Zum Geburtstag ein Fringe

Bevor ich dann mal zur Geburtstagsfeiereiberichterstattung komme, noch kurz eine Anmerkung von der Fahrt dahin, denn Donald hatte sich auch einmal ein Ausflugsziel ausgesucht.

Duck Country. Das steht da wirklich.

Duck Country. Das steht da wirklich.

Ich habe ja an hiesiger Stelle bereits mehrmals meine positive Meinung, was die typisch australische Innenstadtarchitektur angeht, zum Ausdruck gebracht und muss daher zu Donald selbst nicht viel sagen. Irgendwo im victorianischen Hinterland gelegen, etwas ab vom eigentlichen Highway gen Adelaide, sind die Hauptattraktionen ein Baum, dessen parasitäre Auswucherung von einem bestimmten Blickwinkel aussieht wie ein Stierkopf, sowie die auf obigen Bild ausgewiesene Cookie Factory (mit Fabrikverkauf). Letzterer Programmpunkt war mir dann doch lieber, auch dank der freundlichen, informativen Mitarbeiterin, die einem an der offenen Tür zur Produktionshalle erklärt hat, was da grad abgeht. Und gratis Proben, und zwei Kilo bester Keksbruch für $5. Lecker.

Bei Flut kriegt der Stier auch mal zu trinken.

Bei Flut kriegt der Stier auch mal zu trinken.

Diesen Ort also ausgiebig zum Fahrtpausieren genutzt ging es wieder auf den Highway zurück gen Adelaide, die M8, die ich jedoch gern auf victorianischer Seite in MRuckelpiste und auf südaustralischer Seite in MBaustelle umbenennen möchte. Nein, man kann es mir nicht recht machen. (Wobei ich zugeben muss, dass die Baustellen vor allem deshalb nervig waren, weil die unterschiedlichen Tempoangaben einen unnötig beschleunigen und abbremsen lassen. An einer Stelle kam auf einer Strecke von einem Kilometer am angeblichen Ende einer Baustelle ein 80, dann 60, dann wieder 80 und dann doch ein 60 Schild – welches eine neue Baustelle einleitete. Jetzt kann man natürlich einfach stoisch das Beschleunigen unterlassen, wenn man das nächste Temposchild eh schon kommen sieht und man keine Aversion gegen nen 60-Tonner im eigenen Kofferraum hat. Letzteres fand ich aber auch nicht so toll.)

Kurz vorm Ziel konnte ich es dann aber auch nicht lassen und musste noch einen kurzen Abstecher in die Adelaide Hills machen. Zum ersten Mal von dieser Seite nach Adelaide reinfahrend, bot es sich einfach an, die eine Attraktion mitzunehmen, die ich bisher standhaft vermieden hatte: Hahndorf.

Der Name ist kein Fehler und von mir nicht vorübersetzt, wobei man nach wie vor die Jungs hier erfreuen kann, wenn man ihnen vom Cockvillage erzählt („as in rooster“ schiebe ich selten nach). Der kleine Ort in den malerischen Adelaide Hills ist vielmehr die erste und somit älteste nicht-britische Siedlung in Australien (nur gut, dass die Aborigines keine Siedlung in dem Sinne hatten, sonst sähen die Einwandererleistungen hier alle ganz schön alt, nee, also, jung aus) und wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von deutschen Einwanderern gegründet (Verfolgte Lutheraner – mal was Anderes), die sich ganz offensichtlich aufs Delikatessenproduzieren verstanden. Ein näherer Einblick blieb mir jedoch aufgrund der üblichen australischen Attraktionen- und Ladenöffnungszeiten bis 17 Uhr vorerst verwehrt.

Na dann.

Na dann.

Eins der wenigen Fachwerkhäuser

Eins der wenigen Fachwerkhäuser

Weiter ging es, und zwar an Adelaide vorbei, zu den Jungs, die ich in Australien immer noch am Liebsten habe. Mein „Zuhause“ in der südlichen Hemisphäre: Dan und James.

Zu Besuch hatten sie zudem eine Freundin, die Dan während seiner Europazeit kennengelernt hat: Julia aus Schweden, die sich als ein nettes, aber eher zurückgezogenes, wort- und entscheidungsarmes Mädchen herausstellte, dass zwar alleine um die ganze Welt fliegt, aber sich dann nicht traut mit dem Zug in die am einfachsten zu navigierende australische Großstadt zu fahren. Ich hab sie in den folgenden Tagen zwar immer Mal wieder angeregt, mitzukommen, wenn ich was unternehmen wollte, aber auch dann ist sie lieber schon früher nach Hause gefahren oder gleich zum Strand gefahren (ein Glück hält die Straßenbahn quasi in Sichtweite des Wassers). Dan und James waren ob dieser Reise- und Erkundungsunlust bereits ordentlich angesäuert, denn zum Zeitpunkt meiner Ankunft hatten sie das schon mehr als einen Monat mitgemacht, großes Augenrollen gab es von denen, wann immer sie irgendwelche Veranstaltungsvorschläge ausschlug. (Was mich zu der Geschichte bringt, wie ich zum ersten Mal von Julia erfahren habe: Da war ich noch mit Max zu Besuch, als Dan zum Essen an den Tisch kam und leicht überrumpelt zu Protokoll gab, dass er grad von ebenjener Freundin mitgeteilt bekommen hatte, dass sie in zwei Wochen nach Australien fliegt um bei ihm zu wohnen.) Überraschenderweise ist Julia dann auch heute schon wieder in den Flieger gen Schweden entschwunden, nachdem ein Jobangebot in der Heimat als das letzte, ausschlaggebende Argument gegen potentielles Herumreisen und Australien Kennenlernen ins Spiel gebracht wurde. Soviel dazu, aber ich wollte mein Erstaunen ob dieser Kombination aus absolut null Erkundungs- und Abenteuerbegeisterung plus übermenschlichem Heimweh zum Besten geben, denn das fällt mir wirklich schwer nachzuvollziehen – wobei ich immer noch der Überzeugung bin, dass es besser ist, es mal probiert zu haben und nicht zu mögen, als immer nur zu Hause geblieben zu sein.

Wie auch immer: Am Tag darauf wurde ich von aller Welt darauf hingewiesen, dass ich wieder ein Jahr älter bin und ich möchte mich hier und jetzt auch mal leicht verspätet bei allen bedanken, die an mich gedacht haben und mich angerufen oder -geschrieben haben. Aus den Augen ist zum Glück nicht aus dem Sinn, und ich freu mich drauf, das nächste Mal dann wieder in eurer Umgebung zu feiern! Und mein bestelltes Geburtstagsgeschenk ist heute auch endlich eingetroffen, Zeit also, den Geburtstag nochmal aufleben zu lassen und ne Flasche Pfeffi zu vernichten!

Am Feiertag selbst ließ ich es mir aber auch erstmal nicht nehmen, und tat etwas, was vorher noch nie drinne war: In knallender Sonne bei 30°C am Strand liegen und lesen (passenderweise Alex Garland’s The Beach). Die Jungs ließen sich auch nicht lumpen, und so ging es am Abend in Richtung Innenstadt, wo das Adelaide Fringe (immer noch) stattfindet, um mich dort zu nem Bier und ein bisschen Unterhaltung einzuladen. Das Fringe ist das zweitgrößte Kunstfestival der Welt (Edinburgh ist Nummer 1 und zudem auch von zu Hause aus recht einfach zu erreichen) und startet irgendwann im Februar für einen ganzen Monat voll mit tausenden Shows von hunderten Künstlern und dreht sich vor allem um die großen C: Cabarett, Comedy und Circus. Alle möglichen und unmöglichen Orte (Bars, Restaurants, Parks, leerstehende Häuser, Straßen) werden zu Bühnen für eine Vielzahl von Künstlern, von denen ich behaupten kann noch nie etwas gehört zu haben. Und plötzlich war ich mittendrin. Im Garden of Unearthly Delights gönnten wir uns eins, zwei Bier und eine knackige $5-15Minuten Show und liefen dann durch die Licht- und Zeltlandschaften, bis wir uns sattgesehen hatten.

Zum Fringe sollte es in der selben Woche noch zwei weitere Male gehen (ich hoffe, vor der Abreise schaffe ich es auch nochmal). Zum Einen besuchte ich (allein, weil Julia dann doch lieber den Rückweg antrat) eine der günstigen Shows in einem zum Veranstaltungsort umgebauten leerstehendem Haus: Middle Lane Swimmer, eine Stand-Up Künstlerin, die den gerademal 7 anwesenden Zuschauern einen sehr unterhaltsamen Abend bot und sich hinterher auch für Memorabilia-Aktionen nicht zu Schade war. Am Wochenende waren wir dann nochmal dort, minus Julia aber dafür mit zwei neuen Couchsurfern: Isy und Birdie, zwei junge Dänen auf Weltreise (und unter anderem Literpullen Rum aus Zentralamerika im Gepäck, die Blicke von Dan und James ob des Preisaufklebers hättet ihr sehen sollen). Und die Kamera hatte ich natürlich auch immer mal dabei.

Garden of Unearthly Delights

Garden of Unearthly Delights

Vegetarierpiraten!

Vegetarierpiraten!

Der Hauptfeind der Vegetarierpiraten!

Der Hauptfeind der Vegetarierpiraten!

Geburtstagskind im Kreis der anwesenden Gäste (wo wart ihr eigentlich?)

Geburtstagskind im Kreis der anwesenden Gäste (wo wart ihr eigentlich?)

Gartenbeleuchtung

Gartenbeleuchtung

Alternativer Kaufkrams

Zirkus, Jahrmarkt, Festival

Das Museum der Freakshow (der Gehstock ist getrockneter Bullenpenis)

Das Museum der Freakshow (der Gehstock ist getrockneter Bullenpenis)

Middle Lane Swimmer (rechts und links)

Middle Lane Swimmer (rechts und links)

Gartenraum aus Kleiderschränden, erreichbar indem man durch eben jene durchsteigt

Gartenraum aus Kleiderschränken, erreichbar indem man durch eben jene durchsteigt

Der Rest der letzten Woche ist ein Gemenge an entspannten und wohlempfundenen Tagen des Nichtstuns und mit Freunden rumhängen, und ich könnte vermutlich gar nicht mal alles in eine anständige Reihenfolge bringen. Mit Dan hab ich einen seiner Kumpel auf dessen Wohnhausbaustelle besucht, wir waren in Gawler feiern und in Adelaide shoppen, haben uns am Strand breit gemacht und Straßenkonzerte besucht, Bootcamp mit James und seinen Kumpels Sonntag morgens bei über 30° und die darauf folgenden entsprechenden Muskelkater überstanden, Rum und Bier vernichtet, Filme ausgeliehen und Pizza gegessen. Das tut gut und war sehr schön.

Strandgetrubel in Glenelg

Strandgetrubel in Glenelg

Die ganze Truppe (Dan, James, Isy, Birdie, Julia)

Die ganze Truppe (Dan, James, Isy, Birdie, Julia)

Die Dänen sind dann gestern losgefahren gen Great Ocean Road, während Julia sich von Leanne – Dan’s Mutter – unter die Fittiche hat nehmen lassen, damit sie noch was sieht von der Umgebung vor ihrer Abreise. Und so waren wir gestern mit Leanne nochmal in Hahndorf, diesmal inklusive Ladenbesichtigungen (Süßigkeitenläden sind eine Bedrohung!) bevor wir in Adelaide noch einmal stoppten zum Mitbringseleinkauf und Schokoladenfabrikbesuch (mit gratis Kostproben!). Die Tage wird es mich mit Leanne hoffentlich auch nochmal auf die Yorke Peninsula knapp nördlich von hier verschlagen, da ich die Gegend auch mal sehen wollte und Dan’s Familie dort ein Wochenendhaus hat – was mir quasi postwendend die Einladung einbrachte. Laut Dan’s Auskunft mag mich seine Mutter wohl sehr – und das, obwohl ich letztes Jahr seine Frisur zu verantworten hatte

Ach übrigens, wisst ihr was auch wieder anläuft? Footy-Season!… Und wenn ich schon mal bei Nebenbeibemerkungen bin: Diese Woche schon bei Flickr vorbeigeschaut? Das Bildmaterial mehrt sich!

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