Ein Tag hinter der Bar

So meine Hübschen. Ich bin jetzt fast eine ganze Woche im Pub… und tue logischerweise nicht viel anderes als Arbeiten. Ich kann garantieren, das es mir sehr viel Spaß macht und ich in einem wirklich umwerfend netten, wenn auch leicht unverständlich Englisch sprechenden Umfeld gelandet bin. Und ich dachte mir, dass ich all denjenigen, die es interessiert, wie derzeit meine Tage aussehen, mal erzähle, was ich in meinem neuen Job den lieben langen Tag so treibe.

Zunächst jedoch erstmal ein Nachtragsfoto vom letzten Beitrag:

Irgendwo ins Nirgendwo – noch 40km bis Nyabing

Das Nyabing Inn ist ein typischer Country Pub, mit Schankraum, einfachem Essensangebot und Unterkünften und ist ein zentraler Anlaufpunkt sowohl für die wenigen Ortsansässigen als auch die Farmer im erweiterten Umland und dort ebenfalls tätige Bauarbeiter auf Montage. Das Einzugsgebiet dürfte sicher seine 25 – 30km in jede Himmelsrichtung umfassen…

Lass uns anhalten, sie haben kaltes Bier!

Aufgrund seiner quasi unbestrittenen Monopolstellung was die Alkoholversorgung in der Gegend angeht (der hiesige General Store direkt nebenan darf ja wie gesagt nicht), ist das Inn demzufolge auch nicht auf irgendwelchen Designschnickschnack angewiesen und präsentiert sich im typischen Charme eines Funktionsbaus mit Einrichtung von anno dunnemals. Der Boden im Schankraum senkt sich, im Gang zu den Zimmern federn die Dielen – weswegen zumindest ich da sehr gerne lang gehe – und insgesamt wurde recht wenig Augenmerk auf so etwas Überflüssiges wie stilvolles und zusammenpassendes Mobiliar gerichtet. Das macht aber nichts, denn das Wichtigste an so einem Country Pub sind ja die Gestalten, die darinnen wandeln, und da finden sich hier äußerst liebenswürdige Exemplare.

So wie Frenchy und Gary, die heute Punkt 14:30 auf der Matte standen.

Zum Einen ist da natürlich Julie, die Managerin, eine ganz liebe Frau die das Konzept Learning by Doing konsequent umsetzt… wie man Bier zapft, wurde mir einmal gezeigt, beim ersten eigenen Fehlversuch wurden ein paar Witze gerissen und seitdem geht es. Quasi jeden Tag verlangt irgendein Gast etwas Neues und ich muss erstmal Julie suchen um herauszufinden, wie das denn jetzt geht, was denn damit gemeint ist oder wo ich das jetzt finden kann. Sie kocht mir jeden Tag ein leckeres Essen und ist prinzpiell, nach ein paar Reinfällen mit australischen Barkräften von der besseren Arbeitsleistung von Backpackern überzeugt.Ihr Mann Gary ist logischerweise Stammgast und holt sie fast jeden Tag von der Arbeit ab – oder wie man den täglichen Gang in den Pub sonst so rechtfertigt. Er hat trotzdem nicht die längste Anschreibeliste – hier gibt es einige, die haben ihr eigenes Buch… Außerdem gibt es Gäste, die ich in den sechs Tagen, die ich hier arbeite, auch ungefähr genauso oft gesehen habe: Parrot, beispielsweise. Leo, ein sehr alter Herr, der jeden Tag seine 5 bis 6 Gläser Bier zu sich nimmt. Die Straßenbauarbeiter, die gerade hier einquartiert sind und demzufolge jeden Tag nach der Arbeit in den Pub gehen um etwas zu trinken bis das Abendessen fertig ist, und noch einige andere.

Die zwei von der Baustelle

Mit all denen kommt man natürlich ins Plaudern, was die Arbeit ungemein angenehm macht, hat man so doch Unterhaltung und Kontakt zu den „Eingeborenen“ quasi gratis dazu (auch ein Grund, warum ich so einen Job dann doch lieber wollte als mit Dutzenden anderen Backpackern auf einer Farm zu arbeiten). Wobei ich jetzt nicht nur rumstehe und quatsche, neinnein!

Ich bin die Tage immer für das Aufmachen zuständig gewesen. Das Inn macht 14:30 auf, das heißt für mich vor Allem eins: Ausschlafen! Der Vormittag steht mir zu meiner freien Verfügung, und ich leite den Arbeitstag zumeist mit einem ausgiebigen Brunch irgendwann nach um 12 ein. So gegen 13 Uhr beginnt dann das disziplinierte Arbeiten und auch so ein bisschen ein Fitnessprogramm. Jeden Tag muss sein: In der Küche die Reste vom Frühstück der Übernachtungsgäste aufräumen und abwaschen. Den Kneipenraum fegen und spätestens alle zwei Tage wischen. Den Kühlraum aufstocken, also Kisten aus der Lagergarage im Hinterhof nach vorne in den Schankraum holen und dort schön die neuen Kisten nach untendrunter stapeln (Rotation! Ich hör es die Lush-Mädels mitsingen!), das Feuer im Kamin vorbereiten (denn es wird abends rasch kühler, trotz der 20 Grad plus, die hier dankenswerterweise tagsüber herrschen – das wird dann im Sommer wohl auf 40  Grad ansteigen und ich werde mich dann vermutlich sehr über die ungenügende Dichtung des Kühlraums freuen). Nicht alle Tage, und deswegen schön abwechselnd werden zudem die Küche, die Badezimmer der Übernachtungsgäste und die Toiletten des Inns geputzt, die Flure gefegt bzw. gesaugt, Feuerholz geholt, undsoweiterundsofort. Dann noch fix den Kompressor einschalten, das Licht an und die Türe aufgeschlossen und es geht los… mit der Pause.

Bisher war es dann doch erstmal ruhig. Am Sonntag standen schon vorher welche vor der Türe und haben sich dann mit ein paar Bieren auf die Bank gesetzt und heute standen eben Gary und Frenchy schon überpünktlich auf der Matte, aber insgesamt sind die ersten 2 Stunden immer recht entspannt. Gestern kam gar 17 Uhr erst der erste Gast, der nicht nur kurz was zum Mitnehmen wollte. Joa, und deshalb kann ich in der Zeit in Ruhe lesen, wenn alles Andere gemacht ist. Wenn es dann langsam gegen Feierabendzeit geht kommt dann der ein oder andere und bestellt sich sein Bier. Dazu wird in der Regel ein Geldschein auf den Tresen gelegt und das Wechselgeld dann an Ort und Stelle liegengelassen… auch wenn man selbst mal eben woanders ist. Nicht wenige fangen mit ’nem 50$-Schein an. Nicht wenige müssen trotzdem irgendwann nochmal Geld aus dem Portmonnaie holen. Wenn das Bier leer ist und man ein Weiteres wünscht, so stellt man es vor sich. Dann komm ich angehüpft, nehme das leere Glas/Flasche/Dose und ersetze sie durch eine gefüllte und bediene mich am ausliegenden Geld. Ist man irgendwann bedient, legt man Glas/Flasche/Dose hin.

Etwas mehr Trubel bringen da schon die Schertrupps, die nach Feierabend mit ihren 6 bis 8 Mann ankommen und wahlweise einen ganzen Karton Bier für den Rest des Tages mitnehmen, dazu vielleicht noch ne Flasche Schnapps oder Schnappsmixcoladosen, oder gleich in der Bar noch Einiges an Knabberkram oder multiple Tequilas zu sich nehmen. Die meisten in diesen Teams sind aus Neuseeland und verdienen sich nomadisch in Australien einiges an Geld dazu, indem sie von Farm zu Farm fahren und dort Schafen zu neuen Frisuren verhelfen. Pro Team sind wohl, so wurde mir das hier erklärt, 3 bis 4 Scherer, der Rest arbeitet zu (Wolle wegkehren, Schafe bringen, etc.). Ein guter Scherer schafft am Tag zwischen 150 bis 200 Schafe, drei Minuten pro Schaf sind wohl normal. Pro Schaf gibt es 2,64$… harte Arbeit, und das zumeist sieben Tage die Woche.

Wenn die Schaftrupps durch sind, momentan sehe ich immer wieder die gleichen drei Teams, wird es wieder etwas ruhiger und der Rest des Nachmittags besteht dann eigentlich vorrangig aus Schankarbeit. Langsam merke ich mir dann auch die ein oder andere Vorliebe bei der Bierauswahl und muss nicht jedes Mal nachfragen. Im Pub stehe ich zumeist alleine, Julie macht derweil die Organisation und stellt sich im Laufe des Nachmittags in die Küche und kocht das Abendessen für die Hausgäste (mich inklusive). Gegen 20 Uhr kann ich dann pausieren, lecker Essen in mich rein stopfen und meine Beine mal lang machen. Danach stell ich mich in die Küche und bereite Frühstück und die Lunchpakete für die Bauarbeiter vor, wasche nochmal Geschirr, bevor ich wieder in den Pub gehe. Dort ist es dann zumeist schon etwas ruhiger – wenn noch viel ansteht, bleibe ich hinter der Bar, doch eigentlich kann man sich um diese Zeit doch hinsetzen und in Ruhe mit den Gästen quatschen und muss nur hin und wieder mal für liquiden Nachschub sorgen. Der Part der Arbeit ist also auch wieder recht entspannt und meistens kriegt man dazu auch selbst was zu trinken. Wie lange sich das hinzieht ist dabei offen, prinzipiell muss der Pub Mitternacht zu sein, 22 Uhr an Sonntagen, aber bisher gingen die Letzten so gegen 23 Uhr. Es ist allerdings kein Problem, wenn nicht mehr viel los ist (will heißen: Die letzten drei bis vier Leute), dass ich dann auch schon mal vorher in mein Zimmer verschwinde. Bleibe ich bis zum Schluss werden dann die Stühle hochgestellt, alle Türen verrammelt und die Lichter ausgemacht und es geht ins Bett.

Was mich erstaunt ist, wieviel in diesem kleinen Pub los ist. Es war die letzten Tage immer rege was los, was so zwischen 30 bis 50 zahlenden Gästen bedeutet, und die Umsätze lagen zwischen 1000 und 2000$ jeden Tag. Das finde ich jetzt schon bemerkenswert. Es soll wohl auch mal langsame Tage mit nur ein paar Hunderten Dollars Umsatz geben, aber so einen muss ich erst noch erleben. Momentan arbeite ich jeden Tag, da durch die hohe Auslastung bei den Übernachtungen (will heißen: Alle sechs Zimmer sind voll) eben viel zu tun ist. Da ich meine freien Tage jedoch sammeln kann, werd ich dann wohl nächste Woche mal drei bis vier Tage am Stück frei bekommen.

Was ich bis dahin so tue, wisst ihr ja jetzt.

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2 Kommentare zu “Ein Tag hinter der Bar

  1. Liebe Franzi,
    Wir haben uns gemeinsam mit unseren zwei Schmusekatzen sehr an deinem langen Eintrag erfreut. Abby und Martha waren so gespannt, dass sie sogar vergessen haben zu schnurren und jetzt erst wieder einsetzen.
    Klingt nach nem coolen Job, die drei Monate sollten sprecht gut und interessant rumgehen. Ich hoffe es kommen für dich auh immer wieder neue interessante Gesprächspartner vorbei.
    Liebe Grüße In die Ferne aus Augsburg

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