Nachtrag: 1/7 Seven Summits

Ich gebe es zu, ich habe diese Woche mal wieder ausgiebig prokrastiniert. Eigentlich hätte ich die letzten Tage sehr viel Zeit gehabt, hier mal alles aufs Laufende zu bringen, insbesondere nachdem sich die Arbeit, die ich dachte hier angetreten zu haben, nach nur zwei Tagen wieder im Sand verlief (aber dazu später mehr). Offensichtlich hat sich seit Magisterarbeitstagen nicht viel geändert… (hilfreich ist beispielsweise aber auch Channel 11 – die bringen mitunter 4 Folgen Simpsons und Futurama hintereinander! Und dann noch drei Folgen Raumschiff Enterprise, oh Mann. 8 Jahre Fernsehabstinenz – nichts hat’s gebracht).

Egal, wo war ich stehengeblieben? Von Melbourne aus ging es grob in die Sydneyer Richtung, wo wir ja am 24.1. den Max gaaaar nicht wieder ins Flugzeug setzen wollten. Auf dem Weg dahin lautete der nächste Programmpunkt dann die Besteigung des Mt. Kosciuszko (dank Polnisch-sprechendem Vater konnte ich den Namen auch schon immer halbwegs korrekt aussprechen).

In den malerischen Snowy Mountains gelegen – die ihrem Namen im Winter durchaus gerecht werden und ich glaube den Tourismusslogan führen, Australiens einziges Winterskiparadies zu sein – ist der Mt. Kosciuszko einer der so genannten Seven Summits: Der jeweils höchsten Berge auf jedem Kontinent. (Es braucht mir hier keiner mit irgendwelchen detailverliebten Definitionen kommen, wonach irgendein Berg auf Indonesien mit 4000m höher ist – in meiner Realität gehört Indonesien nicht zum Australischen Kontinent, egal wie sehr die eine Insel da auf dem australischen Kontinentalschelf liegt. Und die ganzen anderen Berge zähl ich auch nicht. *ohrenzuhalt*) Die Besteigung des höchsten australischen Berges war ja einer der ganz wichtigen Punkte auf der Australienliste, die mir allerdings auch zielgenau von Georg (der offensichtlich meinen Geschmack hat, was Reiseziele angeht) im Namen von Jarik im Reisebuch angestrichen. (@Karina: Es war Seite 222, die der liebe Georg heranzog.) Alleine so eine Wanderung ist allerdings doof, und da der Max ja sowieso der begeistertere Wanderer von uns beiden ist, war es ja quasi unvermeidbar, diesen Punkt nicht während seines Urlaubs abzuarbeiten.

Also erstmal nach Jindabyne (oder doch Jyndabine? Eine Theorie, ich glaube Bill Brysons, besagt ja, dass die Australier ihre Ortsnamen mithilfe von wahllosen Griffen in den Scrabble-Buchstabensalat generieren.), einem zentralen Ort im Kosciuszko-Nationalpark und Ausgangspunkt für Wintersportler und Bergsteiger – je nach Saison. Der Weg dahin führte von Victoria aus durch gut 100km Kotztütenstraße. Enge Kurven und kontinuierliche Anstiege brachten dann auch Donald ordentlich auf Touren, aber auch wenn er an einem Pass schon ziemlich arg schnaufte und pustete – die Temperaturanzeige blieb auf konstanter Betriebstemperatur (vielleicht ist die doch kaputt…? Hoffentlich nicht – reicht ja erstmal der kaputte Tacho, aber auch dazu später). Endlich angekommen suchten wir uns eine Unterkunft. Ich bestand darauf, im Hinblick auf das anstehende Projekt, in einem richtigen Bett zu nächtigen, von wegen der Entspannung, aber auch wegen der langen Umbau- und Vorbereitungszeit Donalds am Morgen, also fiel der Caravanpark und schlafen im Auto aus. Aber ein eigenes Zimmer mit Bad für $65 die Nacht im hiesigen Hostel ist ja jetzt auch nicht übel.

Am nächsten Morgen fuhren wir dann nach kurzer Informationssammlung in der Touristeninfo los in den gebührenpflichtigen Teil des Nationalparks hinein. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir uns bereits endgültig von der einfachen Variante – mit Skilift für 30$ pro Person auf eine Anhöhe und von dort noch 6,5km pro Richtung auf den Gipfel. Die Frage bestand also nur noch daraus, ob wir jetzt den langen Rundweg hin und den kürzeren Direktweg rückwärts nehmen (oder umgekehrt) oder nur den direkten Weg hin und zurück – also ob 23km oder doch lieber 18km insgesamt. Wir entschieden uns dann – ich hochmotiviert, dass sollte ich schnell bereuen – für die lange Variante. Bezüglich der malerischen Landschaft und des besseren Ausblicks vom Rundwanderweg die richtige Entscheidung, aber heidewitzka, war das ’ne anstrengende Wanderung. Direktemang begann es mit einem Abstieg, eine Wanderwegeigenart, die ich bei Bergbesteigungen nie verstehen werde, bevor ich dann am ersten Hügel, untrainiert und ordentlich unfit, ganz schön pusten musste. Ein Zustand, der sich zum Glück schnell änderte, als ich zu meinem Rhythmus fand. So gesehen waren die ersten 4km die schlimmsten. Und die letzten drei dann wieder, wegen der Schmerzen in den Beinen…

Wie auch immer, begleitet von einer Millionenschaft an nervigen Bergfliegen, bei erfrischend windigen 22°C und strahlendem Sonnenschein genossen wir die lange Wanderung vorbei an einer wunderschönen Berglandschaft. Die Besteigung des Kosciuszko war dabei eine an sich recht unspektakuläre Sache – was vermutlich vor allem daran liegt, dass er nicht wirklich über die Landschaft und die anderen Berge hinausragt. Auch wir fielen auf den Berg hinein und dachten, dass die Berge links oder rechts unser eigentliches Ziel seien – sie sahen schließlich höher aus – aber dieses kleine Missverständnis ist zumindest nicht nur uns passiert: Wie Max mir erzählte (hat er bestimmt auch aus Wikipedia) galt eigentlich der Berg neben dem heutigen Mt. Kosciuszko, damals noch Mt. Townsend genannt, als der höchste, bis mal einer genau nachgemessen hat, und man dann die Namen der beiden Berge tauschte, damit weiterhin der höchste Berg den Namen Kosciuszko trägt.

Diesen höchsten Berg, egal wie benannt, haben wir jetzt also erfolgreich bestiegen – der Statistiker sagte irgendwas von 23km und insgesamt 1100 Höhenmetern – und auch wenn ich vermutlich nie der allergrößte Wanderfreund sein werde: Es ist doch immer wieder ein grandioses Erlebnis und gut fürs kleine Ego im ewigen Kampf gegen den inneren Schweinehund, wenn man sowas erfolgreich hinter sich gebracht hat. (Wir reden jetzt nicht darüber, wie sich meine Füße am nächsten Tag angefühlt haben.)

Achja, und Schnee haben wir auch gesehen! Schnee! In Australien!

Zum Berg hoch geht es immer das Tal runter.

Zum Berg hoch geht es immer das Tal runter.

Blue Lake. Manchmal sind sie dann auch wieder erstaunlich simpel in der Namensgebung.

Blue Lake. Manchmal sind sie dann auch wieder erstaunlich simpel in der Namensgebung.

Ach wie schön, dieser Dies.

Ach wie schön, sogar dieser Dies.

Na, wer hat die meisten Fliegen angelockt?(Und bevor jemand fragt: Ich trage ein absolut modisches und tatsächlich erstaunlich praktisches Fliegenlandeversuchabhaltenetz.)

Na, wer hat die meisten Fliegen angelockt?
(Und bevor jemand fragt: Ich trage ein absolut modisches und tatsächlich erstaunlich praktisches Fliegenlandeversuchabhaltenetz.)

Da! Schnee!

Da! Schnee!

Und Blumen haben sie auch noch!

Und Blumen haben sie auch noch!

Fast oben, fast...

Fast oben, fast…

Und oben. War doch gar nicht so schwer.

Und oben. War doch gar nicht so schwer.

Mt. Kosciuszko (ich bin mir ziemlich sicher... lieber doch noch mal trigonometrieren?)

Mt. Kosciuszko (ich bin mir ziemlich sicher… lieber doch noch mal trigonometrieren?)

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Ein Kommentar zu “Nachtrag: 1/7 Seven Summits

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