Der Weg nach Brisbane ist lang (Teil 1)

… und weit. Und streckenweise ganz schön empfangsbefreit. Aber hey, ich lebe noch, ich bin nicht irgendwelchen mordenden Känguruhorden zum Opfer gefallen oder versehentlich auf eines der vielzähligen kleinst-tödlichen Tiere draufgetreten. Juhu! Ich hab aber ob der Reisedauer also mal wieder die Möglichkeit, ganz viel in einen einzigen Blogeintrag zu pressen, und ich werd diesmal auch gar nicht mal mehr so tun, als würde ich mich kurz fassen – artet ja dann doch eh immer aus. Eventuell werd ich allerdings dann doch nicht alles heute schaffen, denn ein bisschen müde bin ich schon…

Fangen wir also an mit dem ganzen Kram, den ich in Adelaide noch gemacht hab vor meiner Abreise. Zum Einen hab ich dank ausdauerndem Internetanzeigenschreiben einen Mitfahrer für die Reise gefunden, Tillmann, man ahnt es schon, ein gerade der Schule entschlüpfter Deutscher. Haben die Franzosen und Amerikaner und Iren und Skandinavier vielleicht noch nichts von dem Konzept Mitfahrgelegenheit gehört? Angeblich sollen es ja gar nicht mal mehr Deutsche als Briten jedes Jahr nach Australien schaffen, aber meint ihr, man trifft irgendwo Briten an? Wie kommen die in die Statistik? Egal. Tillmann und ich trafen uns am Mittwoch in Adelaide um mal grob ein Kennenlernen zu veranstalten und einige Pläne ob der Fahrt (Abreise, Dauer, Umwege) abzusprechen. Zwischendrin wurden wir dann von einem schwarzen Schwan etwas belästigt – die können ganz schön bedrohlich wirken, wenn man gemütlich im Gras rumlungert! Da Tillmann nur bis zum Wochenende im Hostel eingebucht war, ich aber das Wochenende noch im Hause Dan/James verbringen wollte, fragte ich bei letzteren an, und natürlich durfte Tillmann die letzten zwei Nächte ebenfalls in der Bude verbringen.

Bis dahin musste ich allerdings meine kurzfristigen Pläne noch etwas umstellen. Leanne konnte nicht mit zur Yorke Peninsula, und alleine hatte ich nur wenig Motivation zu fahren, weswegen ich dann die Tage in Adelaide verbrachte, unter anderem mit einem Besuch im South Australian Museum, welches ich jetzt hier offiziell zu meinem neuen Lieblingsmuseum deklariere, auch wenn es vielleicht nicht das Größte ever ist – und ja, ich bin auch weiterhin Anhänger vom British History Museum und dem Natural History Museum. Es war jedoch die Gestaltung und Auslegung des Adelaider Museums, die mir sehr gut gefallen hat (mir fallen spontan mindestens drei Leute ein, welche die Bedeutung einer anständigen Museumsgestaltung bestätigen können – oder Meli? Mama, Papa?) und mir so einen wunderbaren Tag bescherte. Bemerkenswert ist das Museum vor allem für seine Ausstellungen zur Kultur der Eingeborenen, sowohl Australiens, von denen sie wohl die meisten Exponate aller Museen weltweit aufweisen können, sowie der Australien umgebenden Südsee, ebenfalls zumindest die größte Exponatesammlung in Australien. Wie viel sie davon haben, wird einem insbesondere in den Ausstellungsräumen der Südseekulturen vor Augen geführt: So vielfältig und umfassend ist der Bestand an Alltagsgegenständen wie Speeren zum Fischen oder Kriegszubehör wie Pfeile und Schilde, dass diese als großflächige Hintergrunddekoration die etwas selteneren Ausstellungsstücke davor umgeben. Beeindruckend.

Modellhaus, 1:3

Modellhaus, 1:3

Alles gibt's da.

Alles gibt’s da.

Das sind keine Totenköpfe. (Die waren ein paar Schränke weiter.)

Das sind keine Totenköpfe. (Die waren ein paar Schränke weiter.)

Nach etwa zwei Stunden in dieser großen Ausstellungshalle war dann aber auch bei mir erstmal ein Sättigungsgefühl zu verspüren, der Kopf schwirrte ob der ganzen Eindrücke und der schieren Masse an visuellen Informationen. Ich ruhte mich also erstmal aus, bevor ich mich aufmachte in die im kompletten Gegensatz dazu gestaltete Aborigine-Ausstellung. Diese bot zwar auch eine Vielzahl an vergleichbaren Gegenständen, zumeist nach Herkunftsregion aufgeteilt, um einen Vergleich der unterschiedlichen Entwicklungen möglich zu machen, aber ansonsten klar und zurückhaltend strukturiert und mit vielen Videoeinbindungen, in denen Aborigines bestimmte Themen erklären und Dokumentationen gezeigt warden – mein Lieblingsspielzeug in diesem Bereich war allerdings ein Computer (jaja, abhängig) mit Zugriff auf eine Vielzahl an Dokumenten, Fotos, Videos, die das Alltagsleben der Aborigines erklären, jeweils aufgeteilt nach Themenbereich, wie Medizin, das Anfertigen von Behältnissen, Seilen, Boomerangs, Unterkünfte, oder geographischer Region.

Boomerangs in allen Größen und Farben!

Boomerangs in allen Größen und Farben!

Partyhüte!

Partyhüte!

Einkaufstaschen!

Einkaufstaschen!

Und damit noch lange nicht genug! Denn jetzt, frei nach der thematischen “Wir-zeigen-alles”-Mentalität australischer Museen ging es dann weiter in die naturwissenschaftliche Abteilung, zunächst in die Abteilung der australischen Fauna. Auch hier wieder ein visuelles Fest: Statt jedes Tierexemplar für sich, oder gruppiert nach biologischer Familie, Gattung, Art zu präsentieren, hat man sich dafür entschieden, die Tiere in ihren jeweiligen Ökosystemen Südaustraliens zusammenzustellen, also in Displays zu Outback, Küste, Berg oder Hinterhof, Tag und Nacht. Und die Kinder waren angeregt, alle Tiere in den jeweiligen Displays zu finden, also war es durchaus auch eine auf sie abgestimmte Präsentationsart.

Einfacher Biologie-Test: Welches Känguru ist das Männchen?

Einfacher Biologie-Test: Welches Känguru ist das Männchen?

Adler beim Mittag.

Adler beim Mittag.

Känguruhs und Schlangen in trauter Zweisamkeit.

Känguruhs und Schlangen in trauter Zweisamkeit.

Ergänzt wurden die Dioramen durch Schubladen, in denen man dann auch Morbideres wie heimische Insekten in Glasfläschchen, entdecken konnte, und andere zusätzliche Detailinformationen zum allgemeinen australischen Tierleben.

Ich starte mal ein Ratespiel: Wie viele Parasiten sind in diesem Glas?

Ich starte mal ein Ratespiel: Wie viele Parasiten sind in diesem Glas?

Das ist die Papageienschublade.

Das ist die Papageienschublade.

Weiter ging es dann in die Lieblingsecke aller Geologen: Der Mineraliensammlung, was dann auch alles war, was ich geschafft hab, bevor das Museum die Pforten schloss (typisch australisch wird 17 Uhr alles dicht gemacht). Ein Teil davon galt einem bekannten australischen Geologen, der sich gern gen Antarktis aufmachte – Grund genug, eine kleine Eiswand mitten ins Museum zu stellen, damit man auch bei plus30° Außentemperatur mal fühlen kann, was kalt ist. Dazu gab es eine Fotoausstellung zu seinem Leben, einen Nachbau einer arktischen  Forschungshütte von anno dazumals und einigen, vom Professor höchstselbst geschlagenen Steinen (ich glaub plus den dazugehörigen originalen Hammer). Sehr interessant, aber natürlich war ich nur wegen der Glitzersteine da. Naja. Bis ich den Bereich radioaktives Material fand, wo man nicht nu rein paar radioaktive Steinchen ausstellte, sondern auch eine Nebelkammer der interessierten Öffentlichkeit anbot.

Bunte Steinchen!

Bunte Steinchen!

Nebelkammer.

Nebelkammer.

Das ist ja gar nicht gefährlich. Langweilig!

Das ist ja gar nicht gefährlich. Langweilig!

Und dann war da noch die Fossilienabteilung, und die war dann wirklich atemberaubend. Erinnert ihr euch an Coober Pedy? Die opalisierten Muscheln? Das South Australian Museum hat davon nicht nur eine ganze Strandbodenplatte voll, nein, hier gibt es gleich mal opalisierte Dinosaurierskelette. Wow.

Supermegapotenziertwertvoll.

Supermegapotenziertwertvoll.

Rückgrat.

Rückgrat.

Solcherart dann auch mal wieder geistig geflasht (meine Begeisterung für das Museum wurde jetzt von den anderen nicht ganz so nachvollzogen) waren die nächsten Tage dann wieder etwas entspannender, quasi nochmal Kraft tanken im Kreise der liebgewonnenen Freunde. Wobei Dan ja dann auch vor meiner Abfahrt schon Sonntag abend abreiste gen Snowboardingurlaub in Kanada (weil es geht), weswegen James, in Erwartung meiner Abreise am Tag darauf schon, konstant seine tagelange Vorfreude auf eine sturmfreie Bude mitteilte. Sei es ihm gegönnt – es war das erste Mal dieses Jahr. Aber am Sonntag waren wir noch da und fuhren folglich brav mit ihm quer durchs Land, um ihm beim Footyspiel gegen einen Hintertupfingenverein zuzuschauen. Verloren hat sein Team, so ‘ne Schande. Und da hilft auch die Verteidigung nicht, dass es nur ein “unwichtiges” Übungsspiel war. Rechtzeitig vor dem Spiel durfte ich allerdings mal wieder zum Schergerät greifen – dismal wurde James kurzgeschoren (ohne Hintenlang).

Noch fix ein Titelwettbewerb. Die beste Überschrift gewinnt!

Noch fix ein Titelwettbewerb. Die beste Überschrift gewinnt!

Ach, war dit schee mit den Beiden – und auch wenn ich schon anmerkte, dass ich die beiden vermutlich nicht noch mal wiedersehe, wurde quasi schon eingefordert, dass ich vor meiner Abreise noch einmal vorbeikomme. (Adelaide liegt ja, wie ich schon passend mein häufiges Vorbeischneien erläuterte, so praktisch zentral…) Aber erstmal war es wieder ein schweres auf Wiedersehen. Langsam nagt mir eine konstante Freundeabwesenheit auf der Reise dann doch so ein bisschen am Gemüt. Aber es muss ja noch viel angesehen werden und bevor ich euch von den zweieinhalbtausend Erlebniskilometern bis Brisbane erzähle, wie im Titel ja eigentlich versprochen (und ich hab noch nicht mal Adelaide verlassen! Das machen wir noch fix: Montag vormittag verließen Tillmann und ich James und machten uns auf gen Osten via der Route, die ich vor Silvester schon gefahren bin. Wunderbar, bin ich immerhin schon mal unterwegs.), muss ich doch jetzt ins Bett, sonst schlaf ich auf der Tastaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa

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