Goldfields Schätze, Melbournes Wartezeiten und Tasmaniens Geist.

Man mag es kaum glauben, aber trotz all den verschiedenen Orten und Sehenswürdigkeiten und Unternehmungen der letzten Tage, habe ich gerademal etwas über 400km zurückgelegt – das ist ja fast nix, an dem Maßstab der letzten Monate gemessen… Ich hatte, wie gesagt, nach Echuca zwei Tage Zeit, in denen ich die Goldfields auf dem Programm hatte, mit dem Ziel, einen weiteren Fotobeweis zu erlangen (es gibt sogar zwei, ha!). Die Goldfields, man mag es kaum glauben und ich komm mir vor als würde ich mich ständig wiederholen, profitierten im 19. Jahrhundert von einer profitablen Bergbauindustrie. Einer der größten Goldrushes der Geschichte fand in Victoria statt (ironischerweise soll wohl der erste Goldfund gerade mal 9 Tage nach der Abspaltung als eigene Kolonie von New South Wales gemeldet worden sein) und verhalf mit dem dazugehörenden Reichtum einigen anliegenden Städten zu den notwendigen Immobilien. Schicke Bauten noch und nöcher, und so verbrachte ich meinen ersten Tag in Bendigo nicht nur damit, den umliegenden Nationalpark zu Fuß ein wenig zu erkunden, sondern ebenso auch die historische Innenstadt, inklusive dem alten Rathaus, der ziemlich beeindruckenden Touristeninformation, schicken Parks und dem chinesischen Viertel – deren Bewohner eine Minderheit, die ihre Wurzeln auch in den Zeiten des Goldrushes hat und damals bei den Weißen nicht nur für Freude gesorgt hat. Ach ja, Rassismus, da weiß man, was man hat. Mittlerweile scheint man sich etabliert und angefreundet zu haben und der chinesische Tempel und das Museum ist eine zentrale Touristenattraktion.

Chinesische Gottheit

Chinesische Gottheit

Ebenfalls eine empfohlene Attraktion ist der andere Tempel, den ich danach aufsuchte: Die wohl größte christliche Kirche, die ich bisher in Australien gesehen hab. Recht beeindruckend von außen, von innen eher so „meh“.

Die Spitze des Eisbergs

Die Spitze des Eisbergs

Den Tag so erfolgreich mit Erkundungen rumgebracht, fuhr ich dann noch ein Stück weit gen Ballarat (Ararat gibt’s hier auch, dass ist dann aber in Western Victoria) und hielt auf einem absolut idyllischen Campingplatz aus meinem Gratiscampingbuch, etwas ab vom Highway mitten im Wald.

Da wär ich sonst auch noch ein paar Nächte geblieben...

Da wär ich sonst auch noch ein paar Nächte geblieben…

Etwas unzufrieden war ich mit meiner Ausbeute hinsichtlich des geplanten Fotobeweises, den meine Schwester einforderte. Sie verpasste der Erkundung der angemarkerten Goldfields eine höhere Schwierigkeitsstufe indem sie das ganze Vorhaben zu Pferde einforderte. Wenn das nicht klappen sollte, könne ich alternativ auch nach Gold suchen. Wie ich das jetzt so von heut auf jetze organisieren sollte war mir unklar, zumal der Anruf bei einem entsprechenden Reitunternehmen in Bendigo nur die Info zu Tage brachte, dass sie Mittwochs keine Ritte unternehmen. Ratet, wer Mittwoch da war.

Mit Unterstützung der Touristeninformation in Ballarat konnten wir dann aber einen Anbieter finden, der bereit war, mit mir einen Ritt am Nachmittag zu unternehmen. Um die Zeit bis dahin rumzukriegen, bekam ich noch eine Dutzendschaft an anderen Tipps und Wegbeschreibungen, bevor ich die Info überhaupt wieder verlassen durfte. Weit ging ich jedoch nicht, da ich genau gegenüber eine Attraktion ausgemacht hatte, die mir der Reiseführer schmackhaft gemacht hatte: Die hiesige Kunstgalerie stellt das gerahmte Original der „Eureka-Flagge“ aus, die eine weitere farbige Episode aus Australiens kurzer weißer Historie erzählt. Gehisst wurde diese Flagge, die symbolisch das Southern Cross zeigt, damals bei der so genannten Eureka Stockade, einer Art Anti-Kolonialregierungs-Protest und Mini-Revolution, und somit die Einzige dieser Art überhaupt in Australiens Geschichte. Ausgelöst durch eine zu hohe Gebühr für die Goldminenrechte und Steuern und korrupte Beamte entwickelte sich der kleine Protest zu einer Bewegung von Tausenden, die demokratische Rechte einforderten und eine Blockade errichteten, in der bei einem Angriff von Polizei und Soldaten einige Dutzend starben. Fast schon eine Randbemerkung ist es, dass die festgesetzten Revoluzzer das Glück hatten, wegen dem Druck der öffentlichen Meinung nicht als Verräter gehenkt zu werden. Und Australien hatte nun auch eine klar erkennbare eigene Demokratiebewegung.

Inklusive der Freiheit, Löcher in die Flagge zu fressen

Inklusive der Freiheit, Löcher in die Flagge zu fressen

Nicht weit von der Kunstgallerie, die neben der Flagge auch Kunst zu der Stockade und zu komplett anderen Themen ausstellt, gab es den Gold Exchange, wo ich dann wieder Erwarten recht unkompliziert zu meinem ersten Fotobeweis kam. Ich fand dort Gold.

Gegenwert etwa $8000

Gegenwert etwa $8000

Aber das zählt natürlich nicht wirklich. Also auf zu den Pferden, wo ich, begleitet vom alten Herrn der Farm und der jungen Schwiegertochter auf einen anderthalbstündigen Ritt durch das umliegende Naturgebiet mitgenommen wurde, eine recht exklusive Veranstaltung, die mich zum ersten Mal seit ungefähr 15 Jahren wieder im Sattel sah (richtig Reiten war das auch nicht, eher so ein Draufsitzen und versuchen sich an das damals Gelernte zu erinnern) – das Traben fiel dann beim zweiten Anlauf schon viel leichter, trotzdem hab ich mir dabei einige blaue Flecken an den üblichen Sattelreibungsstellen geholt – aber das ist alles egal, schließlich genoss man parallel dazu gerade das Glück dieser Erde.

Der tapfere Wallach ist Bill, genügsame 14 Jahre alt, und daher etwas unwilliger, wenn es darum ging ihn zum Traben zu bringen...

Der tapfere Wallach ist Bill, genügsame 14 Jahre alt, und daher etwas unwilliger, wenn es darum ging ihn zum Traben zu bringen…

Wieder vom Pferd ging es dann in der Ente weiter nach Melbourne, wo ich einen Couchsurfing-Gastgeber, Jon, für die nächsten drei Nächte finden konnte. Nicht weit nördlich von Melbournes City teilte er sich mit einem Mitbewohner das eigene Haus und lernt von seinen deutschen Gästen die Sprache. In den nächsten Tagen musste ich also öfter mal genau nachdenken, ob man und wie man bestimmte Redewendungen denn jetzt im Deutschen am Besten formuliert – nicht immer einfach, wenn der Kopf sich grad gut ins Englische eingefahren hat (ich sitz auch manchmal beim Schreiben dieser Texte ne Weile mit schiefem Kopf da und überleg, welches Wort mir grad fehlt…). Freitag hatte ich mich noch verabredet mit einer Nicole, die einen Reisegefährten für Tasmanien gesucht hatte, um Benzinkosten etc. zu teilen. Dazu fuhr ich rechtzeitig in die Stadt, nur um eine Verspätung nach der anderen mitgeteilt zu bekommen (ich kann zum aktuellen Zeitpunkt wirklich nur wenig Positives über das Melbourner Nahverkehrssystem sagen – und da hab ich noch nicht mit der bescheuerten neuen Bezahlweise angefangen – aber zumindest sehen dass alle Melbourner, die ich bisher getroffen hab, auch so) was mich dann die nächsten Stunden innenstädtisch etwas Zeit totschlagen ließ (mal bei Lush gucken ob die neuen Ostersachen schon da sind – Postkarte kaufen – Sushirollen essen, denn Sushi in Australien ist gut und billig – im Touristenviertel nochmal im Kreis laufen – im Einkaufshaus solange um die Makeup-Counter schleichen, bis sich eine Mitarbeiterin erbarmte und mir ein gratis Makeup anbot, das war schön – am Bahnhof sitzen, lesen und noch ne Sushiportion essen – …) doch als Nicole da war, verstanden wir uns auf Anhieb und mussten einige essentielle Gemeinsamkeiten was das Reisen an sich angeht feststellen. Nicole ist aus Schmölln, und deshalb werden wir dann die nächste Woche die Ossis in Aussie sein. Und wer das jetzt nicht witzig findet, der ist langweilig. Sie fliegt nach Tasmanien, ich fahr mit der Fähre und hol sie dann am Flughafen ab. Sehr viel weiter sind wir in der Planung aber auch nicht gekommen, nachdem wir uns auf einige gemeinsame Aktivitäten geeinigt hatten, entschieden wir, den Rest die Spontanität vor Ort erledigen zu lassen.

Samstag hatte ich dann einen entspannten Tag mit meinem Gastgeber, mit dessen Kumpel wir nachmittags einen Kaffee trinken gingen, bevor wir abends eigentlich den Plan verfolgten, auf ein Konzert zu gehen. (Ironische Musik, von dem Leadsinger der in den 80ern bei Thishom oder so mitgespielt hat – ja, ich bin in einem Hipsterhaushalt gelandet!) Eigentlich war der Plan, so gegen elf Uhr rum fertig zu sein, da ich am nächsten Morgen um 6 raus musste in Richtung Fähre, aber irgendwie verbrachten wir die erste Stunde damit, auf seine Kumpels zu warten. Dann stellte sich heraus, dass die Vorbands grad erst angefangen haben, an denen waren die Jungs allerdings nicht interessiert und so gingen wir stattdessen erstmal noch mit einem befreundeten Pärchen zu einer nahegelegenen Kuchenbar, wo ich mich dann aufgrund der Uhrzeit entschied mein Geld nicht in Tickets sondern teilweise in Schokokuchen zu investieren. Danach machte ich mich dann auf den Weg in Richtung Bett, die Jungs zum Konzert, das Pärchen wusste nicht so recht und brachte mich noch zur Straßenbahn.

Wieder „zu Hause“ sollte es eigentlich fix ins Bett gehen, aber wie das so ist, wenn man aufgeregt ist und auf keinen Fall verschlafen darf, lag ich noch elendig lang wach. Erstaunlicherweise war ich trotzdem Punkt sechs munter und machte mich dann durch den sonntagmorgendlichen, somit nicht ver-rush-hour-ten Innenstadtverkehr auf den Weg Richtung Fährenterminal, um dort rechtzeitig einzuchecken. Das verlief alles problemlos, wenn man jetzt mal davon absieht, dass ich meine Gaskocherminiflasche abgeben musste (die Caravans durften ihre großen behalten) und meinen Benzinkanister leeren und mit Wasser spülen musste (wegen der Dämpfe). Als ich mich durch all diese Sicherheitsvorkehrungen gewurschtelt hatte, ging es dann aufs Schiff, die Spirit of Tasmania II, die mich und Donald und alle anderen in etwa 10 Stunden nach Devonport in Tasmanien brachte. Unterwegs gab es ein paar Hinweise auf einen Wal und Delfine im Wasser – die komischerweise von niemanden entlang der Reling entdeckt werden konnten – ansonsten partizipierte ich allerdings nicht in den organisierten Aktivitäten zur Passagierbelustigung sondern saß auf Deck und las bei Sonnenschein ein Buch. Vor Tasmanien wurde es dann jedoch noch regnerisch – aber hey, das ist ja mal was anderes als immerzu bei 30plus°C zu schwitzen. Mal schauen wie das die Tage wird, morgen werde ich dann wohl mit meinem Devonporter Couchsurfinghost Nick ein wenig die Innenstadt erkunden. Aber jetzt muss ich erstmal den Schlaf von Gestern nachholen.

Spirit of Tasmania

Spirit of Tasmania

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