Kurzer Zwischenbericht

Ich bin gut in Nyabing angekommen. Der Mazda, der fortan auf den Namen Donald hört, weil der Tacho so quietscht, hat mich ohne Probleme die dreihundertnochwas Kilometer hergebracht. Es war auf jeden Fall spannend, die erste Fahrt allein im Linksverkehr, wobei ich mich doch recht gut dran gewöhnt habe, wie ich finde. Ein Teilstück der Strecke fuhr ich auf einem Highway, der eigentlich eher eine Landstraße war, bloß mit Überholspuren und unbefestigten Parkplätzen. Interessanterweise ist auf den Landstraßen (erkennbar an der Abwesenheit von Überholspuren) das gleiche Tempolimit wie auf den Highways, nämlich 110kmh. Die letzten 40km fuhr ich dann auf einer einfachen Straße, immer noch 110kmh, begegnete da zwei Autos, und sah keine Ansiedlung whatsoever.

In Nyabin angekommen lernte ich Julie kennen, die Managerin des Nyabin Inn, eine nette Dame im besten Lebensalter – so nennt man das wohl. Ich bekam ein Zimmer (das mit Fernseher) und wurde im Pub im Laufe des Abends schon mal einem Großteil der Stammkundschaft vorgestellt. Vorrangig natürlich Farmer aus der Gegend, Bauarbeiter, aber auch mal ne Schafschertruppe auf Durchreise. Und Parrot.

Parrot ist auch im besten Alter – könnte also mein Vater sein – und hat seinen rechten Arm vor langer Zeit bei einem Unfall verloren. Er arbeitet seitdem überall mit, wo man ihn braucht, und ist dementsprechend vernetzt (was bei ner Population von 170 Menschen sicher nicht so schwer ist, ich muss an dieser Stelle meine Angabe aus’m letzten Post korrigieren) und kümmert sich darum, dass die Aushilfen auch mal mit auf die Farmen dürfen, zuschauen und vielleicht mal mitmachen. Für Programm ist also gesorgt.

Der Telefonempfang machte hingegen Probleme, und so lief ich gestern zur Belustigung alles mit Handy suchend über den Parkplatz, dem Empfang hinterher. Ich bekam keinen, obwohl jeder Andere „zwei Balken“ hatte. Ich war leicht überfordert: Kein Empfang für die nächsten drei Monate? Keine Kommunikationsmöglichkeit zur Heimat? (Die Telefonzelle ermöglicht keine internationalen Anrufe und Internetcafé… ähm, nein?) Ich durfte dann bei der Managerin zu Hause kurz das Internet nutzen (USB-Plugin, es gibt hier tatsächlich kein Internetkabel), setzte dort Wohlbehaltenangekommensnachrichten ab und recherchierte mein Empfangsproblem. Es stellt sich heraus, dass man nicht nur die richtige SIM-Karte braucht (Telstra deckt als Einziger den Hinterwald ab, ist also quasi Monopolist) sondern auch ein Telefon mit gutem Empfang. Den hat mein Defy eigentlich laut Liste – aber nicht die für den internationalen Markt produzierten Exemplare. Jetzt kann man sich damit abfinden und halt drei Monate Abenteuer fernab im Outback durchziehen, aber mich erschrak die Vorstellung – vor Allem im Hinblick auf keine Kommunikation mit Max, ohne die ich mir das nur schwer vorstellen konnte.

Ich zog also die Konsequenz – und fuhr heute Morgen in die benachbarte Stadt (60km), die etwas größer ausgefallen ist und deswegen auch einen Mobilfunkladen hat. Ich kaufte mir ein Handy mit besserem Empfang, ein Billig-Samsung für 100$ (und wieder Geld weg…). Mit dem hab ich jetzt wunderbare zwei Balken Empfang, was auch euch zugute kommt, denn ohne Empfang keine Blogeinträge.

Solcherart beruhigt fing dann mein erster Arbeitstag an. Putzen und Abwaschen, Bier kistenweise in den Kaltraum schaffen und kistenweise wieder rausholen zum Verkaufen (da Supermärkte im Allgemeinen nicht lizenziert sind, muss man sich den Alkohol für den Heimgebrauch im Pub zum Take-Away bestellen), die Kasse hab ich kennengelernt und das Bierzapfen geübt. Soweit macht das Alles Spaß und ich bin gespannt, was da in den nächsten Wochen alles passiert. Und ihr könnt sicher sein, dass ihr davon auch was hört!

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