Broome, Prinzessin!

Im letzten Beitrag hab ich euch ja komplett vorenthalten, warum wir da am 25.4. durch Kununurra quasi nur durchfuhren – aufgrund des ANZAC Days war alles dicht und wir sozusagen zur Umdisponierung unserer Pläne angehalten, was uns ja letzten Endes zur Grotte führte und schon deshalb eigentlich grundrichtig war. Aber man kann ja noch einige Worte zum Feiertag an sich verlieren, zumal ich mich dann nicht nur mit den Australiern angelegt habe, was das Thema angeht. ANZAC steht, ganz niedlich gekürzelt für Australian and New Zealand Army Corps, so getauft als man im Ersten Weltkrieg noch das koloniale Mutterschiff mehr pflicht als bewusst unterstützte, und der 25.4. markierte mit dem Beginn der Schlacht um Gallipolli (wenn ich nicht irre) den ersten Einsatz von australischen Truppen in irgendeinem Kriegseinsatz. Nun wird jedes Jahr an diesem Tag dem Einsatz der tapferen Recken gedacht, die im Angesicht des Bösen (das sind üblicherweise wir Deutsche) Freiheit, Liebe und Sonnenschein verteidigt haben – und dabei auch Verluste erlitten. Mittlerweile wird zu diesem Anlass gleich allen Soldaten gedacht, die jemals im Dienste ihrer Majestät standen, wenngleich auch die Einsätze der letzten Kriege (a.k.a. Vietnam, Afghanistan, Irak) mehr auf den schlechten Einfluss des besten Freundes (*hust* USA *hust*) zurückzuführen sind. In der Praxis bedeutet dieses Gedenken jetzt nicht nur, dass eben feiertagsmäßig alles außer Supermärkten und Tankstellen mehr oder weniger dicht ist, sondern auch, dass landauf landab die Soldaten in ihren schnieken Uniformen gedenkmarschieren und –posieren; was wir auch live auf Facebook u.a. dank unserer Darwiner Luftjungs mitbekamen; und sich dann das gesamte Land hinterher kollektiv im Pub erinnert einen wegtrinkt. Nur wir nicht, denn wir konnten in Kununurra ja keinen offenen Bottleshop finden, um den dazu notwendigen Alkohol zu erwerben. Inwieweit jetzt meine Diskussionen um Soldatengedenken in letzter Zeit aussahen, möchte ich jetzt gar nicht weiter erörtern, aber sagen wir mal so: Die Siegermächte haben halt doch irgendwie nen anderen Ansatz als wir das vielleicht gewohnt sind.

Zum Themenwechsel eine lustige Echse auf der Straße.

Zum Themenwechsel eine lustige Echse auf der Straße.

Soviel soll dann aber heute zur australischen Kultur auch erstmal reichen, widmen wir uns wieder den Naturschönheiten, denen wir als Nächstes begegnen sollten. Nach einer Übernachtung entlang des Highways und dem erneuten Ausfall eines Programmpunkts wegen ist-nicht (diesmal: Bungle Bungles, wegen Anreiseweg von 70km entlang allradbenötigender Dirttracks) erreichten wir letzten Freitag dann Fitzroy Crossing, von wo man in den Geikie Gorge National Park kommt, den wir natürlich auch auf unserer Liste hatten. Dort ging es dann mal wieder anderthalb Stunden bei hochsommerlichen Temperaturen hin- und herlaufen, diesmal mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad: Sandboden. Man fühlte sich wie ein Beachvolleyballer nach dem Olympiafinale. Also, körperlich jetzt. Doch auch dieses Mal sollte die Mühe mit unberührter Natur belohnt werden, zumal wir auf der Strecke komplett allein waren, nachdem wir erstmal ein paar Meter vom Parkplatz entfernt waren.

Geikie Gorge wasserstandsanzeige

Geikie Gorge Wasserstandsanzeige

Und jetzt alle zusammen: "Oooooooh!"

Und jetzt alle zusammen: „Oooooooh!“

Kamera 1 in Position

Kamera 1 in Position

...ein bisschen Feenwald entlang des Weges

…ein bisschen Feenwald entlang des Weges

Abends ging es dann noch ein Stück weiter Richtung Westen, bevor wir wieder an einem Highwaystop rasteten. Der nächste Tag war eigentlich dazu angedacht, ihn entspannt in Derby und ein bisschen auf der Gibb River Road rumfahrend zu verbringen, aber Derby, gleichwohl Heimat von Bradley, war doch eher unspektakulär und die Gibb River Road, also zumindest der geteerte Teil davon, den wir uns betrachten wollten, wurde uns vom Touristenzentrum ausgeredet, weil man da eh nichts zu sehen bekommt (für den spektakulären Part der Strecke braucht man mal wieder Allrad, aber vieles davon war eh noch nicht wieder für den Verkehr freigegeben).

Da hätte man abbiegen können...

Da hätte man abbiegen können…

Dieses schicke Boot in Derby ist "for sale", zuschlagen!

Dieses schicke Boot in Derby ist „for sale“, zuschlagen!

Ein kleiner Baum entlang des Weges.

Ein kleiner Baum entlang des Weges.

Najut, also wieder zurück zum Highway nach Broome, von wo aus wir uns entschieden, einfach gleich an dem Tag doch noch dort reinzufahren. Unser erster Tagesordnungspunkt dort, Tourenplanungen in der Touristeninfo, fiel jedoch auch aus, weil die Damen und Herren gedachten, statt der ansonsten üblichen Feierabendzeit von 16:00 Uhr doch ausnahmsweise mal eine Dreiviertelstunde früher abzutreten. Gut, dass wir uns beeilt hatten um recht früh, etwa 15:25 Uhr, in Broome einzureiten… Najut, das wurde vertagt und wir machten uns auf dem Weg zum Cable Beach Caravan Park, von dem man hier und da Gutes gehört hatte, was der sich allerdings mit klingender Münze bezahlen ließ. $38 ärmer hatten wir dann aber ein Zuhause für die Nacht und konnten erstmal ausgiebig Ladegeräte auslasten und den schicken Pool nutzen. Für den Abend standen dann verschiedene Programmpunkte zur Auswahl, aber aufgrund des Programmangebots setzte sich dann das Sun Pictures Cinema durch, ein niedliches altes Kino mitten in der Innenstadt, wo man im Freien guckt und das sich deswegen das „oldest running picture garden of the world“ draußen dran geschrieben hat. Man hat die Wahl zwischen Sitzen unterm Sternenhimmel oder weiter hinten unterm Vordach, die Leinwand selbst befindet sich auch unter freiem Himmel. Wir entschieden uns für die erste Reihe, wo wir in Liegestühlen eine aktuelle Hollywoodgroßproduktion (Ironman 3, was uns in die Bredouille bringt, Ironman 1 und 2 sehen zu müssen, zumindest die Avengers hab ich schon im Flieger auf dem Herweg konsumiert) und somit Jonathans Reiseplanungspunkt genossen, der mit seiner Auswahl den viel zu seltenen Kinobesuchen im Urlaub entgegenwirken wollte. Und ich hab damit dann auch schon mal lange vor euch meine ganz private Filmnächtesaison eröffnet.

Liegestühle, ganz großes Kino (im Wortsinne!)

Liegestühle, ganz großes Kino (im Wortsinne!)

Originalbeleuchtung, nehm ich mal an.

Originalbeleuchtung, nehm ich mal an.

Der Abend war also wunderbar, aber unsere Sparfüchse meldeten sich und merkten an, dass ein Caravan Park in der Nähe des Cable Beach ja ganz nett sei, man doch aber sicher irgendwo etwas günstiger unterkommen konnte –und so verließen wir am Sonntagmorgen den herzeigbaren Platz und fuhren zu einem anderen Caravanpark in Broome, der laut Internetwerbung für immerhin $8 weniger pro Nacht zu haben sein sollte, und wo wir uns zwei Nächte einzufanden gedachten. Die Ersparnis wurde allerdings vor Ort teuer bezahlt, denn die Ausstattung und Freundlichkeit des Servicepersonals ließ dann doch arg zu wünschen übrig… Immerhin hatten wir es auf dem Weg zur neuen Heimstatt geschafft, die Touri-Info aufzusuchen, wo Katja problemlos ihre Kameltour für den nächsten Tag buchen konnte und mir offenbart wurde, dass auch die hiesigen Aborigine-Kultur-Touren (laut Internet ab April im Programm) nicht verfügbar seien. Also, ich könnte eine buchen, allerdings in Cape Leveque, circa 200km Allradstrecke entfernt, mehrere Tage für hastenichgesehenhundert Dollar. Öhm (kurzer Blick ins Portemonnaie) nein?

Solcherart mal wieder ums Geldausgeben gebracht (menno, ich will aber!) tat ich dann das Nächstliegende: Ich investierte in Schmuck (wie mancher auf Facebook eventuell schon mitbekommen hat). Zum Einen auf dem Touristen empfohlenen Markt, wo allerlei Kunsttreibende ihre alternativen Güter anpriesen (von original Thaimassagen über Dufttherapiekerzen zu Hippiekartoffelsackkleidchen), wo zwischendrin ein kleiner Tisch stand, an dem ein recht normal aussehendes Mädchen selbstgemachte Armbänder und passende Ohrringe verkaufte. Die waren so hübsch, dass es eine Weile dauerte, bis ich mich denn nun endlich für ein Armband entschieden hatte, zu dem glücklicherweise keine passenden Ohrringe vorhanden waren, was dem Versuch des Zurückhaltens doch ein bisschen entgegen kam. Zum Anderen in dem Perlenschmuckladen direkt neben der Touristeninformation, und dort vor allem aus einem Grund: Man ist in Broome, da muss man Perlen kaufen. Das ist wie Coober Pey mit seinen Opalen. Mit kamen für den sensationellen Preis von $22 ein Paar (gezüchtete Frischwasser-)Perlenohrstecker in Nichtweiß für meinereiner, sowie zwei Paar Ohrringe als Mitbringsel (davon eines für Mutti, als hätte ich geahnt, dass sie abends beim telefonieren und vom Perlenohrringen erzählen sich auch welche wünscht). Es sollte später noch eins dazukommen, auch als Mitbringsel. Weil ich so lieb bin. So wird man auch Geld los.

Ich bin eine Elster.

Ich bin eine Elster.

Der Rest des Tages verlief dann zum Glück etwas kostengünstiger, zum einen am Cable Beach (einer der schönsten Strände der Welt, behaupten die Australier, kann man so stehen lassen), an dem wir Sonnenschein und türkisblaues Wasser genossen. Weil wir können.

Besteht doch mehr aus Muscheln und Sand als aus Kabeln. Höhö.

Besteht doch mehr aus Muscheln und Sand als aus Kabeln. Höhö.

Posen kann ich auch ein bisschen.

Posen kann ich auch ein bisschen.

Nochmal von oben.

Nochmal von oben.

Abends gab es dann noch, man sollte es nicht glauben, dass ich irgendwann mal zum richtigen Zeitpunkt irgendwo bin, die Staircase to the Moon, frei auf deutsch Treppe zum Mond. Touristisch voll ausgeschlachtet (mit quasi identischem Kunstmarktanbietern vom Nachmittag und Firlefanzverkäufern umgeben) kann man an der einen Bucht, an der Broome sich ja nun befindet, einen spektakulären Vollmondaufgang beobachten, der, aufgrund des ebbebedingten Flachwassers, solche Lichtreflexe wirft, das es aussieht, als wäre dort eine Treppe zum Mond hinauf. Wenn man daran denkt, das gute Fotoequipment mitzunehmen (Tele, Stativ, und solche Nichtigkeiten, die ich, clever wie ich bin, dachte nicht zu benötigen), kann das so aussehen. Bei mir sieht es immerhin so aus.

Immerhin hab ich ganz viel genossen, statt nur wie blöde mit der Kamera rumzuknippsen. *hust*

Immerhin hab ich ganz viel genossen, statt nur wie blöde mit der Kamera rumzuknippsen. *hust*

Weiter mit dem vollen Programm ging es am nächsten Tag – also, wenn man Strandtag als Programmpunkt definiert. Ordentlich brutzeln ließen wir uns, bei strahlendem Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen, hüpften alle naselang mal ins angenehme Nass und ich fing an mich fürs Muschelnsammeln zu interessieren. Am Nachmittag ging es dann den Strand weiter entlang zum Treffpunkt, wo die Kameltouren starten, die Katja sich ja am Vortag gebucht hatte, und so fanden wir uns am Tourisammelpunkt ein, an dem auch schon zwei Truppen Kamele standen.

Ich sollte in die Kamelportraitfotografie einsteigen...

Ich sollte in die Kamelportraitfotografie einsteigen…

Kamele sind ja bekanntermaßen ein typisch australisches Tier, das weiß ja jedes Kind, nicht wahr? Ihr nicht? Nunja, als die Afghanen, die mit ihren Kamelen (Art Dromedar) die Versorgung beim Eisenbahnschienenbau quer durchs Land sichergestellt hatten, dank der Fertigstellung ebenjener Eisenbahn mehr oder weniger arbeitslos wurden, hatte man die Kamele der Einfachheit halber gleich in die Freiheit entlassen (der interessierte Leser weiß schon was kommt). Die gutmütigen Wüstenschiffe nahmen ihnen das gar nicht mal übel, zumal ihnen die Landschaft auch so gefiel, dass sie sich wie die Kaninchen vermehrten (der Vergleich passt hier grad wirklich wunderbar, und zwar auf mehreren Ebenen), was dazu führte, dass Australien eine der größten wilden Kamelpopulationen der Welt sein Eigen nennen kann. Mittlerweile sind es so viele und die damit einhergehenden Schäden an heimischer Flora und Fauna so beträchtlich, dass die Kamele tot oder lebendig eingefangen werden und so oder so nach Saudi-Arabien und andere interessierte nahöstliche Länder exportiert werden. Dort herrscht offensichtlich Kamelmangel.

In Broome gibt es keine wilden Kamele – also wir haben zumindest keine gesehen – aber immerhin drei Tourenanbieter können davon leben, dass sie die Touristenscharen auf ihre domestizierten Exemplare drauf setzen und am Strand hin und her führen. Das sollte auch Katja jetzt erleben und mit mir hatte sie sogar ihre persönliche Fotografin vor Ort, um das alles für die Nachwelt festzuhalten. Ich trottete also der Schar an Kamelen hinterher, um den perfekten Moment abzulichten (oder auch hunderte davon), während Katja von oben die Aussicht, die Sonne und das Leben an sich genoss. Das ganze hatte etwas von 1001 Nacht, und Katja war die Prinzessin (den Spitznamen wird sie seit Darwin auch nicht mehr los).

Kamel (links), Katja

Kamel (links), Katja

Na, ist das nicht was Feines?

Na, ist das nicht was Feines?

Aber immer schön an der Leine!

Aber immer schön an der Leine!

Glückselig nach ihrem Ausritt, den sie sogar auf dem ersten Kamel quasi anführen durfte, bestand die einzige weitere Aufgabe des Tages im Abkühlen von der Strandsonne, was wir, als wir dann irgendwann einen offenen Bottleshop gefunden hatten, ganz aristokratisch mit dem entsprechenden Alkoholverzehr auf dem Campingplatz kombinierten.

Der Dienstag fing dann, nachwirkungsbedingt, etwas langsamer an, sollte uns aber auch erstmal wieder gen Küste führen, diesmal allerdings zuerst zum Gantheaume Point, der spitzen Landzunge quasi am Ende Broomes, wo Australien in den Indik fällt. Dort gibt es einen Leuchtturm, der jetzt eher nicht als eigenständige Attraktion gelten kann, sowie eine atemberaubende Aussicht auf schroffe, sand-rot-braune Küstenlinie vor türkisblauem Meer. Ein Traum.

Mir hat sich immer noch nicht der Begriiff "roter Kontinent" erschlossen...

Mir hat sich immer noch nicht der Begriiff „roter Kontinent“ erschlossen…

Gantheaume Point.

Gantheaume Point.

Ich hab schon schickere Leuchttürme gesehen...

Ich hab schon schickere Leuchttürme gesehen…

Dort ein wenig rumgeturnt sollte es dann aber doch noch mal zum Cable Beach gehen, wo wir uns fix abkühlten, bevor wir uns erneut den organisatorischen Dingen des Alltags widmeten: Post, Bank, Supermarkt, Tankstelle. Als wir das alles (und noch viel mehr!) abgehakt hatten, schwangen wir uns am frühen Nachmittag wieder ins sauna-artige Auto und fuhren weiter, Richtung Port Hedland.

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