Und sonst so: Der Standarddrink.

Bevor ich mich in eine kurzen Exkurs zum heutigen Thema stürze, vorab eine kleine Zusammenfassung, was ich die letzten Tage getrieben habe: Gearbeitet hab ich. Und Montag hatte ich mal wieder einen freien Tag, recht unangekündigt und spontan weswegen der Ideenreichtum dann auch nur für Rumlaufen, Fotografieren und Shopping in Katanning reichte. Rückwärts stoppte ich dann ein paar Mal am Straßenrand, um auch ein paar Fotos der Landschaft zu haben, und kaum dass ich dort ein paar Minuten rumlief, hielt das nächste vorbeifahrende Auto an und erkundigte sich, ob alles in Ordnung ist. Sollte also tatsächlich einmal etwas mit dem Auto nicht stimmen und man steckenbleiben, soll es also zumindest nicht an der mangelnden Hilfsbereitschaft scheitern (maximal an der mangelnden Anzahl an vorbeifahrenden Autos).

Katanning-Nyabing-Road

Auch auf dem Heimweg konnte ich einen Scharm Kakadus beobachten, die eine sehr interessante Flugweise beherrschen, die offensichtlich auf Startsturzflügen beruht. Spektakulös.

Schwarzer, weißbeschwanzter Kakadu

Wieder im Pub angekommen, hab ich dann den Rest des freien Tages mit der Nutzung der von Robyn ausgeliehene Muffinform verbracht. Und wenn ich das Resultat so betrachte, wird das wohl wirklich nichts mit dem Abnehmen. Zumindest Julie und Gary helfen mir bei der Reduktion der Bestände.

Papageiencupcakes. Kann sein, dass ich die Lebensmittelfarbe etwas exzessiv eingesetzt habe.

Wieder zurück im Pub fiel mir dann auch ein, dass ich euch eigentlich mal das Prinzip, nach dem hier das Alkoholtrinken gestaltet wird, erklären wollte. Das erste Mal wird man darauf aufmerksam, wenn man sich aus purer Langeweile die Flasche mit alkoholhaltigem Getränk ansieht, die man eigentlich gerade leert. Dort wird man dann so eine Grafik finden:

Dieses Bier ist 1,3 Biere. Oder so.

Richtig damit konfrontiert wurde ich jedoch, als ich meinen RSA ablegte. Ein RSA ist ein Zertifikat, welches das verantwortungsvolle Ausschenken von Alkohol bestätigt und ohne dass man nicht mal dekorativ hinter einer Bar herumstehen darf. Ich kann von dem bisschen Recherche während meiner Jobsuche berichten, dass man in Australien einen gewissen Zertifikatsfetisch entwickelt hat und egal für welchen Job – irgendein Zertifikat ist immer nötig, egal ob nun der blaue Zettel, oder der weiße oder der gelbe oder einer von hunderten anderen. Es gibt Kurse, in denen man lernt, ein Stoppschild an der Baustelle ordentlich zu halten. Im Gegensatz zu letzterem war der RSA vergleichsweise einfach, da online, und mit gerademal $50 vor allem günstiger zu erwerben.

Im RSA-Frage-Antwort-Spiel wird einem dann der Standarddrink erklärt und man wird mit einigem an Zahlen bombardiert – die man sich glücklicherweise nicht alle auswendig merken muss, da ja sowieso überall entsprechende Hinweisschilder und Informationsplakate hängen. Was ist das nun, ein Standarddrink? Es ist eine recht simple Messgröße, die den Alkoholgehalt eines beliebigen Getränks angibt, entsprechend der Kenngröße 1 Standarddrink = 10g Alkohol. Auf diese Weise kann man recht einfach zusammenzählen (solange man noch nicht vollends betrunken ist und entsprechende Abstriche in der mathematischen Leistung hinnehmen muss) wie viel Alkohol man getrunken hat. Das Bier von oben enthielte demzufolge 13g Alkohol. Ein gezapftes Glas, ich gehe jetzt von einem „Middy“ a 285ml aus – und nein, ich werde heute nicht in die Differenzierung von verschiedenen Glasgrößen wie Pint, Handle, Small, etc. einsteigen – ist circa 1 Standarddrink. Biere mit weniger Alkoholgehalt sind natürlich weniger und Cider sind irgendwo dazwischen, ein Full Shot Schnapps – 3dl – geht auch als ein Standarddrink durch, ein Glas Wein liegt da schon um Einiges drüber. Wer das gerne visualisiert haben will, bitte:

Übersichtstabelle mit ausgesuchten Beispielen. Die ausführlichere Variante gibt es hier.

Solchermaßen den Alkoholkonsum zu einer Rechenaufgabe umgestaltet, dient das Ganze natürlich dem sinnvollen und maßvollen Umgang mit Alkohol. Grobe Pi mal Daumen Berechnungen sagen dann, dass der Körper ungefähr 10g – also eben diesen einen Standarddrink – pro Stunde abbauen kann. Was mich an dieser Berechnung besonders amüsierte, war die Tatsache, dass die dann ganz hochoffiziell von Regierungsseite vorgerechnet wird, wieviel mal also trinken darf, um dann noch Auto fahren zu können (der erlaubte Blutalkoholwert ist irgendwo bei 0 bis 0,3% angesetzt). Man darf demnach, logischerweise pro Stunde einen Drink zu sich nehmen. Männer, die meist mehr Alkohol verarbeiten als Frauen, dürfen in der ersten Stunde sogar zwei trinken, wenn sie wollen. Wie man das jetzt anstellt, wenn alles in Flaschen und Dosen irgendwo bei anderthalb Drinks liegt, ist leider nicht protokolliert, wem entsprechende Rechnungen also zu hoch sind, der ist mit Bier mit niedrigem Alkoholgehalt also am Besten aufgehoben, da muss man nur die Flaschen mitzählen.

Aber irgendwie ist das den Leuten hier im Pub total egal – da wird halt getrunken, bis man nach Hause will. Und wenn das Zuhause eine Farm in etwa 20km Entfernung ist, wird garantiert nicht gelaufen. Und Taxis aus 60km Entfernung auch nicht gerufen. Noch ein Grund, warum man des Nachts nicht mit dem Auto rumfahren sollte – von suizidalen ‚Roos mal abgesehen. Das Alles erklärt aber auch, warum hier neulich eine Aufregung herrschte, die ich noch nie erlebt habe, wenn irgendwo ein Polizeiauto auftauchte (was hier in Nyabing Berichten zufolge nur passiert „wenn sie gerufen werden“). Drunk Driving ist genauso wie Speeding in Australien kein Kavaliersdelikt und berechtigt die Polizei durchaus zum Einzug des Führerscheins an Ort und Stelle, was wiederum Irgendwo im Nirgendwo auch nicht besonders empfehlenswert ist.

Aber soweit erstmal zum Standarddrink, wer das nächste Mal aus Jux und Dollerei mitzählt, kann ja gerne mal das Resultat verlauten lassen. Bis dahin gibt es noch ein Landschaftsfoto, einfach weil’s geht.

Blümchenwiese!

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5 Kommentare zu “Und sonst so: Der Standarddrink.

  1. Vielen dank für die Leerstunde zum Standarddrink 🙂 und diese Blumchenwiese Fund ich wunderhübsch und farblich gut zu den Muffins passend!
    Ganz viele liebe Grüße ins Outback!

  2. Nix da zuviel Lebensmittelfarbe! Bunt, juhu! (Ich finde die Blümchenwiese auch schön. 🙂 )
    Oh, und so zum Thema Lehrstunde, dann mal wie früher: „Müsste das nicht Promille = ‰ heißen?“

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