Nach Osten, nach Osten

Als Nachtrag zum letzten Blogbeitrag anbei noch fix ein Bild von den einzigen Wildtieren, die nicht rechtzeitig weggehüpft oder –flogen sind bevor ich angehalten und die Kamera in Position gebracht habe.

Emu, nicht für den Export

Emu, nicht für den Export

Gerade mal zwei, drei Stunden, nachdem ich am Nullarbor Roadhouse losgefahren war, erreichte ich dann wieder die Zivilisation in Form von kleinen Ortschaften und mehr Verkehr. Irgendwie hätte ich es allerdings auch nicht schlimm gefunden, wenn die Ruhe und „Einöde“ noch etwas länger gedauert hätte. Kaum wieder unter anderen Menschen wurde man dann auch erstmal kontrolliert, ob man verbotene Dinge transportiert. Ja, zwischen den Bundesländern gibt es, nennen wir es Grenzkontrollen, wo man allerdings nicht nach Drogen oder anderen schlimmen Dingen Ausschau hält, sondern nach… Obst. Und Gemüse. Gefährliches Zeug – wenn man eine Nation ist, die verzweifelt versucht, die Ausbreitung gewisser Schädlinge einzugrenzen. Froot Loops sind aber wohl augenscheinlich in Ordnung.

Nach einigen hundert Kilometern machte ich dann in Kimba stopp, wo ich auf dem vom Lion’s Club Kimba (ha! Hakuna Matata!) angelegten innerortlichen Caravanpark übernachte. Angenehme Örtlichkeit, richtig gut ausgestattet, und das alles gratis – da freut sich doch auch das Konto.

Weiter ging es dann Richtung Adelaide, und darauf freute ich mich schon, denn ich konnte bei „alten Bekannten“ unterkommen: James und Daniel. Ein entspannter Abend mit… Cricket. Augenscheinlich fernsehunterhaltungstechnisch kein Problem für die beiden, dass die Footysaison vorbei ist. Und obwohl ich die beiden jetzt nicht so lange kenne, war es doch angenehm bekannt, wieder bei ihnen einzufallen. Der Abschied nach nur einer Nacht fiel dieses Mal nicht ganz so schwer, da der eigentliche Plan ja ist, in circa drei Wochen bei ihnen für ein paar Tage einzufallen.

Wieder unterwegs hatte ich dann viel Spaß mit fruchtfliegenfreien Zonen: Das Riverland um Waykerie, Loxton,usw. ist augenscheinlich von diesen kleinen Tieren noch nicht befallen, was natürlich für eine zentrale Obstproduktionsstätte ziemlich günstig ist. Entsprechend gab es dann auch mal mitten im Staat eine Obstkontrolle (hier fühlt man sich schnell als Verbrecher wenn man sich mal gesund ernähren will…). Brav wie ich bin hatte ich natürlich nichts zu vermelden, und machte erst in der fruchtfriegenfreien Zone Gebrauch von den zahlenmäßig gut vertretenen Straßenselbstbedienungsobstständen und deckte mich mit lecker frischen fluchtfliegenfleien Aprikosen, Bananen, Weintrauben und Pfirsichen ein und packte mich für ein Picknick in Waykerie ans Ufer des Murray Rivers. Der Murray River, so behauptet zumindest mein Reiseführer, wurde von Mark Twain als der Mississippi Australiens bezeichnet, was mich wiederum sofort an den großartigen Diethelm Duck erinnert: „Der Mississippi ist so schlammig, dass die Farmer klagen er wäre zu dick zum Trinken aber zu dünn zum Pflügen.“¹ Jetzt mal davon abgesehen, dass „an manchen Tagen eine Staubschicht auf dem Wasser liegt“¹ und sich mancher „beim Hineinspringen an der Wasseroberfläche die Schulter gebrochen hat.“¹ (Augenscheinlich kann man diese Weisheiten wohl auch im Original von Mark Twain kennen, aber meine Bildung wurde halt signifikant von Comicheften beeinträchtigt.)

Sieht schon ein bisschen bräunlich aus...

Sieht schon ein bisschen bräunlich aus…

Der Murray hingegen ist offensichtlich flüssig genug um darauf Wassersport zu betreiben, und so stopfte ich mich genüsslich mit friechtfliegenfrien Obst voll, bis ich platzte, und beobachtete dabei ein paar Wasserskifahrer. Weiter ging es, raus aus der fruchtfriegenfreien Zone für lässige 100km Strecke durch Victoria… um dort nach etwa 50km auf die nächste fruchtflugenfruen Zone hingewiesen zu werden… vor der man bitte all sein Obst zu entsorgen hatte. Das frustrierte mich nun doch einigermaßen und bevor ich nun die Hälfte meiner friechtfleigenfruen Obstversorgung entsorgte, setzte ich mich hin, und stopfte mich mit noch mehr freichtfleigenfreien Obst voll, bevor ich weiterfuhr. Und dann wird man nicht mal kontrolliert. Frechheit.

Solcherart die Fahrt etwas verlangsamt, schaffte ich es noch bis zum Lake Bennong, an dem ich mich wieder auf einem Gratiscaravanplatz einquartierte und so einen idyllischen Schlafhintergrund genießen konnte.

So kann das weitergehen.

So kann das weitergehen.

Heute ging es dann bis nach Wagga Wagga, die letzten 30km davon sogar mit Begleitung: Auf einem Rastplatz, an dem ich mich touristisch informieren wollte, waren ein paar Pechvögel mit einem kaputten Auto gestrandet, und fragten mich, ob ich einen von ihnen mitnehmen konnte, damit sie ein Auto zum Abschleppen organisieren könnten. Man ist ja kein Unmensch, und auch wenn mir die Lieben in Nyabing versucht haben auszureden solche Angebote anzunehmen, nahm ich Maria mit, die ich dann in der Nähe ihres Zuhauses absetzte. Auf der kurzen Fahrt erzählte sie mir, dass im Gegensatz zum weißen Mann ein Aborigine nicht so einfach quer durchs Land fahren darf: Da muss erstmal vorher bei den jeweiligen Stämmen, durch deren Land man reist, schön um Erlaubnis fragen, ob man das überhaupt darf. Was mich dann dazu brachte, mir zusätzlich zur Fruchtfliegenfreikontrolle noch stammesgeführte Passkontrollen an den jeweiligen Gebietsgrenzen vorzustellen. So kann man eine Reise auch auflockern.

2012-12-29 16.56.28

Maria

In Wagga Wagga hab ich dann auch die erste Hälfte von Melis Aufgabe abhaken können. Da auf meinem Mp3-Player jedoch eine auffallende Shakira-Abwesenheit herrscht, musste ich, um zu Wagga Wagga tanzen zu können, es auch noch selbst singen, was sicher nicht schön, mitten neben dem Highway jedoch aber vermutlich einigermaßen unterhaltsam für die vorbeifahrenden Herrschaften war.

Ich mach ja nun wirklich jeden Blödsinn mit.

Ich mach ja nun wirklich jeden Blödsinn mit.

Die zweite Hälfte kommt dann morgen, wenn die Schokoladenfabrik wieder auf hat. Darauf freu ich mich ja schon! Bis Sydney sind es danach nur noch etwas mehr als 400km, dass sollte ich also problemlos schaffen *klopfaufholz* und wenn ich das geschafft hab, kann ich glaub ich dann mittlerweile mehr gefahrene Kilometer im Linksverkehr als im Rechtsverkehr aufweisen…

¹Literaturempfehlung: Don Rosa: Onkel Dagobert. Sein Leben, seine Milliarden. Großartiges Buch. Ernsthaft. Die hier sollte man sich aber vermutlich auch mal zu Gemüte führen.

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