft und im Gegensatz zum Barrier Reef lockt es mit der unmittelbaren Nähe zur Küste: Zum Schnorcheln braucht man also nur vom Strand ins Wasser zu gehen und man ist da. Ein Traum (insbesondere für Seeganggeschädigte wie mich).

Wir schafften es Montag bis nach Exmouth, der Versorgungs- und Durchgangsort für den nahegelegenen Cape Range Nationalpark und Ningaloo Marine Park, den wir allerdings auch nicht für sehr viel mehr nutzten. Unser Plan war es, die folgenden zwei Nächte im Cape Range NP zu campen, da das dort wohl sehr angenehm sein sollte und mit $7 pro Person und Nacht auch günstiger als ein Caravanpark im Touristenort zu veranschlagen war. Als wir dann beim Ranger ankamen, hatten wir dementsprechend auch nicht mehr viel Auswahl an Campsites und mussten uns „leider“, wie das die Rangerin formulierte, mit einer Campsite 600m vom Strand entfernt zufrieden geben. Ähm ja, äußerst dramatisch, das Leben ist schrecklich hart hier…

Ihr seht, wir leiden.

Ihr seht, wir leiden.

Wie sich herausstellte waren wir dadurch auf einem kleinen Camp mit gerade einmal fünf Plätzen, was wir sehr angenehm fanden. Dort ein wenig eingerichtet liefen wir dann diese überaus lange Strecke zum Strand, wo wir den Nachmittag und Abend verbringen sollten und wo ich schonmal in Vorbereitung auf die wirklich guten Schnorchelplätze unsere erworbene Maske mit Schnorchel ausprobierte. Wie sich herausstellte gab es auch dort an unserem kleinen Privatstrand schon ganz viele bunte kleine und große Fische zu beobachten, bevor wir dann den Abend bei einem wundervollen Sonnenuntergang ausklingen ließen.

Ich sag's gleich: Das werden heut einige Strandbilder.

Ich sag’s gleich: Das werden heut einige Strandbilder.

Hier mit Sonnenuntergang.

Hier mit Sonnenuntergang.

Privatstrand.

Privatstrand.

Den nächsten Morgen ging es dann früh los zum Schnorcheln an den Oyster Stacks, da man dort nur bei Flut schnorcheln durfte, die freundlicherweise an dem Tag morgens um 8 den notwendigen Höhepunkt erreichte. Den restlichen Vormittag verbrachten wir mit der weiteren Planung und stellten schnell fest, dass wir mit den ganzen angedachten Schnorchelgängen durchaus noch mehr Zeit vor Ort verbringen könnten, sowie ein Schnorchel für zwei (einer ist im Wasser, der andere pausiert) nicht ausreicht und Flossen bei der Strömung eigentlich dringend angeraten wären. Der Tagesplan lautete demzufolge die Touristeninfo im Park aufsuchen wegen Infos über die verschiedenen Strände, dort informiert werden, dass gegen nachmittag Regen angekündigt ist, der aber üblicherweise im Inland vorbeizieht, dann nach Exmouth fahren um das erstliche Equipment zu besorgen und die Vorräte auffüllen, und dann zurück in den National Park um am Lakeside-Riff den Nachmittag zu verbringen. Sowohl Oyster Stacks als auch Lakeside ließen einen große Augen machen, viele, viele Fische überall (und ich behaupte auch einen Riffhai gesehen zu haben: er sah aus wie ein Hai und er schwamm wie ein Hai, also war es einer) und im Gegensatz zum Barrier Reef waren auch die Korallen selber in einer sehr viel besseren Verfassung. Bilder davon gibt es mit viel Glück wenn ich wieder zu Hause bin, vorausgesetzt die nicht ganz so wasserfeste Unterwasserkamera hat tatsächlich nicht nur graue Schatten abgelichtet und der Film lässt sich von dem bisschen Salzwasser nicht beeindrucken… (Einen Film in Exmouth finden war auch so ne Aktion – also Einmalunterwasserkameras bieten sie ja alle an, aber nur den Film, da kannste lange suchen…)

Morgenhimmel

Morgenhimmel

Lakeside Beach

Lakeside Beach

Wir freuten uns jedenfalls der Dinge bevor wir uns wieder auf den Weg zum Zelt machten, stoppten unterwegs bei den Camphosts um noch eine weitere Nacht zu verlängern und wurden dort informiert, dass der kleine Regen, der vermutlich im Inland vorbeizieht, während unserer Abwesenheit zu einer Sturmwarnung für die Nacht ausgewachsen war. Man solle doch bitte alles festbinden und dran denken „we’re all in this together“ (meinte so der nette alte Herr). Wir holten also die Plane raus und zurrten sie extrafest über Auto und Zelt, vor allem, damit Katja im Zelt trocken bleibt. Insgesamt 12 straff gespannte und zigmal verknotete Seile sollten die Plane halten, wo wir sie wollten und vom hin- und herklatschen abhalten. Als das geschafft war, setzten wir uns ins Auto und tranken ein paar alle Cider, die wir in Exmouth erstanden hatten während wir dem Wind lauschten und uns amüsierten, dass das also das schlechteste Wetter sein sollte, das Exmouth zu bieten hatte.

War aber auch zu lecker.

War aber auch zu lecker. Und der Himmel war auch noch blau!

Unsere Einschätzung wurde ein paar Stunden später angepasst, als der Sturm dann doch endlich eintraf und meinte, so fest pusten zu müssen, dass die Plane an einer Seite komplett abriss, auf das Zelt drückte, aus dem sich Katja ins Auto rettete und von dort mit ansah, wie ich draußen Schlimmeres zu verhindern suchte indem ich mitten im schlimmsten Regen und Wind, welche die Nacht zu bieten hatte, die restlichen 8 Seile irgendwie wieder losband und den Planenrest versuchte ins Zelt zu bugsieren, damit er nicht wegfliegt. Alternativ hätte ich auch Kitesurfen als Hobby für mich entdecken können, aber dafür war ich mal wieder nicht cool genug. Irgendwann schafften wir es trotzdem, ein bisschen zu schlafen, und stellten dann am nächsten Morgen recht erstaunt fest, dass das Zelt quasi unbeschadet überstanden hatte. Großartig. (Und ich zitiere an dieser Stelle noch meinen Lieblingssatz aus der Nacht: „Tie everything down, there will be no sun tonight!“ Ich bin soooooo witzig.)

Das Wetter sollte jedoch den ganzen folgenden Tag nur so unterdurchschnittlich bleiben, grauer Himmel, Windgeschwindigkeit von um die 35 Knoten und entsprechend raue See, Schnorcheln war von offizieller Seite für den Tag gesperrt (nicht, dass wir uns bei diesem Wetter dazu wirklich motivieren konnten). Wir widmeten uns hingegen dem Aufräumen der Resultate der Vornacht – Plane falten bei viel Wind macht ganz viel Spaß –, guckten uns den grauen Himmel im Auto sitzend aus an, kochten lecker Abendbrot aus der Konservenabteilung, und wurden schließlich noch zu einem der benachbarten älteren Ehepaare auf einen Tee eingeladen, nachdem sie uns am Nachmittag schon Hilfe angeboten hatten (da hatten wir die Plane aber schon zusammengefaltet gekriegt). So ein entspannter Tag Nichtstun muss ja auch mal sein.

Am nächsten Morgen war dann der Wind zum Glück wieder etwas ruhiger und auch wenn der noch etwas pustete, war es doch deutlich angenehmer draußen. Leider wurden unsere Schnorchelpläne noch weiter eingeschränkt, der Drift Snorkel in der Turquoise Bay, den wir eigentlich am Vortag auf dem Programm hatten, und von dem wir uns erhofften endlich eine Meeresschildkröte zu sichten, war nach wie vor nicht freigegeben, wegen der zu starken Strömung. Aber den Junior Snorkel könnten wir dort machen. Das taten wir dann auch, und das Wasser war in der Tat so türkis wie man das bei dem Namen erwarten kann, wenn auch nicht ganz so klar so kurz nach dem Sturm.

Turquoise Bay

Turquoise Bay

Ein Genie, wer sich diesen Namen ausgedacht hat!

Ein Genie, wer sich diesen Namen ausgedacht hat!

Mal was anderes: Einen Mangrovenwald haben sie auch.

Mal was anderes: Einen Mangrovenwald haben sie auch.

Auf dem Weg nach Exmouth gab es noch dieses Schiffswrack zu beobachten. Die Muscheln am Strand fanden wir interessanter.

Auf dem Weg nach Exmouth gab es noch dieses Schiffswrack zu beobachten. Die Muscheln am Strand fanden wir interessanter.

Vom schlechten Wetter also leider um einiges an Aussicht(en) gebracht, konnten wir uns trotzdem an schönen Korallen und bunten Fischen ergötzen, bis wir uns sattgesehen hatten und den Weg zurück durch Exmouth bis runter ins 150km entfernte Coral Bay angingen. Letzteres, ebenfalls am Ningaloo Reef gelegen, sollte uns dann heute noch einmal mit einem wunderschönen Schnorcheltag verwöhnen, klares, türkisblaues Wasser im Sonnenschein bieten und in der Bucht fand man keine Korallengärten, nein, einen ganzen –urwald.

Coral Bay

Coral Bay

Also, da, wo das Wasser so dunkelblau wird, da ist das Korallenriff.

Also, da, wo das Wasser so dunkelblau wird, da sind die Korallen.

Ich und mein neues Spielzeug.

Ich und mein neues Spielzeug.

Immer ging es noch weiter, Stunden verbrachten wir im Wasser und bekamen tatsächlich auch noch ein paar neue Exemplare an Fischen zu Gesicht –doch leider auch hier keine Schildkröten. Aber einen Stachelrochen sah ich am Meeresboden entlanghuschen! Zwischendurch konnte man sich dann am Strand wieder trocken und warmscheinen lassen von einer am blauen Himmel strahlenden Sonne, die uns dann hoffentlich noch mindestens bis Shark Bay begleitet, bevor wir uns der Realität des Herbstes stellen müssen, die Tropen haben wir heute nämlich erst mal hinter uns gelassen.

Ich bin ein Wendekreis!

Ich bin ein Wendekreis!

Da aber das alles so schön ist hier und ich davon noch viel mehr sehen will, als ich es jetzt konnte, muss ich halt wohl noch mal nach Australien kommen, irgendwann. Geht gar nicht anders.

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