Stories from the Nullarbor

Kein Empfang in Cocklebiddy. Geht das schon wieder los… Statt den gestrigen Eintrag nach Ankunft am Roadhouse zu verfassen und hochzuladen, hol ich das nach einigen Schwierigkeiten, was wahlweise den Empfang von Mobilfunknetzen oder der Zugänglichkeit zu Stromnachladestationen für den Schleppi, eben heute abend, also jetzt, nach. Insgesamt waren es am zweiten Tag 687km bis ich am Roadhouse in Cocklebiddy eingetroffen bin, wo ich dann im Kreise der Einwohner ein Bier ausgegeben bekam und meinen Heiligabend wenn auch fern alles Weihnachtlichem doch zumindest in netter Gesellschaft und lustigen Hunden verbringen konnte.

Bei den Hunden haben sie sich verzählt

Bei den Hunden haben sie sich verzählt

Esperance hatte ich gegen Mittag verlassen, nachdem ich eine Weile die Stadt und ihre Einrichtungen besichtigt habe (Bank und Tankstelle, insbesondere), einige Bilder aus der Ferne vom Hafen geschossen habe und leider nicht ins Museum konnte – Weihnachten geschlossen -, dessen Hauptattraktion mich im Reiseführer ja etwas neugierig gemacht hat: Wrackteile des Skylabs, der bisher einzigen NASA-Weltraumstation (wenn man ihren Anteil an der ISS jetzt malmissachtet), sie 1979 nach etwas ungenauen Berechnungen in und um Esperance herum auf den Boden fielen. Offensichtlich ein wichtiger Punkt in der Vermarktung dieser etwas kuriosen Attraktion ist der Strafzettel in Höhe von $400, der in Folge dieser „Umweltverschmutzung“ der NASA ausgestellt wurde. Ordnung muss sein.

Werbung ist eben alles.

Werbung ist eben alles.

Ein kurzer Stopp am Strand war dann noch drin, um den angeblich feinsten Strandsand Australiens zu erleben, und auch wenn ich jetzt kein Experte im Strandsandfeinheitsgradvergleich bin muss ich doch sagen: Fühlt sich weich an. Und, bevor ich es vergesse, Merry Christmas, Everybody! (Besser spät als nie.)

Arbeitsverweigerndes Rentier auf Strandurlaub.

Arbeitsverweigerndes Rentier auf Strandurlaub.

Nach diesem kurzen Abstecher an die Küste ging es dann erst mal wieder Richtung Norden, nach Norseman, um von dort nach Osten auf den 1675km langen Eyre Highway abzubiegen, der mich nicht nur (wieder) quer durch die legendäre Nullarbor Plain nach South Australia, sondern mir auch schonmal einen ersten Geschmack von wirklich, wirklich zivilisationsfernem Australien nahe bringen sollte. Der Highway selbst, gut ausgebaut, einspurig in jede Richtung, bietet quasi keinerlei nennenswerte Zivilisation auf den 1200km zwischen Norseman und Ceduna, von einigen Roadhouses alle hundertundnochwas Kilometer mal abgesehen, wie eben Cocklebiddy. Die Fahrt wird gern als monotone Einöde beschrieben, was ich so jetzt allerdings nicht bestätigen kann, ist vermutlich von Leuten geschrieben, die Australien als Uluru mit langen Stränden darum definieren… Auf der anderen Seite hat „crossing the Nullarbor“ jedoch auch etwas, naja, Abenteuerliches, auch wenn man sich schon sehr blöde anstellen muss, damit einem wirklich was passiert. Auf jeden Fall hat man ganz viel Zeit um die spektakulären Attraktionen auch in vollen Zügen zu genießen…

...und dann kommt ne Kurve, und dann die zweitlängste...

…und dann kommt ne Kurve, und dann die zweitlängste…

Das wär immerhin spannend, wenn die gerad im Anflug wären.

Das wär immerhin spannend, wenn die gerad im Anflug wären.

Bisher sind mir noch keine Kamele oder Wombats untergekommen.

Bisher sind mir noch keine Kamele oder Wombats untergekommen.

Wem Straßenschilder zu langweilig sind, der kann ja Spiele spielen, ich persönlich und alleine unterhalte mich ja mit der spannenden „Benzinverbrauch-pro-100km-Rekordjagd“ (bisher weniger als 6,5l zwischen Esperance und Norseman; ja Tine, mit einem Uraltnormalbenziner!) und dem spaßigen „Gegenverkehr-zählen“ (Norseman – Cocklebiddy: 24) und wenn ich beim Autofahren den Laptop bedienen könnte, ohne in den Bush zu fahren, hätte ich auch jetzt ein paar attraktive Tortengrafiken meiner Ergebnisse für euch, denn jeder mag Tortengrafiken („Stimmt!“ wird die Anna jetzt rufen). Interessanterweise habe ich schon am zweiten Tag den Punkt erreicht, dass auch ich jetzt erst mal ausreichend Beatsteakskonzerte gehört habe, und reanimierte zur akustischen Untermalung auch mal wieder ein paar andere, zum Teil Uralt-Playlisten, noch vom Roadtrip in den USA 2008 oder die B-Seiten der Ärzte.

Das alles konnte jedoch nicht anstinken gegen die lokale Unterhaltung, die einem entlang der Strecke geboten wurde. Nach Einbruch der Dunkelheit – und außerhalb der Autolichter war es „Dunkel“ – gab es Roos zu sehen. Einige. Dutzende. Ach, Hunderte, wenn ich sie alle gesehen und zählen hätte können. Links und rechts vom Highway standen sie und guckten mich verdutzt an, bevor sie dankenswerter Weise alle weg von der Straße hüpften. Und es wurden immer mehr!

Das nicht alle so einen starken Lebenserhaltungstrieb hatten, wurde dann heute bei der Weiterfahrt deutlich – die ersten 50km gab es einige dutzend Kängurhukadaver links und rechts der Straße, die offensichtlich nicht rechtzeitig den heranrasenden Trucks ausgewichen sind (Lektion Nummer 2: Roadtrains bremsen nicht.) und somit allerdings wiederum Aasfresser anzogen, und zwar nicht nur hunderttausende Rabenartige, sondern auch ziemlich große und beeindruckende Adler (einer ist direkt neben meinem Auto abgehoben, Spannweite etwas die Breite meiner Motorhaube). Von denen konnte ich heute fünf beobachten. Ein paar lebende Roos gab es glücklicherweise auch zu sehen, und bei Tageslicht kommt das gleich noch mal viel besser, wenn man sie tatsächlich eine Weile beim Hüpfen (und jetzt alle: „Boingboing“) beobachten konnte. Und einige Dingos, als ich endlich in der „richtigen“ Nullarbor (also die wirklich ohne Bäume, in Western Australia war da ja noch üppiger Bush dagegen. Und ich befürchtete schon, irgendjemand hatte sich massiv verzählt…) angekommen war.

Auf dem Weg nach Osten stoppte ich dann in Eucla, dass sich tatsächlich „town“ schimpfen darf mit seinen 86 Einwohnern (ich würde als Werbeslogan noch hinzufügen „Größte Metropole im Umkreis von 500km“).

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Da weiß man, wo man steht.

Da ja Weihnachten ist, war hier Mittags geschlossen, was aber immerhin noch besser ist als manch anderes Roadhouse, die zum Christmas Day gleich gar nicht aufmachten. Da ich nicht ungewiss weiterfahren wollte, um dann festzustellen, dass die nächsten Roadhouses eben zu letzteren zählen, entschied ich mich für eine Pause, in der ich sowohl Zeit hatte, mal wieder etwas zu lesen als auch die hiesige Touristenattraktion, die von den Dünen fast zugewehte alte Telegraphenstation. Als jemand, dessen Lieblingskindheitsurlaubsort allerdings Lønstrup, Dänemark heißt, fand ich die jedoch eher unspektakulär im Vergleich zum Rubjerg Knude Fyr (der ja mittlerweile auch wieder freigelegter ist als er es zu meiner Kindheit war).

Guck mal, ne Ruine im Sand.

Guck mal, ne Ruine im Sand.

Die Zeit so rumgebracht wurde dann aufgetankt und es ging über die Grenze nach South Australia, an dem mir nochmal zweieinhalb Stunden wegen Zeitumstellung geklaut wurden, und wo der Eyre Highway dann eine Weile lang recht nah an der Küste entlangführt, was eine wunderschöne Aussicht mit sich bringt. Man kann quasi beim Fahren auf die Australian Bight rausschauen, allerdings konnte ich ob der Unsaison keine Wale entdecken.

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Head of Australian Bight


An Land wandelte sich die Vegetation währenddessen zunehmend vom doch recht grünen, hochgewachsenen Busch zu flachem, steppenartigen Gras- und Gestrüppland, bis man dann die offizielle Gemarkung der Nullarbor und das entsprechende Nullarbor Roadhouse erreichte, wo das Grün dann wirklich so flach war, dass man die Dingos ohne weiteres entdecken konnte. Es hat etwas unwirkliches, karges, was ich ja trotzdem irgendwie mag, auch wenn einem der Wind konstant mit voller Wucht entgegenbläst.
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Japp, Bäume sind hier Mangelware.


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Mehr Zivilisation braucht man nicht.


Nachher geht es dann weiter, hoffentlich bis Port Augusta, also vermutlich wieder mehr Zivilisation und weniger Abenteueraustralien. Aber wir werden sehen.

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