Lustig ist das Farmerleben

Japp, es ist Sommer, und ich konnte letztes Wochenende dann auch mal testen, wie anstrengend Farmarbeit bei sommerlichen 36° so sein kann. Oder auch nicht: Freitag vormittag wurde ich von Ash eingesammelt und mit raus auf eins von Snaggers Feldern gebracht, auf dem gerade geerntet wurde. Snaggers hat neben seinen Schafen auf ungefähr 2000 Hektar verschiedenes Getreide angebaut, darunter Raps, Weizen und, dessen Ernte durfte ich mir mit anschauen, Barley, besser bekannt als Gerste, und essentiell für den Nachschub an kaltem Bier im Pub, welches man nach der Ernte gern trinken möchte. The Circle of Life, sozusagen.

Nachdem einige kleinere Reparaturen am Header – wer es genau wissen will: Es ist es ein John Deere Combined Harvester, der deutsche Farmerbackpacker der die letzten Wochen ein paar mal im Pub aufschlug wies darauf hin, dass man da im Deutschen Drescher zu sagt, bitteschön – vorgenommen wurden, nahmen wir dann im Führerhäuschen Platz, dass unbeengt zwei Sitzplätze anbieten kann, und begannen das Tagwerk. Recht schnell wurde mir allerdings klar, dass das so anstrengend gar nicht sein kann: Zum einen gibt es eine Klimaanlage. Zum anderen braucht die Maschine mit ihrem 45-Foot-breitem Ernteding („Drescher“, jaja…) vornedran etwa ne halbe Stunde um die 5 Tonnen Ladekapazität zu füllen, die dann quasi vollautomatisch in den bereitstehenden Laster entleert werden. Bleibt also nur ein bisschen Bedien- und Lenkarbeit – und selbst die wird dank GPS und Einfach-Lenkung (a.k.a. EZ-Steer) zumindest auf der Geraden schon von der Maschine selbst übernommen. Harte Arbeit also.

Johann Hirsch, Ash, Snaggers und ich

Nachdem der Laster plus Anhänger mit etwa 21 Tonnen beladen war, stieg ich um in ebenjenen Oldtimer und fuhr mit Snaggers und seinem Hund zurück nach Nyabing, um die Ladung bei CBH abzugeben. CBH steht für Co-op Bulk Handling und ist eine, wenn ich mich recht erinnere oder Wikipedia konsultiere, aufgrund der Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise in den 30ern gegründete Farmerkooperative, die die Vermarktung und den Verkauf von Getreide aus dem Südwesten Westaustraliens übernimmt (der sogenannte Weizengürtel). In vielen Orten hier im Umkreis gibt es eine Getreidesammelstation, an dem die Produkte der Erzeuger abgenommen werden, die dann je nachdem wie viel sie eingebracht haben, bezahlt werden. Wer sich auf Google Maps die Weltstadt Nyabing schon angesehen hat, weiß, dass da im Norden so weiße Silos stehen, die gehören zur CBH, sowie die Gebäude und die offenen Getreidesammel-„becken“, die da alle entlang der Bin Road zu entdecken sind. Dieses Jahr kamen zwei dieser Becken dazu (das ist quasi ein geteertes Fundament mit etwa anderthalb Meter hoher Mauer drumherum, die dann, wenn mit nem ordentlichen Haufen Getreide gefüllt, einfach mit Plane abgedeckt werden), weswegen wir im Pub die ganze Zeit mit den Roadtech-Guys ausgebucht waren. Dort bringt also jeder Farmer im Umkreis sein Getreide hin und auch ich durfte einmal die Runde mitmachen, ein paar Fotos schießen und einen Zeigefinger bekommen, weil ich keine Warnweste trug.

Bei der Ankunft werden mit einer Hightechmaschine vier Proben aus jeder Ladung genommen, die dann gemischt werden um ein repräsentatives Bild wiedergeben zu können. Diese Proben werden dann untersucht, auf Korngröße und Verschmutzungen und solche Dinge, und dann wird bekanntgegeben, wo man sein Getreide abgeben darf. Snaggers lieferte offensichtlich hervorragende Gerste (allerdings wird er nicht soviel davon haben, es war ein leicht unterdurchschnittliches Jahr mit wenig Regen und dafür einigen Frostnächten) an und durfte daher, nachdem er mit der ganzen Ladung über die Wiegestation gefahren war, zu dem langen weißen Silo ganz im Osten fahren und die Ladung dort abkippen. Mit dem leeren Laster ging es dann wieder zum Wiegen, und solcherart die abgelieferte Menge berechnet, fuhr er dann wieder raus um die nächste Ladung zu holen.

Haufenweise Gerste

Ich hingegen holte mir ein Eis und ging dann arbeiten. Snaggers geht davon aus, dass sie für die Ernte zu zweit etwas weniger als einen Monat brauchen werden. Wenn das Wetter hält. Wenn es regnet, wird erstmal pausiert, weil das nasse Getreide nicht geerntet werden kann, von daher profitieren die Farmer hier schon davon, dass seit den Regenfällen vor knapp zwei Wochen kein einziger Regentropfen mehr gefallen ist. Einige hoffen daher, dass die Ernte dieses Jahr tatsächlich schon vor Weihnachten vorbei sein könnte, statt wie sonst erst im Januar, was üblicherweise das Weihnachtsfest recht kurz und wenig besinnlich macht. Dass das gute Wetter jedoch auch die Ernte verlangsamen kann, hab ich dann am Sonntag miterleben können, als ein Erntebann am frühen Nachmittag ausgesprochen wurde und innerhalb einer halben Stunde der Pub gut gefüllt war. Zu heiß – in diesem Fall 36° – und Wind bedeutet eine nicht zu vernachlässigende Feuergefahr, die die Maschinen, wenn sie auf Steine treffen, durch einen Funken auslösen können. Als das Ernten Punkt 17 Uhr wieder erlaubt war, war der Pub auf einen Schlag wieder leergefegt.

Solcherart mit dem Ernten von Getreide bekannt gemacht, nutzte ich meinen freien Samstag dann zum Arbeiten, allerdings wieder mit Frenchys Schafen. Gary holte mich morgens ab, und wir fuhren auf die Farm, wo wir erstmal losziehen mussten um einige Schafe, die sich der Schur entzogen hatten, vom Feld zu holen. Dazu stieg Gary auf einen Quad, während ich den alten Klapperjeep in meine Verantwortung übertragen bekam (mit Gangschaltung auf der linken Seite… mit der ich erstaunlicherweise weniger Probleme hatte als Gary, ha!) um die Schäfchen einzufangen. Das glich mitunter der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Es waren dann 6 von den 700 Schafen auf der Weide, die auf wir auf den Jeep packten, nachdem wir sie irgendwie separiert und zum Anhalten bewegt hatten, eine „Jagd“ die Gary mitunter dreimal um einen Baum herum führte, während ich im Jeep saß und mit das Lachen ob des cleveren Schafes nicht verkneifen konnte. Die Schafe wurden dann zurück zur Scheune gebracht, wo die Scherer seit Tagen am Werk waren. Unsere Aufgabe bestand darin, die frischgeschorenen Schafe mit einem Läusemittel einzusprühen – weswegen auch kein Schaf ungeschoren bleiben durfte, es müssen alle Schafe behandelt werden – was eigentlich recht fix ging und auch weniger anstrengend war als das Drenching und Tagging eine Woche davor. Als mir Gary das Ganze beigebracht hatte, ließ er dann verlauten, dass 1300 Schafe heute anstünden und dass er jetzt zum Bowling* geht. Ahja… Dankeschön?

Kunst. Definitiv.

Kurz darauf kam jedoch Frenchy, so dass ich nicht alleine war – auch brachte er Humper mit, der das Schafetreiben ungemein einfacher macht. Da wir schneller sprayten als die Scherer schoren, konnten wir die Zwischenzeiten auch nutzen, um Schafe wieder auf die Weiden zu treiben oder andere Dinge zu organisieren, was doch eine willkommene Ablenkung zur körperlichen Arbeit in knallender Sonne war. Das war dann doch schon ne deutliche Spur härter als die Arbeit einen Tag davor. Trotz Pausen in der Scheune und ungefähr einem halben dutzendmal Neuauftragen von Sonnencreme war deren Wirkung nicht zu übersehen, kleine rote Streifen wo ich nicht mit meinen Händen hinkam zeugten davon sowie das Gefühl abends das Bett zu wärmen und nicht andersherum. Ich bin ein glühendes Brikett…

Nachmittags um halb 6 waren wir dann durch mit den Schafen und es gab für alle Beteiligten kaltes Bier. Zwar war die Sonne zu diesem Zeitpunkt auch schon deutlich schwächer und es angenehm lau, ich ließ es mir trotzdem nicht nehmen, zur Abkühlung in einen der Dämme auf den Paddocks zu springen und ein paar wenige Züge durchs kalte Nass zu schwimmen.

Und eigentlich hätte ich es nach dem Tag besser wissen sollen, meine Beine waren ziemlich schwer und ich hundemüde, trotzdem bestand ich darauf am Sonntagmorgen, wie geplant, noch Wandern zu gehen. Jarrad und ich hatten das die Woche vorher abgemacht und so fuhren wir frühs los Richtung Stirling Range, um dort den Bluff Knoll zu besteigen, mit 1095m der höchste Berg in Südwestaustralien.

Stirling Range

Die Tour hörte sich recht machbar an, 3km hoch und dann wieder runter. Was jedoch vernachlässigt wurde hinzuweisen, waren die etwa 600 Höhenmeter, die man in diesen 3km irgendwie unterbringen musste. Immerhin hatten wir noch eine laue Stunde dabei, aber als es dann recht schnell recht warm wurde, stellte sich doch heraus, dass das ne ganz schön anstrengende Tour werden würde. Mir taten die Wanderer leid, die bei über 30° grade ihren Aufstieg begonnen, als wir schon wieder fix und fertig auf unserem Abstieg waren. Trotzdem war es eine schöne Wanderung mit gutem Ausblick auf die Stirling Range und das platte Land in alle Richtungen davon weg, mit einigen Echsen entlang des Weges, zum Glück keinen Schlangen, erfrischender Brise auf dem Gipfel und leiderleider ungefähr 28,95 Quadrillionen nerviger Fliegen. Unten angekommen erlaubte ich mir ein erfrischendes Eis im Cafe, dann ging es wieder nach Nyabing, wir mussten schließlich beide noch arbeiten. Ist ja Sonntag. Ich brauchte dann ungefähr bis gestern, um mich von diesem Wochenende zu erholen…

* Das Bowling hier sollte man nicht mit dem, wie wir es kennen, verwechseln, also mit Kegeln und so. Es ist vielmehr eine Mischung aus ebendiesem und Boule, was ja vermutlich auch nur französisch für Bowlen ist… Jedenfalls spielt man es draußen auf einer Wiese. Einer kegelt die Zielkugel, und dann versuchen zwei Teams, möglichst viele Kugeln möglichst nahe an diese eine Kugel heranzukommen. Punkte bekommt man für jede Kugel, die man näher dran ist als die nächste Gegnerkugel.

Leo führt uns hier einmal vor, wie es gemacht wird.

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2 Kommentare zu “Lustig ist das Farmerleben

  1. „It is possible to ascend the face of the bluff with rock climbing equipment, or abseil down it, though it is very dangerous and preparation is vital.“ — Ja, ich verfolge die Links 😉

    Und, liebes Brikett, bitte achte auf deine Gesundheit! Musst du dir halt jemanden suchen, der die Stellen eincremt, die deine Arme nicht mehr erreichen. Oder, ok, Klamotten.

    • Da hast du wohl recht, liebe Anna, aber irgendwann hielt ich es unter dem langärmeligen Hemd (mit Kragen zum Hochklappen, wegen dem cooleren Aussehen… oder auch nur Sonnennackenschutz) nicht mehr aus und wechselte zum kurzen Shirt. Das Problem war auch eher der untere Rücken, wo wie immer das Oberteil zu kurz war, und der trotz Hinkommen am Rötesten war. Ansonsten war nicht viel Schaden zu verzeichnen. So oder so kann ich jetzt aber berichten, dass Grease Lightning auch nach australischer Sonne Wunder wirkt, am nächsten Tag war schon wieder alles im grünen, oder vielmehr hautfarbenem Bereich.

      „to abseil“ ist großartig, oder? 😀

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