Zuckerrohrland und Regenwald

Die Zeit verfliegt! Nur noch 75 Tage bis zum Rückflug und aus nicht weiter nachvollziehbaren Gründen will ich in der Zeit quasi noch einmal eine fast komplette Runde rumrutschen um dieses Australien. Ist ja nicht so groß. Immerhin eine weitere Etappe habe ich dann seit meiner Abreise letzten Mittwoch schon wieder hinter mich gebracht und bin jetzt seit vorgestern in Cairns. Eigentlich wollte ich mir ja jetzt auch Zeit lassen, aber irgendwie hats doch nur ne Woche für die gut 1700km von Brisbane gebraucht. Die jetzt alle in diesen Blogeintrag gequetscht werden.

Die Strecke nahm ich mir erst mal wieder alleine vor, nachdem ich in Brisbane im Hostel auch erstmal wieder genug Backpackerklima geschnüffelt hatte. Laut und mit Bar, und alle viel zu jung und Schema F der Reisetourenveranstalter folgend (teures Inselhopping mit spannenden Allradfahrten in kleinen Gruppen, echt super individuell, aber hey, da spricht der Neid, ich muss bei meinen Touren mittlerweile nämlich arg prioritisieren, und da gewann am Ende halt doch das Great Barrier Reef).

Richtung Norden sollte es entlang des Küstenhighways Nummero 1 gehen, der aber meistens gar nicht in Sichtweite der Küste langfährt. Auf der ersten Etappe verließ ich den Highway sogar nochmals in landesinnere Richtung um zum Australia Zoo zu kommen, eine der Vorzeigeattraktionen in und um Brisbane, welche die liebe Fine subtil im Reiseführer angestrichen hatte. Der Zoo beeindruckt durch einen großen Parkplatz und Bilder von Steve Irwin (dem „Crocodile Hunter“) überall, mehr kann ich dazu dann aber leider auch nicht zu Protokoll geben, denn eine ausgiebige Diskussion meines Selbst mit meinem Konto, der anstehenden Reiseplanung und zu erwartenden Attraktionen angesichts dieser Preisgestaltung lies mich dann doch mal ganz knauserig wieder weiterfahren.

Preisgestaltung, Australian style.

Preisgestaltung, Australian style.

Das ist jetzt natürlich eine Schande, liebe Fine, die mir auch sehr leid tut – aber irgendwie konnte ich mich nicht motivieren, 60$ für einen Zoobesuch herauszuscheffeln. Zumal, kaum dass ich weiterfuhr auch ein ordentlich hässlich kalter Regenguss herunterkam, brrrr. Ich beruhigte mich damit, dass ich eventuell gute Chancen hätte, an meinem Programmpunkt für den nächsten Tag, einige Bestechungsfotos zu bekommen, die dich sicher auch sehr erfreut hätten, aber das sollte leider auch nicht funktionieren. Laut Reiseführer sollte man in Bundaberg von irgendwann bis März jeden Jahres für laue $10 eine Nachtführung mit Nationalparkguides am Strand bekommen, bei der man kleine niedliche Schildkröten nach der Schlüpfung aus dem Strandsand heraus ins Meer krabbeln sehen kann – das hörte sich total toll an! Angekommen bekam ich in der Touristeninfo dann leider mitgeteilt, dass nicht nur eigentlich diese Touren immer zum 24.3. aufhören (ich traf am 28.3. ein), nein, aufgrund diverser Ereignisse, die Bundaberg in den letzten Monaten immer in die Katastrophennachrichten brachte, wurde dieses Jahr die Saison schon im Februar eingestellt. Also keine Babyschildkröten. Menno.

Ich tat also das nächstbeste und widmete mich in meiner Frustration dem Alkohol. Also, im allgemeinen Sinne. Bundaberg, mitten im Queenslander Zuckerrohrgürtel gelegen, hat vor allem zwei Reputationen: Im Hostel und unterwegs bekam ich hin und wieder das Wort „Backpackerhölle“ zu hören, ein Ort, an den man verschwindet, um dort nach Monaten der harten Fruitpickingarbeit dreckig und fertig wieder rauszukriechen oder wegen mangelnder Arbeitsgelegenheit frustriert und noch ärmer weiterzuziehen. Mir als ehemaliger australischer Pubarbeitskraft war Bundaberg eher als Rumproduzent ein Begriff. Die geostrategisch günstige Lage zum Zuckerrohstoff hatte natürlich die einzig wahre Konsequenz: Lass uns Alkohol daraus machen. Und so gibt es die Bundaberg Distillery, die im Jahr 6 Millionen Liter Rum produzieren und damit angeblich über die Hälfte des australischen Rumbedarfs abdecken. Das Logo des Bundi-Rums ist ein Eisbär, was ja ein typisch australisches Tier ist.

Zuckerrohrfeld.

Zuckerrohrfeld.

Alter Rum.

Alter Rum.

Die Distillery, vermutlich noch original aus Gründertagen.

Die Distillery, vermutlich noch original aus Gründertagen.

Wohlwissend, dass in gewissen Kreisen in Nyabing ein Bundaberg eine wohl geschätzte Flüssigkeit darstellt, konferierte ich kurz mit Julie (Rundle), ob sie denn irgendwelchen Spezialbedürfnisse verspürte – der Standarddrink im Hause Nyabing Inn heißt schließlich nicht grundlos Rundi-Bundi (Dose Diet Coke, Schwapp Cola rauskippen, zwei Shots Rum rein). Und ja, die limitierten Editionen, die es nur im Fabrikverkauf (zu keinen Fabriksverkaufspreisen) gab, waren begehrt, weswegen ich jetzt zwei Flaschen Rum im Wert von $95 mit mir rumfahre – und wenn sie heil in Western Australia ankommen, bekomm ich das Geld sogar wieder.

Eine der Spezialeditionen, mit $60 wirklich etwas hochpreisig angesetzt, steht im Bezug zur kürzlich stattgefundenen Flutkatastrophe, die Bundaberg jetzt zum zweiten Mal in gut zwei Jahren erwischt hat und Gelder aus dem Verkauf werden an die Betroffenen gespendet. Betroffene bekommen außerdem eine gratis Flasche Bundaberg, ein gutgemeintes Benefizprojekt, das ich gerne mit den Worten „Sauf dir deine Probleme weg“ umschreiben möchte. Ich, zynisch? Niemals.

Aber hey, mal wieder die Gelegenheit zum Katastrophentourismus. Ich fuhr also nach Nord Bundaberg und fand dort einen Caravanpark am Fluss, wo man noch die Folgen der Flut erkennen konnte. In der Innenstadt war ein Einkaufszentrum deswegen geschlossen, aber ansonsten war da eigentlich nicht viel zu erkennen. Und auch um den Caravanpark herum war es schon recht aufgeräumt, da sind sie doch recht fix. (Mittlerweile vermutlich auch einfach gut eingespielt.)

Der Schutt noch nicht weg, aber das Gras ist schon wieder grün.

Der Schutt noch nicht weg, aber das Gras ist schon wieder grün.

Ich stiefelte da also mit meiner Kamera rum und wurde dann von einem älteren Herrn angesprochen, der offensichtlich recht fix erkannte, dass er hier Typ Tourist auf Katastrophenfototour vor sich hatte. Charlie erzählte mir ein bisschen was über das Flutereignis, lustige Geschichten mit Bildern von seinem Haus, Nachbarn, die vom Helikopter gerettet werden mussten, und Evakuationscampen und lud mich zu einem Bierchen ein. Typisch australische Gastfreundschaft, so wie man sie von aller Orten berichtet bekommt. Im Hinblick auf meine eigentlich anstehende Weiterfahrt lud er mich ein, einfach das Auto auf seinem Grundstück zu parken und somit einen gratis legalen innerstädtischen Campingplatz zu haben. Er führte mich auch durch sein Haus und zeigte mir, wie hoch das Wasser stand, aber auch da war schon fast alles an direkt beseitigbaren Spätfolgen beseitigt, die größeren standen freilich noch an (Stromkabel neu verlegen, Risse in den Wänden…). Und dann servierte er mir noch Abendbrot mit frisch gefangenen Shrimps, die ich bei der Gelegenheit auch mal zu verspeisen lernte. Ein soweit sehr unterhaltsamer Abend, der gegen Ende und zunehmende Bierschwangerheit dann doch noch ins Merkwürdige abdriftete, als der gute Mann dann anfing, Eheprobleme mit mir zu beschwatzen und die damit einhergehenden Probleme… Ähm, Hilfe… da bin ich doch der total falsche Ansprechpartner für. Als das Thema dann auch einigermaßen abgehakt war, schmiss ich mich dann ins Autobett, bevor es am nächsten Morgen dann wieder auf die Straße machte.

Irgendwie nicht weiter von den Orten am Wegesrand angemacht (der Reiseführer machte absichtlich manchmal keinen Appetit daraus und empfahl einige nur als „Ausgangspunkt wenn man zur Insel XY übersetzen möchte“) und unterwegs mehr unbemerkterweise den steinbockschen Wendekreis passierend, freute ich mich auf das, was da nach einem weiteren Tag Fahrt kommen sollte, Eungella!

Eungella, das hat die liebe Anna mir auf den Weg gegeben, muss etwas Spannendes zum Herzeigen bieten. Und meine Aufgabe war es, dass zu herauszufinden. Tja, liebe Anna, ich kann dir nun berichten, dass Eungella ein kleines Kaff mitten in den Bergen ist, mit einem General Store und sonst nicht viel.

General Store

General Store

Nicht viel

Nicht viel

... aber immerhin diese Aussicht.

… aber immerhin diese Aussicht.

 

Viel wichtiger als der Ort ist jedoch der Nationalpark gleichen Namens, der sich um den kleinen Ort erstreckt. Und der die wohl einzige, quasi garantiebare Gelegenheit bietet, Schnabeltiere in der freien Wildbahn zu beobachten. Das ist natürlich ganz nach meinem Geschmack, insbesondere, da ich Schnabeltiere bisher noch gar nicht zu Gesicht bekommen habe, auch nicht im Wildlife Park (im Australia Zoo hätts vielleicht…), und die mir auf meiner australischen Tiersichtungsliste also noch unbedingt gefehlt haben. Etwas skeptisch ob meiner Chancen was Tiersichtungen angeht (siehe Schildkrötenthematik oben) versuchte ich meiner Erwartungen runterzuhalten, aber als ich dann am Aussichtspunkt ankam, da standen schon ein gutes Dutzend vorrangig Australier und deuteten mit Fingern und Kameras auf ein kleines, nicht gerade stromlinienförmiges , braunes Tierchen im Wasser: Ein Platypus.

Ein Platypus.

Ein Platypus.

Noch ein Platypus.

Noch ein Platypus.

Schildkröten.

Schildkröten.

Die etwa zwei Stunden, die ich mit dem Beobachten der glaub zwei oder drei Tiere verbrachte, waren sehr unterhaltsam, auch weil denen ihr Schwimmen irgendwie nur wie Hundepaddeln aussieht, sie aber trotzdem recht fix von A nach B bringt (und das Untertauchen kommt auch sehr elegant). Die Zeit verging wie im Fluge und ich konnte nebenbei, wenn grad mal Unterwasserfresszeit angesagt war, zumindest auch ein paar Bilder von erwachsenen Schildkröten machen. Und große Fische gab es auch.

Die Nacht verbrachte ich im nationalparkeigenen Campingplatz (die üblichen $5 pro Person musste man online bei der Reservierung bezahlen – gut, dass es im Nationalpark kein Internetempfang gab, also noch mal kurz zurück nach Eungella Ortsmitte) bevor ich mir am nächste Tag in einer kurzen Rundwanderung den hiesigen Regenwald ansah, der ja auch ohne die Schnabeltiere schon sehr schön und beeindruckend ist. Dort gelang es mir dank Teleobjektiv zwar auch einen australishen Wildtruthahn abzulichten, nicht jedoch diesen Schmetterling oder diesen Goanna scharf aufs Bild zu bekommen.

Da vorne läuft das Abendessen...

Da vorne läuft das Abendessen…

Lustige Astkonstruktionen am Wegesrand

Lustige Astkonstruktionen am Wegesrand

Regenwald.

Regenwald.

Ich hoffe, liebe Anna, dass diese Art der Tagesbeschäftigung durchaus das Prädikat „spannend“ bekommt, ich fand das auf jeden Fall!

Solcherart aber auch wieder in den Bergen die Zeit vertrieben gedachte ich dann mal daran, auch wieder die Strände Queenslands in Beschlag zu nehmen und fand tatsächlich einen gratis Campingplatz direkt am Strand, wo ich die nächsten zwei Nächte übernachtete und erstmal nichts machte außer Buch lesen, Essen kochen und konsumieren, noch mehr Buch lesen und bei Dunkelheit Mückenmassaker zu veranstalten. Scheißviecher. Das ganze begleitet von einem Tag Sonnenschein und dem lokalen Campingplatzhund, der sich offensichtlich damit die Zeit vertreibt, mit den immer neuen Campern zu spielen.

Stand am Wegesrand

Stand am Wegesrand

Schnell, nennen sie zwei Gründe, hier nicht ins Wasser zu gehen!

Schnell, nennen sie zwei Gründe, hier nicht ins Wasser zu gehen!

Campingplatzstrand

Campingplatzstrand

Ein Local behauptete sein Name wär Barbecue.

Ein Local behauptete sein Name wär Barbecue.

Nach anderthalb Tagen des Nichtstuns (am zweiten Morgen hatte es ordentlich geregnet, wirklich Strandlaune kam da auch nicht auf, aber gut, dass ich den Abend vorher mein Handtuch noch draußen ans Auto gehängt hatte…) erreichte ich nach einem halbe Tag Fahrt dann den nächsten anberaumten größeren Zwischenstopp: Cairns, dem Ausgangspunkt für den langen Ritt gen Westen und, natürlich, einen Ausflug zum Great Barrier Reef.

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3 Kommentare zu “Zuckerrohrland und Regenwald

  1. Juhu! 😀
    Regenwald und australische Tiere sind natürlich spannend!
    (Und in einem kleinen Kaff in den Bergen war ich auch gerade passenderweise ;-))

  2. Das du nicht wirklich in den teuersten Zoo der Welt hineingehst, war uns doch schon an der Elbe klar, oder? Aber da du dir trotzdem die Mühe gemacht hast, zum Zoo hinzufahren, hast du meine Aufgabe geschafft, hab ich beschlossen! 😉 Schildkröten gucken wäre sowieso viel besser gewesen! Schade, dass das nicht geklappt hat.

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